Derby-Sieg erst nach Weihnachten

16. Dezember 2016, 22:28 Uhr

Auch im dritten Derby der Saison gegen Kassel waren die Löwen über weite Strecken tonangebend und verließen das Eis beim 2:3 dennoch nicht als Sieger.

Irgendwie braucht der Mensch wohl einfach etwas zum Hadern. Und wenn schon nicht die zahlreichen Siege und erstrecht nicht die Tabellenposition dazu taugen, dann doch wenigstens die Ausbeute in den prestigeträchtigen Derbies. In diesem Sinne lieferten die Löwen am Freitagabend – wenn auch unfreiwillig – wieder Futter für die Diskussionsrunden.

So aussichtslos die Auswärtsspiele zu DEL-Zeiten für Kassel in Frankfurt lange Zeit waren, so ertragreich sind sie in der jüngeren Vergangenheit. Selbst wenn die Löwen das bessere Team auf dem Eis stellen, gelingt es den Huskies dennoch immer wieder Punkte mitzunehmen.

Kasseler Comeback
Am heutigen Abend drehten sie dafür im letzten Drittel einen Rückstand mit zwei für die Löwen extrem unglücklichen Toren und einem überragenden Markus Keller im Tor, an dem sich die Löwen trotz zahlreicher eigener Chancen die Zähne ausbissen.

Daran änderte auch die nie abklingende Unterstützung der ausverkauften Eissporthalle etwas. Egal wie sehenswert sich die Löwen in der Offensive ihre Chancen zurechtkombinierten, der Puck kullerte nur im Löwentor über die Linie. Dafür das gleich zweimal. In der 52. Minute zog Austin Wycisk für Florian Proske verdeckt ab und traf zum Ausgleich. Zwei Minuten vor Ende kickte Corey Mapes die Scheibe irgendwie in Richtung Löwentor, wo Florian Proske sich die Scheibe im Gewühl vor dem maximal unglücklich ins eigene Tor lenkte (58.). Entsprechend bedient war der junge Goalie der Löwen nach dem Spiel, bei dem er seinem Team zuvor durch etliche starke Paraden eine gute Chance auf den Sieg bot.

Deftiges zum Auftakt
Die fast 7.000 Zuschauer sahen von Beginn an, wie in Heimspielen nicht anders gewohnt, Löwen auf dem Gaspedal. Auffällig, gerade im Vergleich zu diversen so gesehenen „Soft-Eishockeyspielen“, die friedlicher als so manches Mannschaftstraining daherkamen, war die körperliche Intensität der Begegnung. Auf beiden Seiten rumpelte es des Öfteren an der Bande; Highlight in dieser Hinsicht ein perfekt getimter Check von Pavel Dronia gegen Michi Christ (4.) hinter dem Frankfurter Tor. In der Offensive war es vor allem die Breitkreuz-Breitkreuz-Ratajczyk Formation, die immer wieder für Feuer unterm Kessel sorgte.

Beinahe verwunderlich war, dass es dennoch bis zur 8. Minute dauerte, als die erste Strafe  ausgesprochen wurde. Auf dem Eis machte sich die numerische Überzahl auf Seiten der Löwen allerdings kaum bemerkbar, denn Kassels Penalty-Killing funktionierte exzellent und lies die Löwen praktisch nicht zum Schuß kommen.

Doch mit Ablauf der Strafe klingelte es dann doch noch. Keine aufwändige Passstafette, kein technisch versierter Move, einfach nur ein satter, perfekt platzierter Schlagschuss von David Cespiva schlug hinter Markus Keller im Tor der Huskies ein (10.). Für Cespiva, der diese Saison mehr die Rolle des routinierten, defensiven Ankers denn des offensiv eingebundenen Verteidigers gibt, kam der erste Saisontreffer zum perfekten Zeitpunkt.

Mit dem Treffer wich allerdings etwas die Energie aus der Halle, was in erster Linie vor allem den Huskies half nun besser ins Spiel zu kommen. Ein kritischer Puckverlust im eigenen Drittel führte nur dank fehlender Feinjustierung bei Kassels-Topscorer Braden Pimm nicht zum Ausgleich (18.).

Eine Strafe gegen die Huskies, herausgeholt von Roman Pfennings, der von Drew MacKenzie an der Bande nur durch mit regelwidrigem Halten gestoppt werden konnte, brachte die Löwen aber postwendend zurück ins Spiel. C.J. Stretch und Brett Breitkreuz scheiterten aus kurzer Distanz allerdings an Markus Keller (19.). Sekunden vor der Pausensirene rettete Florian Proske die Löwen-Führung mit einem spektakulären Save gegen Toni Ritter (20.).

Entertainment auf dem Eis
Die defensive Ordnung, im ersten Drittel noch spielprägend, ließen beide Teams nach der Pause noch ein wenig in der Kabine. So entwickelte sich in den ersten Minuten des 2. Drittels ein energiegeladenes Coast-to-Coast-Spiel mit schnellen Abschlüssen und wenig Unterbrechungen.

Kaum hatte Florian Proske einen Konter von Manuel Klinge pariert, lag Mike Card der Puck an der gegnerischen blauen Linie auf der Kelle. Da im Slot ein Kassler Verteidiger Markus Keller lehrbuchmäßig „über den Haufen fuhr“ hatte C.J. Stretch wenig Mühe vor den Augen seiner Eltern die 2:0 Führung zu erzielen.

Währenddessen blieb die dritte Reihe ihrer Linie treu und brachte die Kassler Hintermannschaft mehrfach in Aufruhr. Mit Erfolg: die gleichmäßige Verteilung von je 2 Minuten gegen Carter Proft und Clarke Breitkreuz nach einem kleinen tête-à-tête gefiel dem Kassler allerdings so wenig, dass er sich gleich noch zwei 10 min Strafen sicherte und als erster und ganz privat die Dusche in der Gästekabine nutzen durfte.

Die Löwen entnervten Kassel in dieser Phase sichtlich. Den Huskies gelang vor allem offensiv wenig und wenn sie doch einmal zum Abschluss kamen, war Florian Proske zur Stelle. Kalt erwischte ihn jedoch ein Schlagschuss von Toni Ritter, der bei seinem Zug aufs Tor bedrängt vom Löwen-Verteidiger praktisch keine andere Abschlussgelegenheit hatte, den Puck aber dennoch in die Maschen drosch (39.).

Der Anschlusstreffer brachte die Huskies noch einmal ins Spiel, so dass Rico Rossis Team im Schlussabschnitt deutlich aktiver in der Offensive agierte. Mit guter defensiver Stockarbeit generierten die Löwen aber mehrfach Turnovers, wobei manch eigener Fehlpass die Entlastung schnell wieder zunichtemachte. Letztlich war dies vielleicht der einzige Kritikpunkt am heutigen Spiel der Löwen, dass ansonsten praktisch nichts vermissen ließ. Auch Paul Gardner war auf der Pressekonferenz nicht unglücklich über die Leistung, lediglich über das verpasste dritte oder gar vierte Tor seiner Jungs, denn weder Pavel Dronia (44.) noch Nils Liesegang (46.) oder Matt Pistilli (50.) konnten im dritten Drittel nachlegen. Auch Patrick Jarretts Penalty (51.) war nicht von Erfolg gekrönt.

Nach den beiden Kassler Toren zur Führung versuchten die Löwen im Powerplay und ohne Torhüter mit 6 gegen 4 Spielern in der Schlussminute noch einmal alles, doch zum Ausgleich fehlten Zentimeter.

Ausblick
Am Sonntag (18.12.) kommt es zur Löwen-Invasion in Bayreuth. Beim Auswärtsspiel in Oberfranken werden die Löwen von über 500 Fans im Sonderzug begleitet, die das Spiel bei den Tigers zu einer ordentlichen Party machen wollen. Zwar ist der Zug schon ausverkauft, doch ein sonntäglicher Ausflug nach Bayreuth um Teil des großen Festes zu werden lohnt dennoch. Spielbeginn ist um 16.30 Uhr. Wer nicht anders kann (oder will), für den überträgt SpradeTV das Spiel live.
Das nächste Heimspiel bestreiten die Löwen am Freitag, den 23.12. (19.30 Uhr) gegen Ravensburg. Karten gibt es natürlich in Löwen-Ticket-Shop.

 

Löwen Frankfurt – Kassel Huskies 2:3 (1:0, 1:1, 0:2)

Statistik

 

Löwen Frankfurt:

Torhüter: Florian Proske, Justin Schrörs

Verteidiger: Mike Card, Eric Stephan, Pawel Dronia, David Cespiva, Joel Keussen, Matt Tomassoni

Angreifer: Patrick Jarrett, C.J. Stretch, Ricco Ratajczyk, Roman Pfennings, Brett Breitkreuz, Matthew Pistilli, Richard Mueller, Clarke Breitkreuz, Eddy Rinke-Leitans, Nils Liesegang

Trainer: Paul Gardner