Herzschlagfinale bei der Fuchsjagd

13. November 2016, 21:33 Uhr

In einer turbulenten Partie besiegten bissige Löwen die Lausitzer Füchse mit 5:4.

Dreimal wackeln die Löwen, dreimal antworten sie. 59 Sekunden vor Spielende, nur Augenblicke nach dem 4:4 Ausgleichstreffer der Füchse macht Matt Tomassoni mit seinem ersten Saisontor den verdienten Sieg für die Löwen perfekt.

Eigentlich hätte die Partie bis dahin schon gelaufen sein können, denn Weißwasser war zwei Drittel lang kaum mehr als ein besserer Sparringspartner für starke Löwen. Anhaltend ernsthaften Gegenangriffen musste sich das Team von Paul Gardner eigentlich erst im letzten Drittel erwehren, als Weißwasser mit zwei Toren in Rückstand seine passive Defensivtaktik zunehmend aufgab.

Aber promt gelang dem Team von Hannu Jäärvenpää gleich zweimal der Ausgleich. Zunächst glichen Jakub Svoboda (49.) und Jens Hayer (50.) das Spiel mit einem Doppelschlag zum 3:3 aus. Als 74 Sekunden vor Ende auch nocheinmal Dennis Swinnen das 4:4 gelang, deutete (fast) alles auf eine Overtime hin. Doch dann erzwangen die Löwen das Glück und den 3-Punkte-Heimsieg.

Wundertüte Weißwasser
Beim ersten Duell gegen die Füchse am vierten Spieltag rangierte Weißwasser auf Platz zwei der Tabelle und war damit die Überraschung der damals noch (sehr) jungen Saison. Und auch den fünften Tabellenplatz nach 17 Spielen hätten wohl nur die wenigsten so prognostiziert. In der Länderspielpause allerdings unterlag Füchse-Topscorer allerdings den finanziellen Verlockungen von Ralph Bader und dem SC Riessersse und verließ Weisswasser gen Südbayern. Dem Spiel der Füchse tat der Verlust allerdings kein Abbruch- am Freitag wurde Crimmitschau mit 7:0 aus der Halle geschossen.

Die Löwen sahen sich somit am heutigen Abend einem starken, ausgeglichenen und schwer berechenbaren Kollektiv gegenüber. Entsprechend verschwenden die Löwen zunächst auch wenig Zeit damit, die Gäste überhaupt irgendwie zur Entfaltung kommen zu lassen, sondern setzten die Füchse mit dem Eröffnungsbully konsequent unter Druck.

Außer einer ungefährlichen Unterzahlsituation und einigen Kontern der Füchse spielte sich in den ersten 20 Minuten das Geschehen komplett im Drittel der Lausitzer ab. Mit schnellen Pässen überbrückten die Löwen das Mitteldrittel effektiv und drangen besonders über die Außenpositionen immer wieder problemlos in die gegnerische Zone ein. Durch die tief stehenden Füchse konnten die Löwen dort auch häufig schalten und walten- gleichzeitig drangen vergleichsweise wenige Schüsse (23 über zwei Drittel) bis zu Maximilian Franzreb durch.

Dass die Füchse aus ihren geblockten Schüssen nur selten wirkliche Konter aufziehen konnten, war auf das aggressive Forechecking der Löwen zurückzuführen, dass etliche Lausitzer Angriffe noch in deren Zone oder vor der Mittellinie beendete.

Brett Jaeger, der nach seinen Beschwerden vom Freitag durch Eissplitter im Auge dank dem Einsatz von Augentropfenwieder genesen war, erlebte im Tor der Löwen entsprechend einen vergleichsweise ruhigen Abend; zumindest bis ins Schlussdrittel, als er sich den Angriffen der im Rückstand liegenden Füchse erwehren musste.

Bei den Sturmreihen vertraute Paul Gardner erneut auf die Formationen von Freitag, da mit Stefan Loibl erneut ein zwölfter Angreifer zur Verfügung stand. Loibl erwies sich in der Reihe mit Patrick Jarrett und Clarke Breitkreuz einmal mehr als wichtiger Motor, der das Spiel der Löwen wesentlich bereichert. Besonders unterstrich er das in der 34. Minute, als er bei 4 gegen 4 Spielern auf dem Eis die halbe Hintermannschaft der Füchse schwindelig spielte, zwei Gegner auf sich zog und dann zum vor dem Tor frei stehenden Joel Keussen ablegte, der den Puck unter Franzreb ins Tor schob.

Der Treffer kam während des ersten kritischen Zeitpunkts: kurz zuvor gelang Weißwasser der glückliche Anschlusstreffer durch einen von Connor Gaarder verwandelten Penalty, nachdem der US-Amerikaner bei seinem Break von Mike Card regelwidrig behakt wurde (32.).

Das 1:0 der Löwen im ersten Drittel durch Lukas Laub (18.) war die logische Konsequenz aus dem anhaltenden Angriffsdruck. Zur Entlastung seiner Vorderleute begrub Franzreb den Puck, das folgende Bully holten sich allerdings die Löwen. Richie Mueller fand den offenen Lukas Laub im High-Slot, der Franzreb erstmals an diesem Abend überwinden konnte.

Mit dem Rezept der Füchse gelang Matt Pistilli in der 27. Minute das 2:0. Ein abgefangener Pass in der Defensive durch Eddy Rinke-Leitans ermöglicht Pistilli den 1 gegen 1 Konter gegen Franzreb, den er durch die Hosenträger überwindet.

Herzschlagfinale
Trotz ihrer Dominanz gingen die Löwen somit „nur“ mit einem 3:1 Vorsprung ins letzte Drittel, welcher allerdings nach dem Doppelschlag zehn Minuten vor Ende ebenfalls Makulatur war.

Wie schon beim 2:1 Anschluss lies die Antwort der Löwen allerdings nicht lange auf sich warten. Mit viel Verkehr vor dem Tor zog Pavel Dronia von der blauen Linie ab, C.J. Stretch hielt die Kelle rein und gab den Schuss die entscheidende Richtungsänderung zum 4:3 (51.).

Die Reaktion der Füchse hätte bereits die Vorentscheidung bringen können, denn Jakub Svobodas Bandencheck gegen Stefan Loibl wurde zurecht mit 5 Strafminuten (+Spieldauer) geahndet. Doch die Powerplay-Maschinerie der Löwen stotterte ein wenig und produzierte lediglich in der 54. Minute eine hochkarätige Gelegenheit- allerdings wollte der Puck weder von Stefan Loibl noch von C.J. Stretch über die Linie geschoben werden.

Und dann griff wieder die älteste Weisheit im Sport: Wer vorne versäumt Tore zu schießen, fängt sie hinten. Mit dem sechsten Feldspieler auf dem Eis und noch 74 Sekunden zu spielen schlug der Puck zum 4:4 hinter Brett Jaeger ein.

Doch nach der unglücklichen Niederlage am Freitag und den dominanten 40 Minuten zu Beginn des Spiels waren die Löwen heute sichtbar nicht gewillt mit weniger als 3 Punkten vom Eis zu gehen. Entsprechend entschlossen gingen C.J. Stretch und Co auch nach dem letzten Nackenschlag zu Werke, arbeiteten den Puck ins Drittel der Füchse. Dort legte Stretch auf den mitgelaufenen Tomassoni ab, der die Scheibe mit Vehemenz an Franzreb vorbei in die Maschen schoss.

Ausblick
Am nächsten Freitag gastieren die Löwen bei den wieder erstarkten Eislöwen in Dresden. Die Partie in Elbflorenz beginnt um 19.30 Uhr. Zum nächsten Heimspiel empfangen die Löwen in einer Woche den SC Riessersee. Spielbeginn in der Eissporthalle, am Sonntag, den 20.11. ist wie üblich um 18.30 Uhr. Tickets erhaltet ihr im Löwen-Ticket-Shop. Für die Verhinderten überträgt SpradeTV beide Spiele live.

Löwen Frankfurt – Lausitzer Füchse 5:4 (1:0, 2:1, 2:3)

Statistik

Löwen Frankfurt:

Torhüter: Brett Jaeger, Florian Proske
Verteidiger: Mike Card, Eric Stephan, Maximilian Gläßl, Pawel Dronia, David Cespiva, Joel Keussen, Matt Tomassoni
Angreifer: Patrick Jarrett, C.J. Stretch, Ricco Ratajczyk, Roman Pfennings, Brett Breitkreuz, Matthew Pistilli, Stefan Loibl, Richard Mueller, Clarke Breitkreuz, Eddy Rinke-Leitans, Lukas Laub, Nils Liesegang
Trainer: Paul Gardner