Happy Hang-Over

23. Oktober 2016, 21:39 Uhr

Dank einer Energieleistung biegen die Löwen im letzten Drittel einen 1:3 Rückstand um und gewinnen beim ESV Kaufbeuren mit 4:3 nach Verlängerung.

Nach dem grandiosen Triumph über den Spitzenreiter am Freitag reisten die Löwen heute zum ESV Kaufbeuren. Bei allem Respekt vor den Allgäuern hatte das ein bisschen was von einem Kater nach der großen Feier, von „Pflichtaufgabe“ und „Ligaalltag“.

Wer allerdings den Fehler macht, Kaufbeuren als „Karnevalstruppe“ zu unterschätzen, dem sei mit Mertesacker’scher Vehemenz entgegnet, dass die Allgäuer damit definitv nichts zu tun haben. Ohnehin für keinerlei Faschingstraditionen bekannt- spätestens seit auch der Joker aus dem Vereinslogo des ESV verschwunden ist, haben die Kaufbeurer wirklich nichts karnevalistisch Anmutendes mehr zu bieten.

Der Begriff der "Wundertüte" trifft dabei eher auf die Truppe von Anton Brockmann zu, denn der ESVK startete gut in die Saison, besiegte in der heimischen Sparkassen-Arena nicht nur die Kassel Huskies, sondern war bis zum Freitag auch das einzige Team, dass Bietigheim (in OT) schlagen konnte. Just nach dem Erfolg gegen die Steelers verlor man aber gegen die „Sub-10-Teams“ Heilbronn, Crimmitschau und Rosenheim.

Um Ähnliches zu vermeiden, mussten die Löwen heute alle Euphorie vom ersten Sieg des Wochenendes wieder in einen, wie Paul Gardner es ausdrückte „60 minutes, full team effort“, investieren. Doch bereits nach 40 Minuten war klar, dass sich dies heute nicht erfüllen würde, denn im zweiten Drittel schenkte man den Gastgebern zu viele Räume - und die wusste der ESVK unmittelbar zu nutzen.

Schon in der 20. Minute wurde Joona Karevaara in Überzahl zu wenig bedrängt, zimmerte den Puck aber zum Glück für die Löwen nur ans Lattenkreuz. Eigentlich hätte spätestens diese Phase die Löwen aufwecken müssen, denn Karevaara und seine skandinavischen Mitspieler Simon Olsson und Jere Laaksonen erinnerten die Löwen-Verteidigung auch schon zuvor mehrfach an ihren Job.

Wenig Biss
Vor allem durch zahlreiche gewonnene Offensiv-Bullies durch Laaksonen generierten die Kaufbeurer ihre Chancen.  Zwar kam im ersten Drittel noch nicht viel mehr als der beschriebene Lattentreffer heraus, doch das Powerplay war Beginn des zweiten Abschnitts noch nicht komplett abgelaufen, als Michael Fröhlich zum zwischenzeitlichen 1:1 ausgleichen konnte (21.).

Und bevor sich die Löwen darauf eingestellt hatten die 3 Punkte tatsächlich nur mit harter Arbeit zu bekommen, traf Branden Gracel im Nachschuss gar zur Führung (22.).

Dabei schien es fast, als hätten sich die Kaufbeurer in der Pause ein Video der ersten fünf Minuten der Löwen angesehen. Einfacher Schüsse aufs Tor bringen und mit den Rebounds für Gefahr sorgen war die Methode, die zuerst bei den Löwen, nun bei Kaufbeuren fruchtete.

Die Löwen begannen das Spiel derart stark, dass sich ESVK-Coach Brockmann schon in der 5. Minute gezwungen sah eine Auszeit zu nehmen um sein Team überhaupt erst mal wach zu bekommen. Bis dahin agierten nur die Löwen. Die Kaufbeurer Verteidigung geleitete auch in Person von Ex-Lion Sebastian Osterloh die Löwen mehr durch das eigene Drittel, als dass sie Zugriff auf den Puck bekamen. Das 1:0 durch Patrick Jarrett, der im Slot einen Pass aus der Ecke von Eddy Rinke-Leitans ohne große Probleme verwerten konnte, war die logische Folge (2.).

Dass die Löwen nach dem ersten Drittel überhaupt noch etwas ins Spiel investieren mussten, war neben der Skandinavien-Connection des ESVK vor allem der im zweiten Drittel mangelnden Struktur und Präzision im Spiel der Löwen zuzuschreiben.

Deutlich wurde dies u.a. in einem Powerplay Mitte des Drittels, als sich eigentlich die Chance zum Ausgleich für die Löwen ergab, diese sich aber einen dicken Patzer im Spielaufbau leisteten und so dem ESVK damit einen Zwei gegen Null Konter und das 3:1 durch Karevaara (28.) schenkten.

20-min Kraftakt
Somit sah sich das Team von Paul Gardner im dritten Drittel einem echten Kraftakt gegenüber, der vor allem auch noch durch eine 5+SD Strafe gegen Brett Breitkreuz erschwert wurde. Breitkreuz hatte seinen Gegner zu hart gegen den Kopf gecheckt. An dieser Stelle alles Gute an Matthias Bergmann, der hoffentlich nicht weiter verletzt ist.

Aber bis zur letzten Spielsekunde holten die Löwen alles aus ihren Tanks und erarbeiteten sich das Glück des Tüchtigen. Nicht mit schönem, aber mit konsequentem Eishockey drängten sie Kaufbeuren zunehmend in die Defensive und kamen durch Clarke Breitkreuz zum Anschluss (53.).

Als weniger als eine Minute vor Schluss Eugen Schmidt einen der auf beiden Seiten durchaus schon häufiger vorgekommenen Cross-Checks erstmals mit einer Zwei-Minuten-Strafe gegen Michael Fröhlich ahndete, nutzen die Löwen ihre Chance eiskalt. Ohne Florian Proske im Tor, dafür mit 6 gegen 4 Feldspielern traf C.J. Stretch 21 Sekunden vor Spielende zum Ausgleich.

Mit dem Momentum klar auf ihrer Seite dominierten die Löwen die Overtime und nutzten in Person von Nils Liesegang einen schlechten Wechsel der Kaufbeurer zum 4:3 Siegtreffer (63.).

Ausblick:
Am nächsten Freitag empfangen die Löwen zuhause zunächst den EHC Freiburg. Spielbeginn in der Eissporthalle ist wie immer um 19.30 Uhr. Kurz zuvor gibt es noch ein Wiedersehen mit gleich zwei echten Legenden des Frankfurter Eishockeys. Seid gespannt!
Tickets für das Spiel gibt es natürlich im Löwen-Ticket-Shop.

Am Sonntag geht es dann weiter in Ravensburg. Das Spiel bei den TowerStars beginnt um 18.30 Uhr.

Löwen Frankfurt:
Torhüter: Florian Proske, Brett Jaeger
Verteidiger: Mike Card, Eric Stephan, Maximilian Gläßl, Pawel Dronia, David Cespiva, Matt Tomassoni
Stürmer: Patrick Jarrett, CJ Stretch, Ricco Ratajczyk, Roman Pfennings, Brett Breitkreuz, Matthew Pistilii, Clarke Breitkreuz, Eddy Rinke-Leitans,  Lukas Laub, Nils Liesegang
Trainer: Paul Gardner

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