Katze im Sack

1. November 2016, 21:57 Uhr

Im Duell der Raubkatzen siegen die Löwen mit 6:4 und schicken die Tigers punktlos zurück nach Bayreuth.

Als im Sommer die Bayreuth Tigers den Schritt aus der Oberliga in die DEL2 wagten, staunten die Fans der Löwen nicht schlecht. Nicht etwa, weil der Aufsteiger ein unbebeschriebenes Blatt wäre, sondern vielmehr, weil die oberfränkischen Tiger sogleich von den mittelfränkischen IceTigers aus Nürnberg, bzw. Thomas Sabo, als Kooperationsteam vorgestellt wurden. Bitter für die Löwen Frankfurt, bis dahin Gegenstück der Kooperation, war bei dieser Geschichte vor allem die Tatsache, dass ihnen kurz vor der Saison mit einem Schlag mehrere, fest für den Kader eingeplante Spieler wegfielen. Zwei dieser potentiellen Kandidaten - Jens Meilleur und Vladislav Filin – liefen heute Abend im Dress des EHC Bayreuth auf, da die DEL spielfrei hatte.

Beide Akteure agierten auch durchaus auffällig und vor allem Filin war mit seiner Reihe an einigen guten Aktionen beteiligt. Wie bei seinem Alleingang in der 26. Minute endeten diese aber zumindest bis zur Spielmitte zumeist bei Florian Proske, der heute im Tor der Löwen startete.

Nach einer furiosen Phase der Tigers zwischen der 30. und 34. Minute allerdings, als Bayreuth mit 3 Treffern aus heiterem Himmel zum 4:4 ausglich, übernahm Brett Jaeger. Proske traf bei den Gegentreffern keine Schuld, aber die Löwen sahen sich zu diesem Zeitpunkt schon fast um den Lohn ihres starken ersten Drittels gebracht, denn beim Stand von 4:1 (2:0 nach 20. Minuten) schien man die Bayreuther Katzen im Sack zu haben. Glücklicherweise verfehlte Paul Gardners Weckruf in Form des Torhüterwechsels seine Wirkung nicht.

Erfolgsrezept Kadertiefe
Als Reaktion auf den Verlust der Nürnberger Spieler verpflichteten die Löwen kurz vor Saisonbeginn mit Roman Pfennings, Ricco Ratajczyk und Eddy Rinke-Leitans drei eigene Nachwuchsspieler. Durch die Verletzungen diverser Mitspieler zunächst ins kalte DEL2-Wasser geworfen, entwickeln sich die Jungs vor allem in den letzten Spielen zu immer wertvolleren Faktoren. Am heutigen Abend bekamen die Löwen zudem auch Verstärkung aus der DEL: Aus Straubing kam Stefan Loibl, so dass Paul Gardner vier komplette Sturmreihen aufbieten konnte.

Um die Aufstellung für Tigers-Trainer Sergej Waßmiller unberechenbarer zu gestalten, mischte Gardner seine Talente mit erfahrenen Spielern. Das optimale „Line-matching“ fiel den Gästen von Beginn an sichtlich schwer und so exponierten die Löwen gnadenlos die Schwachstelle des Aufsteigers: Die Defensive.

Fokussierte sich Bayreuths Abwehr auf die Verteidigung der Löwen-Paradereihe um C.J. Stretch oder der „Speedy Gonzales-Reihe“ ergaben sich prompt Räume für die Formationen um Captain Jarrett, Loibl und Rinke-Leitans oder Pfennings, Ratajczyk und Clarke Breitkreuz. Deren kollektiv engagierte Arbeit wiederum führte mehrfach zu „Mismatches“ bei Verteidigung der Frankfurter Topreihen, welche diese im ersten Drittel eiskalt ausnutzten.

Perfekter Auftakt
Zunächst noch ließen Max Gläßl und Nils Liesegang bei ihren Schüssen nur das Ping des Torpfostens erklingen. In der 8. Minute ertönte dann erstmals die Torsirene: Brett Breitkreuz arbeitete im Gewühl vor dem Tor, behauptete den Puck und schob ihn per No-look-Pass zum einrückenden Matt Pistilli, der aus kurzer Distanz keine Mühe hatte Tomas Vosvrda im Tor der Tigers zu überwinden.

Und mit seinem bereits mehrfach gesehenen trockenen und platzierten Handgelenkschuss legte „Pistol“ sieben Minuten später gar noch das 2:0 auf Vorlage von C.J. Stretch nach (15.).

Auch der Anschlusstreffer zu Beginn des zweiten Drittels durch David Wohlberg im Powerplay (23.) veränderte wenig an der kollektiven Dominanz der Löwen, denn die legten praktisch postwendend nach und kamen durch Mike Cards erstem Saisontor (Vorlagen von Rinke-Leitans und Jarrett) zum 3:1 (24.).

Als nur eine Minute später auch noch Liesegang, Laub und Mueller die Tigers schwindelig spielten und auf 4:1 erhöhten (25.), schien die Sache gelaufen und die Fans freuten sich schon auf den kostenlosen Äppler, der durch Muellers Tor fällig wurde.

Refokussierung
Auch Sergey Stas‘ 2:4 (30.) war zunächst kaum mehr als Ergebniskosmetik, doch der Treffer gab den Gästen wieder Mut. Durch diesen Mut, gepaart mit dem Momentum agierte Bayreuth nun offensiver, da defensiv ohnehin nichts mehr zu gewinnen war. Auch wenn sich nur kleine Räume boten- diese nutzen die Tigers durch Treffer von Felix Linden (31.) und Ex-Löwe Christopher Kasten zum 4:4 (34.) perfekt aus.

So war es wieder an den Topspielern der Löwen das Team zurück in die Spur zu bringen. Fast scheint es, als wäre genau dies die Spezialität von C.J. Stretch. Noch vor der zweiten Pause verwertete der Topscorer der Löwen einen Doppelpass mit Liesegang nachdem der ihm einen Querpass durch die halbe Offensivzone der Bayreuther exakt auf die Kelle vor dem Tor servierte (38.).

Diese Führung ließen sich die Löwen dann bis Spielende nicht mehr nehmen. Dabei war weniger druckvolles Offensivspiel als, wie schon in der Partie gegen Bietigheim gezeigt, ein konzentriertes und konsequentes Spiel im dritten Drittel der Schlüssel zum Sieg. Die Löwen agierten wohlüberlegt, vermieden riskante Pässe, gingen jedem Puck hinterher, ließen Bayreuth keinerlei Räume mehr und störten die Tigers bereits früh im Spielaufbau. Durch das vor allem in den letzten fünf Minuten enorm starke Forechecking ergab sich für den EHC erst 30 Sekunden vor Spielende die Gelegenheit den Torhüter vom Eis zu nehmen.

Jedoch auch mit 6 Feldspielern kamen die Tigers zu keiner Torgelegenheit und so konnte Richie Mueller sechs Sekunden vor Schluss den 6:4 Endstand mit einem Treffer ins leere Tor besiegeln (60.).

Ausblick
Am kommenden Wochenende pausiert die DEL2 aufgrund des Deutschland Cups. Weiter geht es daher erst wieder nächste Woche, zunächst mit einem Auswärtsspiel in Kassel. Spielbeginn am Freitag, den 11.11. ist um 19.30 Uhr. Zahlreiche Fanclubs bieten Fahrten an- also auf geht’s zu den Schlittenhunden! Wer statt des Komforts im Kasseler Zwinger lieber vom Sofa aus das Spiel sehen möchte: SpradeTV überträgt live!

Das nächste Heimspiel bestreiten die Löwen am Sonntag, den 13.11. gegen die Lausitzer Füchse. Spielbeginn in der Eissporthalle ist, wie Sonntags üblich, um 18.30 Uhr. Tickets erhaltet ihr im Löwen-Ticket-Shop.

 

Löwen Frankfurt – EHC Bayreuth Tigers 6:4 (2:0, 3:4, 1:0)

Statistik

 

Löwen Frankfurt:

Torhüter: Brett Jaeger, Florian Proske
Verteidiger: Mike Card, Eric Stephan, Maximilian Gläßl, Pawel Dronia, David Cespiva, Joel Keussen, Matt Tomassoni
Angreifer: Patrick Jarrett, C.J. Stretch, Ricco Ratajczyk, Roman Pfennings, Brett Breitkreuz, Matthew Pistilli, Stefan Loibl, Richard Mueller, Clarke Breitkreuz, Eddy Rinke-Leitans, Lukas Laub, Nils Liesegang
Trainer: Paul Gardner