Man kann nicht alles haben

6. Januar 2017, 22:58 Uhr

Durch eine ärgerliche 2:3-Niederlage nach Verlängerung gegen Heilbronn reisst die Siegesserie und die Löwen verpassen beim Heimdebut von Christoph Gawlik den Sprung an die (geteilte) Tabellenspitze.

So richtig laut wurde es in der Eisporthalle um 19.24 Uhr. In dieser Minute kehrte Christoph Gawlik unter dem Jubel von 4.454 Löwen-Fans zurück auf Frankfurter Eis.

Mit einem starken ersten Shift, bei dem Gawlik die halbe Heilbronner Hintermannschaft durchkreuzte gab er direkt die angedachte Marschrichtung der Löwen für das Spiel gegen die Heilbronner Falken vor- aber Falken-Goalie Andrew Hare war hier noch auf seinem Posten.

Dies war er eigentlich auch noch beim nächsten Angriff, allerdings hielt Hare Matt Tomassonis Schuss von der blauen Linie nicht fest, sondern ließ ihn durch seine Beine und vor die Füße von C.J. Stretch kullern, der das frisch gelegte Ei nach nur 39 Sekunden zum 1:0 für die Löwen versenken konnte.

Trotz dieses perfekten Auftaktes verpassten es die Löwen allerdings am Ende das Eis als Sieger zu verlassen und Christoph Gawlik einen gelungenen Einstand vor heimischer Kulisse zu schenken.

Willkommen „daheim“
Rückkehrer-Geschichten sind immer etwas Besonderes. Erstrecht aber, wenn es sich so verhält wie bei Christoph Gawlik. Obwohl in jungen Jahren schon zweifacher DEL-Champion mit den Eisbären Berlin, gelang ihm hier in Frankfurt sein großer Durchbruch als Top-6-Stürmer in der DEL, ehe er Ingolstadt 2014 zum Titel schoss. Seine beiden letzten Jahre in Düsseldorf waren leider vor allem durch Verletzungen geprägt.

Wieder genesen, erinnerte sich Gawlik zurück an seine erfolgreiche Zeit in Frankfurt, und wählte die Löwen als Station um seine Karriere wieder „auf Kurs zu bringen“. Dass ihm das gelingen möge, wünscht ihm in Frankfurt jeder; auch wenn das bedeutet, dass Gawlik nächstes Jahr wohl wieder DEL spielen wird. Einen ersten Vorgeschmack auf das, was er den Löwen bringen kann, gab Gawlik beim 5:4 Sieg in Freiburg am Dienstag, als er das wichtige 4:3 erzielte.

Heute lief Gawlik an Stelle von Eddy Rinke-Leitans an der Seite von Patrick Jarrett und Richie Mueller in der nominell ersten Reihe der Löwen auf. Damit vereinte Löwen-Coach Paul Gardner drei einstige Kollegen, denn alle drei spielten schon in der Saison 2006/07 in Berlin zusammen.  

Ihnen gegenüber standen ebenfalls mehrere „Rückkehrer nach Frankfurt: Patrick Vogl, Steven Bär und Richard Gelke begannen für die Heilbronner Falken. In der zweiten Angriffsformation von Fabian Dahlem, Heilbronns Aktivposten hinter der Bande, fand sich mit Justin Kirsch ein weiterer Ex-Löwe, genau wie Henry Martens im dritten Verteidiger-Pärchen. Der Empfang bei ihrer Rückkehr war den Außentemperaturen entsprechend natürlich wesentlich frostiger, als der für Christoph Gawlik. Am Ende jedoch waren es wohl besonders Vogl und Kirsch die zufrieden in die Kabinen der Eissporthalle gingen.

Gawliks Rückkehr wirbelte die Reihen in Paul Gardners Mannschaft durcheinander, vor allem da auch Brett Breitkreuz seine Sperre abgesessen hatte und Pavel Dronia wieder genesen war. Entsprechend kam es zur Wiedervereinigung der Breitkreuz-Brothers in einer Reihe mit Roman Pfennings oder Ricco Ratajcyzk, während die Topline um Pistilli, Stretch und Liesegang unverändert blieb.

Verpasste Chancen
Dass im ersten Drittel aber nicht mehr zählbares als Stretchs 16. Saisontor heraussprang, lag vor allem an einer sehr dichten und aggressiv spielenden Heilbronner Hintermannschaft, die bei Löwen-Angriffen rasch tief in die Defensive „kollabierten“.

Angefeuert von Dirigent Dahlem blieben die Falken möglichst dicht am Mann und zwangen die Löwen zu zügigem Passspiel. Manchmal übertrieben es die Heilbronner mit ihrer engen Deckung aber auch; so wie in der 10. Minute als zuerst Nils Liesegang mit einem fragwürdigen aber nicht geahndeten Check in die Bande befördert wurde und anschließend Jonathan Harty 2+10 min für einen Check gegen den Kopf bekam. Obwohl auch Kyle Helms noch auf die Strafbank musste, konnten die Löwen weder das 5-gegen-4, noch ein rund 30 sekündiges 5-gegen-3-Überzahl nutzen.

Heilbronns Offensivaktionen entsprangen größtenteils aus Kontern, wobei auch die Gegenzüge über die schnellen Flügelspieler Järvelainen, Gron oder Goldhelm Rylan Schwartz oft von den Verteidigern der Löwen abgefangen, spätestens aber von Brett Jaeger gestoppt wurden. Nur einmal gelang dies den Löwen nicht und promt konnte Ex-Kapitän Patrick Vogl als nachrückender Spieler den Puck an Jaeger vorbeilegen (44.).

Der Treffer zum 1:2 für die Falken zu Beginn des dritten Drittels beendete eine Phase, in der die Löwen ein „zu guter“ Gastgeber waren. Bis zur 30. Minute gaben die Löwen, trotz knapper Führung, eindeutig den Ton an. Dann luden sie die Falken bis zur 35. Minute mit drei aufeinander folgenden Strafen ein, das Angriffsdrittel auch einmal ausführlicher als bei den Kontern zu besichtigen. Und mit jedem Powerplay kamen die Falken dabei etwas besser in offensiven Schwung, so dass im dritten Überzahlspiel schließlich Tyler Gron per Direktabnahme vom linken Bullykreis den Ausgleich erzielen konnte (35.).

Auch wenn die Löwen schon nach dem 1:1 wieder das Spiel an sich rissen- ein bisschen fehlte ihnen der perfekte „Groove“, um auch Kapital aus den Angriffen zu schlagen. So ließen sie auch eine fünfminütige Überzahl, unterbrochen von der Drittelpause, ungenutzt verstreichen, in der sie natürlich Chancen kreierten, aber nichts Zählbares produzierten.

Erst Vogls Treffer erweckte die Löwen wieder und schon eineinhalb Minuten später gelang der Ausgleich. Mike Card legte von links kommend den Puck zu Matt Pistilli vor dem Tor, der Andrew Hare aus kurzer Distanz überwand (46.).

Die leicht veränderten Reihen – Brett Breitkreuz und Christoph Gawlik tauschten die Positionen – versuchten nun nachzulegen, verpassten aber einige gute Gelegenheiten, wie in der 56. Min, als Patrick Jarrett einen Querpass von Richie Mueller vor dem Tor nicht so voll traf, dass die Scheibe den Weg an Hare vorbei fand.

So wurden nach 60 Minuten beim Stand von 2:2 die ersten Punkte geteilt. Dank eines 4:3-Powerplaytreffers von Justin Kirsch ging auch der Bonuspunkt an Heilbronn.

Durch Bietigheims Niederlage in Bad Nauheim konnten die Löwen zwar dennoch einen Punkt auf die Tabellenspitze aufholen, allerdings wären sie bei einem Sieg bereits punktgleich mit Bietigheim gewesen.

Ausblick
Erfolgreicher als heute wollen die Löwen am Sonntag in Crimmitschau spielen. Das Spiel bei den Eispiraten im Sahnpark beginnt um 17.00 Uhr.

Beim nächsten Heimspiel am kommenden Freitag, den 13.1.2017, ist wieder Derbyzeit: Die Löwen empfangen die einstigen Teufel aus der Wetterau, den EC Bad Nauheim. Spielbeginn für das kleine Hessenderby in der Eissporthalle ist wie immer um 19.30 Uhr. Tickets erhaltet Ihr im Löwen-Ticket-Shop. Außerdem überträgt SpradeTV live.

 

Löwen Frankfurt – Heilbronner Falken 2:3 n.V. (1:0, 0:1, 1:1)

Statistik

 

Löwen Frankfurt:

Torhüter: Brett Jaeger, Fabian Heyde

Verteidiger: Mike Card, Eric Stephan, Max Gläßl, Pawel Dronia, David Cespiva, Joel Keussen, Matt Tomassoni

Angreifer: Patrick Jarrett, C.J. Stretch, Ricco Ratajczyk, Roman Pfennings, Brett Breitkreuz, Matthew Pistilli, Christoph Gawlik, Richard Mueller, Clarke Breitkreuz, Eddy Rinke-Leitans, Nils Liesegang

Trainer: Paul Gardner