Sich einen Wolf spielen

28. Oktober 2016, 21:55 Uhr

59 Minuten benötigen die Löwen Frankfurt um die effektiven Wölfe Freiburg mit 4:2 niederzuringen. Richie Mueller trifft bei seinem Comeback doppelt.

Nicht alle Eishockeyspiele sind etwas für das Saison-Highlight-Band. Unter dem Strich zählt manchmal einzig, dass man sie gewinnt. Spätestens seit dem letzten Wochenende wissen auch die Löwen, dass es einfache Punkte in dieser Liga definitiv nicht gibt. Wer nicht in jedem Spiel von Anfang bis Ende fokussiert auftritt und dabei vor allem auch die sich bietenden Geschenke des Gegners annimmt, muss sich seine Ausbeute umso härter erarbeiten.

Dominanz ohne Tore
Schon in Kaufbeuren schlich sich stellenweise eine gewisse Nachlässigkeit ins Spiel der Löwen ein. Freiburg tat am heutigen Abend selbst praktisch nichts für das Spiel, nutzte aber genau die sich bietenden Möglichkeiten. So wie in der 18. Minute als die Wölfe einen Entlastungskonter gegen sonst vollkommen feldüberlegene Löwen aufzogen und mit schnellem Passspiel zum Tor durch Tobias Kunz kamen.

Obwohl die Löwen auf der Gegenseite im ersten Drittel satte 18 Torschüsse generierten, gingen die Wölfe mit diesem, ihrem fünften Schuss bereits 2:0 in Führung. Der erste Treffer fiel bereits nach 50 Sekunden. Niko Linsenmaier nutzte eine kleine Lücke auf dem linken Flügel der Löwen um sich bis hinter das Tor zu spielen, bediente Jonas Schlenker und der überraschte Brett Jaeger im Tor der Löwen.

Damit gerieten die Löwen bereits in Rückstand, noch bevor sie den Beweis antreten konnten, dieses Spiel fokussierter zu bestreiten als die Partie in Kaufbeuren, wo die Löwen zwanzig Minuten uninspiriertes Eishockey nur durch einen Kraftakt im Schlussdrittel und der Overtime noch in einen Sieg verwandelten konnten.

Entsprechend ärgerte sich Paul Gardner auch noch nach dem Spiel über das aus seiner Sicht völlig unnötige Gegentor- insbesonderte, da solche Treffer gerne einmal Unruhe ins Spiel der Löwen bringen, wobei genau dies Gift gegen einen Gegner wie Freiburg ist.

Im Vorfeld der heutigen Partie ergab sich für den Löwen-Coach tatsächlich eine völlig ungewohnte Situation. Durch die Genesung von Joel Keussen und Richie Mueller konnte der Gardner ernsthaft über eine passende Reihenzusammenstellung nachdenken. Die Defensive war dabei erstmals in dieser Saison sogar vollzählig. Joel Keussen fuhr als nominell siebter Verteidiger seine Einsätze mit unterschiedlichen Partnern.

Im Sturm begann eine neu formierte „Speedy-Gonzales-Reihe“ mit Nils Liesegang und Rückkehrer Richie Mueller neben Lukas Laub. Vor allem ab dem zweiten Drittel zeichnete sich diese Reihe für einige gute Torgelegenheiten verantwortlich. Geschuldet was dies aber teilweise der Tatsache, dass nach der ersten Pause die Reihe um C.J. Stretch, Brett Breitkreuz und Matt Pistilli auseinander gerissen wurde, da letzterer sich seine bei einem Stockschlag teilweise abgeschlagene Fingerkuppe wieder annähen lassen musste.
Besonders nach dem frühen Rückstand war es diese Paradereihe, die die Löwen ins Spiel brachte. Stretch und Pistilli scheiteten auf der "Türschwelle" zum Tor an Lukas Mensators Schonern, Matt Tomassoni traf nur den Pfosten. Auch in den folgenden Wechseln entwickelte sich völliges Einbahnstraßen-Eishockey auf das Tor der Wölfe.

Muellers Comeback
Dennoch dauerte es bis zur 27. Minute ehe die Löwen ihren ersten Treffer auf die Anzeigentafel brachten. Nach einem Puckverlust der Wölfe nutzte C.J. Stretch den sich ihm bietenden Platz im  „High-Slot“ und traf mit einem trockenen Handgelenkschuss zum Anschluss für die Löwen.

Obwohl auch nach zwei Dritteln die Torschüsse mit 36:9 so sehr für die Löwen sprachen, dass die Umschreibung „deutlich“ noch untertrieben war, sollten die Löwen abermals viel Geduld und eine Energieleistung im Schlussdrittel benötigen, um ihren Gegner niederzuringen.

Doch Freiburg erwies sich als äußerst wehrhafter Gegner. Angriff um Angriff der Löwen rollte auf das Tor der Wölfe, doch der Ausgleich lies bis in die 52. Minute auf sich warten. Arbeitstier Brett Breitkreuz stand im Slot goldrichtig, nahm Mensator nicht nur die Sicht, sondern fälschte Mike Cards Schuss auch noch unhaltbar ab.

In der Schlussphase verdeutlichte sich die Bedeutung Richie Muellers besonders für die Special Teams der Löwen eindrucksvoll. Zunächst traf der Rückkehrer mit einem perfekten One-Timer aus seinem Büro im Powerplay am linken Bullykreis (56. Min). Zwei Minuten später besorgte er in Unterzahl den 4:2 Endstand mit einem Treffer ins leere Tor (59.).

Am Ende glich das Torschussverhältnis einem Spiel auf der Playstation: 50:16 für die Löwen.

Ausblick
Am Sonntag reisen die Löwen in die Brettspiel-Metropole Ravensburg. Spielbeginn bei den TowerStars ist um 19.30Uhr. Alle Daheimgebliebenen können das Spiel auch live auf SpradeTV verfolgen.
Das nächste Heimspiel steigt schon am kommenden Dienstag, den 1.11., wenn die Bayreuth Tigers in Frankfurt gastieren. Spielbeginn ist natürlich wie immer um 19.30 Uhr. Karten gibt es im Löwen-Ticket-Shop


Löwen Frankfurt
Torhüter: Brett Jaeger, Florian Proske
Verteidiger: Mike Card, Eric Stephan, Maximilian Gläßl, Pawel Dronia, David Cespiva, Joel Keussen, Matt Tomassoni
Angreifer: Patrick Jarrett, CJ Stretch, Ricco Ratajczyk, Roman Pfennings, Brett Breitkreuz, Matthew Pistilli, Richard Mueller, Clarke Breitkreuz, Eddy Rinke-Leitans, Lukas Laub, Nils Liesegang
Trainer: Paul Gardner

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