Big Bang Opening

10. September 2016, 21:00 Uhr

Mit einem Urknall startete am Samstagabend die Eishockeysaison 2016/17. In der Commerzbank Arena empfingen die Löwen Frankfurt die Kassel Huskies vor 30.000 Fans.

Frankfurt (DJ) - Seit dem ersten NHL Winter Classic im Jahr 2008 träumt wohl jeder Eishockey-Fan davon, sein Team einmal in der gigantischen Atmosphäre eines großen Freiluftstadions anfeuern zu können.

Und das Summer Game in der Commerzbank Arena setzte dabei neue Maßstäbe. Während Open-Air Events im Winter ja schon fast traditionell ausgetragen werden, war ein Eishockeyspiel bei 30° Außentemperatur ein Novum - zumindest in Europa. Wobei auch die Organisatoren des Summer Games bei dessen Bekanntgabe im März wohl kaum mit solch hochsommerlichen Witterungsverhältnissen rechneten.

Ice, heiß, Baby
Für die Fanparty und den Frankfurter Tag des Sports um die Commerzbank Arena war das Wetter natürlich perfekt. Aber während draußen das Eis an den Zungen der Besucher schmolz, sollte es im Inneren der Arena gefroren bleiben.

Nach dem Warm-up zeigten sich die Spieler beider Teams aber wie schon nach dem einzigen Training am Freitag, positiv überrascht von der Qualität des Eises - und um es vorweg zu nehmen: Die außerordentliche Eisfläche war kein verantwortlicher Faktor für den Ausgang des Spieles.

In Bezug auf ihre Taktik waren sich die Coaches beider Teams vor dem Spiel einig: Sowohl Paul Gardner wie auch Rico Rossi wollten die Partie angehen wie „ein normales Saisonspiel“.  und auf ihre individuellen Ausrichtungen vertrauen.

Für Paul Gardner bedeutete dies in erster Linie drei wichtige Spieler zu ersetzten: Neben dem Langzeitverletzten Nick Mazzolini sowie Matt Tomassoni auch Brett Breitkreuz, der eine Sperre aus der vergangenen Saison absitzen musste. Aus Straubing kamen dafür Stürmer Stefan Loibl und Daniel Filomonov als dritter Goalie sowie aus Duisburg Verteidiger Yannik Walch.

Dass es aber eben doch kein gewöhnliches Spiel werden würde, zeigte sich schon vor dem Eröffnungsbully. Selten sonst fotographieren sich die Spieler beim Warm-up vor der Zuschauerkulisse, ertönt die Carmina Burana im weiten Rund eines Fußballstadions und erheben sich mehr als 20.000 Zuschauer bei der Aufforderung „Steht auf, wenn ihr Löwen seid“.

Endlich wieder Eiszeit
Der Beginn des Spiels gehörte allerdings zunächst den Gästen – zumindest bis zur 56. Sekunde. In dieser nämlich traf Thomas Merl im Nachschuss zum 0:1. Brett Jaeger im Tor der Löwen hatte zunächst noch glänzend gegen Manuel Klinge pariert, war gegen den Nachschuss aus dem Slot aber machtlos.

Doch noch während die Kassler Fans feierten, drückten die Löwen aufs Gas und kamen zu ersten guten Gelegenheiten. Just in ihrer Drangphase kassierten die Löwen allerdings eine Strafzeit. Doch Richie Mueller demonstrierte unmittelbar, dass er im Sommer nichts verlernt hatte: Mit dem ersten Konter in Unterzahl versenkte er die Scheibe hinter Markus Keller (9.) und brachte die Commerzbank Arena erstmals zum Beben.

Im zweiten Powerplay machten es die Schlittenhunde allerdings besser und gingen durch Carter Proft erneut in Führung (13.).

Der Treffer gab den Huskies deutlich Sicherheit, zumal er abermals die Schwachstelle der Löwen im eigenen Slot offenbarte, in dem sie stellenweise zu zaghaft agierten anstatt kompromisslos aufzuräumen. Entsprechend griffen die Kassel in der Folge mehrfach auf das einfachste Rezept im Eishockey zurück und versuchten den Puck irgendwie in die Zone vor dem Tor zu bringen und Abpraller oder Rebounds zu versenken.

Ab dem zweiten Drittel allerdings ließen die Löwen den Huskies weitaus weniger Gelegenheiten sich offensiv in Szene zu setzen.

Begünstigt durch eine Strafzeit kurz nach Wiederbeginn (21.) erarbeiteten sich die Löwen das Momentum im Spiel. Als eine zweite Hinausstellung den Hausherren eine doppelte Überzahl ermöglichte, nutzen sie diese Gelegenheit eiskalt aus. Mit kontrolliertem Passspiel banden die Löwen die Gäste immer enger an ihr Tor, ehe Matt Pistilli den Querpass von Joel Keussen per Direktabnahme unhaltbar versenkte (23.).

Auch nach dem Ausgleich hielten die Löwen die Huskies an der kurzen Leine. Besonders die läuferisch starken Laub, Mueller und Stretch drängen die Kassler zunehmend in ihr Drittel. Die Führung für die Löwen besorgte allerdings die dritte Reihe um Dennis Reimer, der im Fallen den Rebound eines Schusses von Mike Card über die Linie schob (38.).

Hessenderby-Wahnsinn
Das 3:2 hielt allerdings nur wenige Spielminuten, denn eine Unachtsamkeit in der Löwen-Defensive nutze Toni Ritter, indem er eine Hereingabe von Carter Proft mit der Kelle ins Löwen-Tor lenkte (42.).

In der Folge erarbeiteten sich beide Teams ihre Gelegenheiten, zunächst aber ohne Zählbares. Die Schlussphase dafür wurde umso turbulenter.

Neun Minuten vor Ende der Partie kassierte zunächst Eric Stephan eine 5min + Spieldauerdisziplinarstrafe für einen unglücklichen Check von hinten gegen Feodor Boiarchinov, der in die Bande krachte. Drei Minuten überstanden die Löwen in Unterzahl dank großem Kampf schadlos, ehe zu allem Überfluss auch noch Mike Card auf die Strafbank musste und die Huskies in Anbetracht eines zweiminütigen 5:3 Powerplays schon Beute witterten.

Als Lukas Laub bei einem Break nur durch intensivstes Haken gestoppt werden konnte, reduzierten sich auch die Huskies um ein Mann. Auch einen weiteren Konter von Patrick Jarrett konnten die Nordhessen nicht regelkonform unterbinden. Den zugesprochenen Penalty parierte allerdings Markus Keller.

Als 1:32 min vor dem Ende Lukas Laub den Kasseler Schlussmann schließlich überwand (58.) sahen die Löwen wie der Sieger der Partie aus. Doch wenn die letzten Hessenderbies die Zuschauer eines gelehrt haben, dann dass die Partien immer noch eine Brise Wahnsinn besitzen.

Und so verwundert es nur bedingt, dass die Huskies mit 6 Feldspielern auf dem Eis noch den Ausgleich durch Manuel Klinge erzielten (60.).

Folglich durften die 30.000 Zuschauer beim ersten Summer Game einer weiteren Premiere beiwohnen: Die, der Verlängerung mit je 3 Spielern auf dem Eis. Erwartungsgemäß ergaben sich auf beiden Seiten Torchancen im Sekundentakt, bei denen die Huskies am Ende das glücklichere Händchen hatten.

 

Statistik