It ain't over 'till the fat lady sings

23. April 2017, 16:33 Uhr

Ein großer Kampf in Bietigheim endet für die Löwen mit einer unglücklichen 1:2-Niederlage. Somit kommt die Serie am Dienstag nocheinmal zurück nach Frankfurt.

 

 

Schmerz ist temporär, Ruhm bleibt für immer. Unter dieser Prämisse begegneten sich am heutigen Sonntag die verbleibenden 19 Bietigheimer Steelers und noch 20 Löwen aus Frankfurt zu Spiel 5 der Finalserie.

Natürlich hätten die Löwen gerne darauf verzichtet. Aber ausgerechnet am Freitag, als viele, vielleicht zu viele, schon auf das letzte Saisonspiel gehofft hatten, mobilisierten die Steelers nochmal letzte Kräfte und brachten den Löwen die erste Niederlage in den diesjährigen Playoffs bei, was zur Verlängerung dieses Finales führte.

Das Momentum aus diesem ersten Sieg konservierten die Steelers und wiederholten heute ihre Energieleistung von Freitag ein zweites Mal, so dass nun auch die Fans in Frankfurt noch einmal die Gelegenheit bekommen ihre Löwen am Dienstag in Spiel 6 sehen zu können.

Dabei hatten die Löwen in der heutigen Partie zumindest im dritten Drittel die Gelegenheit das dritte Heimspiel der Serie zu verhindern. Zwei Drittel lang stellten die Steelers das bessere weil bissigere Team, konnten die Defensive der Löwen und vor allem Brett Jaeger im Tor aber nur einmal bezwingen. Im dritten Drittel erzwangen die Löwen den Ausgleich durch Lukas Laub, zogen aber nach einem Kontergegentor von Robin Just am Ende dennoch den Kürzeren.

Powerplay-Festival
Motiviert durch den Sieg am Freitag und mit einer entsprechend optimistischen Kulisse im Rücken versuchten die Steelers vom ersten Wechsel an die Löwen daran zu hindern, auch nur ansatzweise Kontrolle über das Spiel zu erhalten.

Begünstigt wurde dieses Vorhaben durch zwei schnelle Strafen gegen Lukas Laub (2.) und Nils Liesegang (5.), mit denen Schiedsrichter Ralph Bidoul dem Körperspiel früh enge Grenzen setzt.

Dass Bietigheims Powerplay erst im dritten Anlauf zuschlagen konnte, lag wieder einmal vor allem an Brett Jaeger, dessen überragendes Positioning im Tor die Bietigheimer Stürmer Marcel Rodman (3.) und Benjamin Zientek (6.) schon früh an den Rand der Verzweiflung brachte.

In der dritten Runde des Specialteam-Duells kapitalisierten die Steelers nach einem kleinen Zonen-Ping-Pong dennoch. Nach einem abgefälschten Pass rutschte der herrenlos umhertrudelnde Puck Shawn Weller, der zuvor auch die Strafe gegen Joel Keussen zog, als ihn dessen Schläger touchierte, genau vor die Füße, so dass dieser wenig Mühe hatte, die Scheibe in die Maschen zu dreschen (9.).

Löwen erwachen
Die Löwen waren, natürlich gehemmt durch die Strafen, bis zur 12. Minute noch wenig im Spiel. Vor allem das Aufbauspiel aus der eigenen Zone hinaus funktionierte längst nicht so kontrolliert und schnörkellos, wie von Coach Paul Gardner gewünscht.

Nachhaltige Offensivakzente setzten die Löwen erstmals in ihren ersten beiden eigenen Powerplays ab Minute 12 bzw. 16. Ein Torerfolg blieb allerdings aus - auch, weil die Kellen der Löwen selten genau dort waren, wo die Rebounds hinsprangen bzw. Nachschüsse das Tor von Sinisa Martinovic knapp verfehlten.

Durch die beiden Powerplays fand aber zumindest das offensive Element langsam aber sicher Einzug ins Spiel der Löwen, so dass auch das Schussverhältnis bei Drittelende (11:8 Steelers) immerhin freundlicher aussah, als noch nach 10 Minuten.

Um die Defensive der Steelers zu knacken, waren die Löwen allerdings noch nicht ganz zwingend genug. Dies änderte sich auch nicht im dritten Powerplay der Löwen (ab Minute 27) nicht, in dem der heute ebenfalls sehr starke Silo Martinovic die gefährlichsten Schüsse von Pawel Dronia (27.) und Christoph Gawlik (28.) parierte.

Die Steelers verstanden es auch in dieser Phase erneut gut, die Löwen aus dem Slot fernzuhalten und ihnen lediglich die Räume entlang der Bande zugestatteten, so dass sich die Löwen vor allem mit Distanzschüssen begnügen mussten. Gleiches gelang allerdings auch der Defensive der Löwen, was dazu führte dass sich beide Teams bei 5-gegen-5 Spielern auf dem Eis weitestgehend neutralisierten.

Keep calm and trust in Jaeger
Je ebenbürtiger die Teams bei gleicher Spieleranzahl agierten, umso bedeutender wurden natürlich die Strafzeiten - die allerdings nur die Löwen zogen. Zunächst traf es Nico Oprée (33.), dessen Einsatz vom Schiedsrichter als unerlaubter Körpereinsatz interpretiert wurde. Da die Löwen wenig später einen fünften Mann in Unterzahl auf dem Eis hatten (35.), eröffnete sich für Bietigheim gar die Gelegenheit 50 Sekunden in doppelter Überzahl zu agieren.

Patrick Jarrett und seine Mannen verteidigten das eigene Gehäuse allerdings heroisch, eröffneten den Steelers keine guten Schussbahnen und hatten mit Brett Jaeger den herausragenden Spieler auf dem Eis, der alles wegfischte, was auf seinen Kasten kam, so dass die Löwen auch diese kritische Phase unbeschadet überstanden.

Aus dem Penalty-Killing zogen die Löwen weitere Energie, die zwar auch nicht im vierten Powerplay der Löwen nicht zum Torerfolg führte, im dritten Drittel allerdings das Spiel der Löwen bestimmte. Dabei gelang es ihnen einerseits zunehmend immer besser den Puck schnörkelloser aus ihrem Drittel zu bekommen und andererseits auch in der Offensive in ihren Reihen zu halten.

Erlösung
So rückte Bietigheims Defensive unter dem Druck der Löwen immer enger in den Slot vor ihrem Goalie, so dass für die Löwen schon beinahe kein Durchkommen mehr war. Dennoch arbeiteten die Löwen beharrlich weiter nach vorne und deckten das Tor von Martinovic kontinuierlich mit Schüssen ein, in der Hoffnung irgendwann die entscheidende Lücke zu finden.

Brett Breitkreuz (43.) und Nils Liesegang (45.) boten sich die ersten Gelegenheiten zum Ausgleich, aber Sinisa Martinovic konnte beide Schüsse parieren. Doch nach 48:46 Minuten zahlte sich die Beharrlichkeit der Löwen endlich aus. Einen Schuss von Eric Stephan fälschte Lukas Laub vor dem Tor noch ab, so dass Martinovic keine Abwehrchance blieb und der Puck zum 1:1 im Netz zappelte.

Bietigheim wirkte konsterniert, die rund 800 Löwenfans befreit.

Ernüchterung
Eigentlich hatten die Löwen Bietigheim nun dort, wo sie die Steelers haben wollten – nämlich in deren Defensivzone. Es spielen fast ausschließlich noch die Löwen, auch eine Strafe gegen Eric Stephan unterbrach den Druck der Löwen nur kurz.

Zwei Minute vor Spielende, die meisten der 4.155 Zuschauer hatten sich mental schon auf eine Verlängerung eingestellt, erlaubten die Löwen Bietigheim allerdings einen folgenschweren Konter über Bastian Steingroß. Dieser war zwar ebenso abgedeckt wie der mitgelaufene Marcel Rodman, Steingroß‘ Ablage aber fand den nachrückenden Robin Just der mit aller Wucht die Scheibe zum 2:1 versenkte (58.).

Obwohl Brett Jaeger wenig später seinen Kasten zu Gunsten eines sechsten Feldspielers verließ, war das Abwehrbollwerk der Steelers keine weiteres Mal mehr zu knacken, so dass Bietigheim die Nervenschlacht für sich entscheiden und das Wiedersehen am Dienstag erzwingen konnte.

Ausblick
Das nun anstehende sechste Spiel stiegt am Dienstag, den 25.4. ab 19.30 Uhr in der Eissporthalle. Tickets für die Partie erhaltet Ihr wie immer im Löwen-Ticket-Shop. Für alle Verhinderten überträgt SpradeTV die Partie natürlich auch live.

 

Bietigheim Steelers - Löwen Frankfurt 2:1 (1:0, 0:0, 1:1)

Statistik

 

Löwen Frankfurt:

Torhüter: Brett Jaeger, Florian Proske

Verteidiger: Eric Stephan, Max Gläßl, Pawel Dronia, David Cespiva, Joel Keussen, Nico Oprée, Matt Tomassoni

Angreifer: Patrick Jarrett, Christoph Gawlik, C.J. Stretch, Ricco Ratajczyk, Roman Pfennings, Brett Breitkreuz, Matthew Pistilli, Richard Mueller, Clarke Breitkreuz, Lukas Laub, Nils Liesegang

Trainer: Paul Gardner