Löwen on Feier: Vertagt

21. April 2017, 23:06 Uhr

Eine 2:3 Heimniederlage der Löwen – die erste in den diesjährigen Playoffs - verhindert das „ultimative“ Saisonende und führt die Finalserie zu einem fünften Spiel nach Bietigheim.

Es war alles angerichtet – was ausblieb war die Krönung. Die Löwen waren „in it to win it“, denn niemand im Team von Paul Gardner wollte den Steelers noch einmal Leben einhauchen, da mit einen möglichen „Momentum-Swing“ auch eine 3:0-Serienführung ganz schnell egalisiert werden kann. Für Bietigheim dagegen galt natürlich „do or die“ – siegen oder Sommerurlaub.

Die taktische Marschrichtung um die Steelers zu schlagen offenbarten die Löwen in den beiden letzten Spielen eindrucksvoll. Doch was würde passieren, wenn die eigene Taktik einmal nicht ganz so perfekt aufgeht wie zuletzt oder Bietigheim einmal das Momentum erlangte?

Die Antworten hierauf lieferte Spiel 4, denn Kevin Gaudets Team gelang es heute nicht nur die Verletzungsausfälle (zu David Wrigley und Freddy Cabana gesellte sich auch noch Marcus Sommerfeld) zu kompensieren, sondern auch so effektiv aufzutreten, wie sie sich in der Vorrunde trotz ähnlicher Probleme Platz 1 der Tabelle gesichert hatten.

Bis aber die Partie ein echtes Finalspiel war, benötigten beide Teams ein Drittel Anlaufzeit.

Ruhe vor dem Sturm
Die Spannung um und in der Eissporthalle war schon lange vor dem Eröffnungsbully spürbar. Während die Fans auf den restlos ausverkauften Rängen ihre Energie in lautstarken Gesängen kanalisierten, schlug sich die Spannung auf dem Eis, zumindest in den ersten zehn Minuten, eher in einem vergleichsweise fast schon zurückhaltenden Spiel nieder. Sowohl die Löwen wie auch die Steelers waren vor allem auf die Vermeidung von Fehlern fokussiert, so dass das Spiel eher einer ersten denn einer entscheidenden Finalpartie anmutete.

Die Löwen erarbeiteten sich in dieser Phase sukzessive ein leichtes Übergewicht, zumindest in Bezug auf die Zeit in der Offensivzone. Und wie schon in den beiden vorhergehenden Spielen gelang es ihnen auch heute zur Mitte des Drittels in Führung zu gehen. Richie Mueller nutzte eine leichte Konfusion in der Bietigheimer Hintermannschaft, um sein Team nach Vorlage von Christoph Gawlik und Patrick Jarrett mit einem trockenen Schuss in Führung zu bringen und die Eissporthalle erstmals erupieren zu lassen (11.).

Unter der Prämisse nicht mehr zu verlieren zu haben, ließen sich die Steelers heute allerdings deutlich weniger von dem Gegentor beeindrucken, als zuletzt. Entsprechend überließen sie nicht etwas den Löwen das Feld, sondern agierten selbst, forderden Brett Jaeger und egalisierten gar in Person von Rene Schoofs die Führung der Löwen noch vor der ersten Drittelpause (19.).

Schon der ausgeglichene Pausenstand- eine Premiere in dieser Serie- ließ für den Rest der Partie ein anderes Spiel als zuletzt vermuten.

Erste Führung Bietigheim
Mit Beginn des zweiten Drittels öffneten beide Teams ihre Visiere zumindest zentimeterweise. So entwickelte sich ein in allen Belangen intensiveres Spiel mit mehr Checks, mehr Abschlüssen und mehr Toren- letztere, zum Leidwesen der Löwen, allerdings nur für ihre Gäste.

Denn auch wenn die Löwen im 2. Drittel früh durch Richie Mueller (21.) und Joel Keussen (23.) zu ersten guten Abschlüssen kamen und ab der 26. Minute auch erstmals heute in Überzahl agieren durften, blieb Sinisa Martinovics Tor in dieser Phase wie vernagelt. Vor allem das aggressive (und erfolgreiche) Penalty-Killing der Steelers verhinderte dabei nicht nur einen Frankfurter Torerfolg, sondern nährte im Team von Kevin Gaudet tatsächlich ein zartes Pflänzchen namens „Momentum“.

Dieses erhielt gar einen ganzen Wachstumsschub, nachdem die Steelers in der 30. Minute mit 2:1 in Führung gingen. Mit Marcel Rodman im Slot war Brett Jaeger die Sicht genommen, so dass dieser bei Dominic Augers Distanzschuss ohne Abwehrchance war.

Momentum-Winner
Und weshalb sich Kevin Gaudet stets so sehr nach dem Elexier des Momentums sehnt, verdeutlichte sein Team in den Folgeminuten. Mit der, in der gesamten Serie erstmals vorhandenen, Führung auf der Anzeigentafel agierten plötzlich befreite Steelers, welche die Löwen vorne wie hinten unter Druck setzten.

Während einer 4-gegen-4-Sequenz - Lukas Laub und Max Prommersberger durften sich auf der Strafbank abkühlen - nutzen die Steelers dann den zwangsläufig vorhandenen Platz auf dem Eis sogar zum Ausbau der Führung. Nach einem Bullygewinn durch Marcel Rodman bedienten Dominic Auger und Shawn Weller den am langen Pfosten lauernden Rodman, dessen Tip-In von Jaegers Schoner nicht mehr gestoppt werden konnte (33.).

Als die Löwen wenig später erstmals selbst in Unterzahl agieren mussten, roch es stellenweise sogar nach einem weiteren Bietigheimer Treffer, doch die ESC-Penalty-Killing-Einheiten hielten dem Druck der Steelers stand, so dass der 1:3 Rückstand bis zur Pause Bestand hatte.

Zwei Tore zu egalisieren war für die Löwen natürlich keine unerreichbare Hypothek, allerdings bissen sie sich am heutigen Tage die Zähne an zähen Steelers aus. Vor allem die „lucky bounces“, die den Puck in den vorherigen Partien mehrheitlich noch irgendwie in den Reihen der Löwen hielten, entschieden heute die Steelers für sich.

Mit jeder torlosen Minute schien nun ein kleiner Hauch Hoffnung aus der Eissporthalle zu weichen, erst recht als die Löwen auch eine Überzahl, nach Strafe gegen Shawn Weller, ohne Treffer verstreichen ließen. Aber angetrieben von ihren frenetischen Fans, die den Weg in die Eissporthalle heute nicht aufgenommen hatten um ihre Löwen 1:3 verlieren zu sehen, kämpften die Löwen unerbittlich um ein Comeback.

Mit einer Strafe gegen Adam Borzecki ergab sich nach 50 Minuten erneut eine Powerplay-Gelegenheit- und diesmal nutzen die Löwen diese schon nach 24 Sekunden. Von C.J. Stretch und Matt Pistilli im Slot freigespielt, schnitt Nils Liesegang durch die Steelers Defensive, verlud Sinisa Martinovic und verstärkte die Hoffnung der Löwen (51.).

Das finale Löwen-Comeback allerdings wussten heute aufopferungsvoll kämpfende Steelers zu verhindern, die auch in den entscheidenden Momenten der Schlussoffensive der Löwen (zu) oft einen Schlittschuh, Schläger oder Körper zwischen Puck und Tor bekamen oder von Goalie Martinovic am Leben gehalten wurden.

Ausblick
Somit reisen die Teams nun zum fünften Finalspiel wieder nach Bietigheim. Die Partie in der EgeTrans Arena beginnt am Sonntag (23.4.) um 17.00 Uhr. Perfekt für einen kleinen Sonntagsausflug geeignet, also kommt mit und unterstützt die Löwen! Für alle Verhinderten überträgt SpradeTV die Partie aber natürlich auch live.
Tickets für das 5. Spiel erhaltet Ihr ab 0:00 Uhr im Ticket-Shop der Bietigheim Steelers

 

Löwen Frankfurt - Bietigheim Steelers 2:3 (1:1, 0:2, 1:0)
Statistik

 

Löwen Frankfurt:

Torhüter: Brett Jaeger, Florian Proske

Verteidiger: Eric Stephan, Max Gläßl, Pawel Dronia, David Cespiva, Joel Keussen, Nico Oprée, Matt Tomassoni

Angreifer: Patrick Jarrett, Christoph Gawlik, C.J. Stretch, Ricco Ratajczyk, Roman Pfennings, Brett Breitkreuz, Matthew Pistilli, Richard Mueller, Clarke Breitkreuz, Lukas Laub, Nils Liesegang

Trainer: Paul Gardner