Löwen Frankfurt: Meister aller Klassen!

25. April 2017, 22:07 Uhr

In einem hochspannenden sechsten Finalspiel schlagen die Löwen die Bietigheim Steelers mit 5:2 und sind damit Meister der DEL2-Saison 2016/2017!   Mit diesem Triumph sind die Löwen nunmehr das erste Eishockey-Team Deutschlands, welches den Titel in den vier höchsten Spielklassen gewinnen konnte.

Nach zwei Niederlagen in Serie standen die Löwen heute nicht nur fünf Bietigheimer Feldspielern und Sinisa Martinovic im Tor gegenüber, sondern hatten auch das Momentum gegen sich.

Doch am heutigen Dienstagabend waren die Löwen von nichts zu stoppen. Von Beginn an ließ das Team von Paul Gardner keinen Zweifel daran, wer heute das Eis als Sieger verlassen würde. 40 Minuten rangen Steelers und Löwen um jeden Zentimeter Eis, im dritten Drittel überrollte die Energieleistung der gesamten Löwen-Mannschaft den Vorrundenprimus. 

Dessen deutlich verbessertes Forechecking bereitete den Löwen in den letzten beiden Spielen einige Probleme. So gesellte sich heute stets ein Stürmer zu den sich offensiv bewegenden Verteidigern, um den Spielaufbau zu unterstützen. Auf diese Weise gelang es den Löwen ich bereits in den ersten Minuten einige gute Gelegenheiten zu erarbeiten.

Von seinen Reihenkollegen C.J. Stretch und Matt Pistilli im Slot immer wieder in Szene gesetzt, gelangen vor allem Brett Breitkreuz mehrfach gefährliche Abschlüsse. Bei seiner erster Chance in der 3. Minute scheiterte er noch knapp an Sinisa Martinovics Schoner über die er die Scheibe mit der Rückhand nicht ganz herübergelupft bekam.

In der 9. Spielminute hätte eigentlich das 1:0 für die Löwen fallen können – zumindest wenn das Tor noch dort gestanden wäre, wo es laut Regelwerk hingehört. Nach einer starken Einzelaktion von Clarke Breitkreuz, der sich durch die halbe Bietigheimer Abwehr bis vor Silo Martinovic tankte, kam Lukas Laub zum Nachschuss. Zwar fand der Puck den Weg vorbei am Spielerknäuel im Torraum, doch leider wurde dabei auch das Tor aus seiner Verankerung gerissen, so dass den Löwen kein Treffer zugesprochen werden konnte.

Beiden Teams merkte man schon im ersten Drittel den Kräfteverschleiß deutlich an, den der Spielrhythmus mit sechs Spielen in nunmehr elf Tagen forderte. Kombinationsreiches Angriffsspiel war kaum vorhanden, Abschlüsse ergaben sich vor allem aus einfachen Spielzügen.

Entsprechend waren beide Teams bemüht stets mindestens zwei, meist sogar drei Spieler hinter dem Puck zu haben um dem Gegner keine einfachen Konter oder Überzahlgegenzüge zu erlauben.

Die gefährlichsten Gelegenheiten im ausgeglichenen ersten Drittel (vgl. u.a. die ausgeglichene Schussbilanz von 8:8 nach 20 Minuten) entsprangen Distanzschüssen, die im stets stark bevölkerten Slot noch eine Richtungsänderung erfuhren. Sinisa Martonovic und Brett Jaeger waren aber (zunächst) stets Endstation.

Das zweite Drittel sah zunächst die Steelers im Vorteil, die mit mehr Dampf auf der Kabine kamen. Bei einem Gegenzug über Justin Kelly und Benjamin Zientek hatte die Löwen sogar Glück, dass Zienteks Schuss nur den Außenpfosten touchierte (22.).

Im nächsten Wechsel war es Brett Jaeger, der Playoff-MVP, der die Löwen spektakulär vor dem Rückstand bewahrte. Wie eine Klaue einer Katze im Anblick ihres heranfliegenden Lieblingsspielzeugs, zuckte „Brettle‑Cats“ Fanghand, obwohl nach einem initialen Save bereits auf dem Boden liegend, nach oben und fischte Matt McKnights Schuss aus spitzem Winkel noch aus der Luft (24.).

Bietigheims beste Chance in dieser Phase verpasste Justin Kelly der im Slot praktisch frei zum Abschluss kam, seinen Schuss aber durch den von Brett Jaeger verkürzten Winkel zu weit nach links setzte, so dass die Scheibe am linken Pfosten vorbeistrich (25.).

Just als sich das Momentum langsam auf die Seite der Gäste zu schleichen schien, antworteten die Löwen in der 28. Minute in Stile eines Champions: Nach einem erzwungenen Puckgewinn durch seinen überragenden Einsatz fand Lukas Laub mit seiner Ablage den offenen „Trailer“ Maximilian Gläßl in halblinker Position. Gläßl fokussierte Martinovics Position im Tor, nahm Maß und platzierte den Puck perfekt und unhaltbar im (aus seiner Sicht) rechten oberen Winkel (28.).

Bereits mit dem nächsten Wechsel gab Bietigheim seine zuvor sehr geordnete Defensive in Teilen auf und orientierte sich deutlich mehr nach vorne. Doch darauf schienen die Löwen nur gewartet zu haben. Nach einem Bullygewinn sorgten Liesegang, Breitkreuz und Laub für mächtig Wirbel im Raum um das Tor der Steelers. Unbeeindruckt vom Spielerhaufen, der Sinisa Martinovic in seinem Torraum behinderte (aber von seinen eigenen Mitspielern verursacht wurde) nutzte Lukas Laub die Vorlage von Nils Liesegang und chippte die Scheibe locker zum 2:0 ins Netz (31.). 

Bietigheims Schock nach diesen beiden Gegentreffern hielt allerdings nur bis zur 34. Minute, in der die Löwen ihre erste Strafe nahmen. Eine Minute lang spielten die Löwen ein sehr starkes Penalty-Killing, dann aber lief die Scheibe bei einem Angriff zu zügig zu dem am linken Bullykreis wartenden Shawn Weller, dessen Abnahme Pawel Dronia vor dem Löwen-Tor nicht mehr ganz blocken konnte und so unglücklich abfälschte, dass diesmal auch Brett Jaeger nicht mehr parieren konnte (35.).

Der Gegentreffer aus heiterem Himmel brachte die Steelers, die zuvor schon fast am Ende schienen, noch einmal heran und versprach ein hochspannendes Schlussdrittel, in dem die Löwen, obwohl sie das deutlich aktivere TEam stellten, ihres Erfolges noch lange nicht sicher sein konnten.

Schnelle Erlösung hätte den Löwen ein Treffer in den rund eineinhalb Minuten Überzahl geben können, mit denen sie die die letzten zwanzig Minuten der Saison begonnen. Entsprechend schnürten die sie Steelers, abgesehen von einer kurzen Unterbrechung, während dieser 90 Sekunden auch komplett in deren Drittel ein, das erlösende „Insurance-Goal“ ließ allerdings noch auf sich warten. Aber nicht mehr lange.

Getrieben von der mit exakt 6.990 Zuschauern ausverkauften Halle blieben die Löwen am Drücker, und Christoph Gawlik schien die Stoßgebete der Löwen-Fans aus der Drittelpause erhört zu haben. Schon sein erster Handgelenksschuss aus dem hohen Slot nach Vorlage von Patrick Jarrett hätte beinahe schon gepasst, wenn nicht der Pfosten im Weg gewesen wäre. Doch der resultierende Rebound flipperte genau auf Gawliks Kelle und im zweiten Versuch zappelte die Scheibe dann auch endlich im Netz (44.).

Bietigheim versuchte noch zu antworten, allerdings waren die Löwen nun völlig entfesselt. Den Steelers gelang kaum noch ein gefährlicher Angriff, da das gesamte Team der Löwen in der Verteidigung bis auf die letzte Rille mitarbeitete. Gleichzeitig manifestierten die Löwen in Person von Brett Breitkreuz, der mit 13 Toren in 14 Spielen eine unglaubliche Playoff-Runde spielte sowie der All-time-Leading-Scorer der Löwen, Nils Liesegang, in der 52. und 57. Minute ihren Triumph.

Der zweite Treffer der Steelers durch Shawn Weller (59.) ging bereits im kollektiven und grenzenlosen Jubel der Löwenfans unter, die nach dem Spiel die Eissporthalle in ein Freudenhaus verwandelten, wie es dessen Mauern seit dem 16.4.2004 nicht mehr erlebt hatten.

 

Löwen Frankfurt – Bietigheim Steelers 5:2 (0:0, 2:1, 3:1)

Statistik

Löwen Frankfurt:

Torhüter: Brett Jaeger, Florian Proske

Verteidiger: Mike Card, Eric Stephan, Max Gläßl, Pawel Dronia, David Cespiva, Joel Keussen, Matt Tomassoni

Angreifer: Patrick Jarrett, Christoph Gawlik, C.J. Stretch, Ricco Ratajczyk, Roman Pfennings, Brett Breitkreuz, Matthew Pistilli, Richard Mueller, Clarke Breitkreuz, Lukas Laub, Nils Liesegang; Nico Oprée, Eddy Rinke-Leitans und Dennis Reimer

Trainer: Paul Gardner

Sportdirektor: Rich Chernomaz