Spielbericht

Daheim weiter unbesiegt: Löwen ringen Tiger nieder

Die Löwen drehen einen 1:3 Rückstand im letzten Drittel gegen Bayreuth und gewinnen mit 4:3 nach Penaltyschießen.

Frankfurt (DJ) – „Es war ein hart umkämpftes Spiel. Genau wie man es gegen Bayreuth erwarten konnte,” resümierte Löwen Head-Coach Matti Tiilikainen nach dem 4:3 (0:1, 1:0, 2:2/1:0)-Comeback-Sieg gegen die Bayreuth Tigers.

Wie schon oft in der Vergangenheit taten sich die Löwen auch an diesem 10. Spieltag der DEL2 Saison 2019/2020 lange sehr schwer gegen die unangenehm zu spielenden Oberfranken. Nach Adam Mitchells Ausgleich des 0:1-Rückstandes im 2. Drittel gingen die Tigers im 3. Drittel früh mit 3:1 in Führung. Angefeuert von 4.283 Zuschauern in der Frankfurter Eissporthalle drehten die Löwen aber erneut eine Partie. Erst glichen sie durch Treffer von Carter Proft und Roope Ranta aus. Im Penaltyschießen besorgten Max Faber und Eddie Lewandowski den Sieg, während Patrick Klein beide Versuche der Tigers parierte.

Ein hartes Stück Arbeit

Was Tiilikainen als „hard fought game“ umschrieb, war eine Partie, in der Bayreuth in der 46. Minute wie der Sieger aussah. Die Löwen taten sich schwer gegen eng und tief stehende Tigers, die den geordneten Spielaufbau der Löwen nach Möglichkeit gern mit zwei Forecheckern und drei Spielern dicht an der Mittellinie empfingen und den Löwen so kaum Gelegenheiten gaben, mit Puckbesitz und Tempo ins gegnerische Drittel vorzudringen. Zwar erspielten sich die Löwen (fast) in jedem Spielabschnitt deutlich mehr Torschüsse als ihr Gegner, doch hochkarätige Chancen waren im kompletten Spiel bei am Ende 44 Schüssen eher rar gesät.

Als Bayreuth im 3. Drittel erst durch Nico Kolb (43.), dann durch Michal Bartosch (46.) mit 3:1 in Führung ging und die Löwen aus ihren bis dahin 30 Torschüssen lediglich einen Treffer erzielten, stand es schlecht um ihre Siegesserie in der heimischen Eissporthalle. Dass diese nun doch weiterhin Bestand hat, verdankten die Löwen einmal mehr ihrem Charakter, den sie nach dem Rückstand an den Tag legten. „Vor allem der schnelle Anschlusstreffer von Proft war der Knackpunkt im Spiel“ sagte Tigers-Coach Petri Kujala nach dem Spiel und meinte damit den Treffer zum 2:3 nur drei Minuten nach dem letzten Bayreuther Tor. Einen Schlagschuss von Faber fälschte Proft im Slot stehend unhaltbar für Brett Jaeger ab (49.).  

Als die Tigers den Löwen in Anschluss das insgesamt fünfte Powerplay der Abends ermöglichten, fiel der Ausgleich. Kapitän Mitchell bediente Steven MacAulay am kurzen Pfosten, der den Puck durch den Torraum nach links zu Ranta durchsteckte, so dass dieser die Scheibe per Direktabnahme im halboffenen Tor versenken konnte (53.).

Löwen zu verspielt

Zuvor war das Überzahlspiel der Löwen ein Spiegelbild des Löwen-Spiels an diesem Abend: Von Einsatz geprägt, aber mitunter etwas zu umständlich, zu „fancy“ wie es Tiilikainen nach dem Spiel selbst beschieb. Nur rund 18% Powerplay-Effektivität in der Saison (heute 1 aus 5) lassen den Coach der Löwen nicht zufrieden sein, auch wenn er natürlich froh war, dass es in der entscheidenden Phase „geklickt“ hatte.  

Das einzige Team mit einer schwächeren Powerplay-Quote als die Löwen sind die Bayreuth Tigers. Nach zwei Auftaktsiegen und danach sieben Niederlagen in Serie kamen die Tigers als Tabellenletzter in die Eissporthalle. Doch die Ergebnisse der Oberfranken täuschen ein wenig über die nicht schlechten Spiele der Tigers hinweg. Was heute auch die Löwen zu spüren bekamen.

Ganze sieben Minuten vergingen in einem wenig ereignisreichen 1. Drittel, ehe Lukas Koziol die erste nennenswerte Chance der Partie überhaupt hatte. Nachdem Koziol vergangenen Sonntag in Bad Tölz aussetzen musste, kehrte er wieder als Center der dritten Reihe zurück ins Team. Für den noch verletzten Max Eisenmenger rückte zudem Darren Mieszkowski ins Team, so dass die Löwen mit vier Reihen agieren konnten.

Erwecken

Erst ab der 13. Minute nahm die Partie etwas an Fahrt auf, als eine Strafe gegen Magnus Eisenmenger die Löwen erstmals in Unterzahl brachte. Auch das Penalty-Killing ist aktuell absolut keine Stärke der Löwen (PK-Quote 71%). Diese Überzahl vereitelten sie souverän und ließen lediglich einen Bayreuther Torschuss, ihren bis dato zweiten der Partie, zu.

Mit Torschuss Nummer drei gingen die Tigers allerdings 30 Sekunden nach Ende des „Powerplays“ in Führung. Sebastian Busch zog nach einer Puckeroberung im Löwen-Drittel aus dem rechten Bullykreis einfach ab und sein halbhoher Schuss passierte Klein im Tor der Löwen (16.).

Bayreuths Verteidigung mit Tempo zu überspielen gelang den Löwen bis dato kaum. Auch zwei Überzahlsituationen zum Ende des 1. und Beginn des 2. Drittels führten nicht zum Erfolg.

Erster Erfolg

Allerdings brachten die rund 80 Sekunden Überhang der Powerplays zu Beginn des 2. Drittels die Löwen offensiv ins Spiel. Ein Schuss von Faber touchierte den Pfosten noch sanft (22.), Ranta ließ mit seinem Schlagschuss das Gestänge klingeln (23.). Kurz danach tippte Proft eine Hereingabe aus kurzer Distanz auf die Brust von Jaeger (25.).

Die Löwen drängten auf den Ausgleich, konnten aber selbst Geschenke der Tigers nicht nutzen. Als Daniel Wirt einen Puckverlust in Bayreuths Defensive provozierte und Ranta freistehend vor dem Tor fand, setzte dieser den Puck dem dankbaren Jaeger in den Handschuh.

Der Drang der Löwen sollte sich erst in der 30. Minute auszahlen. Ranta ließ sich im Angriffsdrittel nicht vom Puck trennen, ehe er ihn aus der Hintertorposition in den Slot zu Mitchell legte und dieser den orientierungslosen Jaeger zum Ausgleich überwinden konnte (31.).

Offenes Spiel

Mit dem 1:1 hatten beide Mannschaften endgültig die Lethargie des 1. Drittels abgelegt und begannen ein in Sequenzen wildes Coast-to-Coast-Spiel. Löwen-Goalie Klein bewahrte sein Team dabei zweimal vor einem erneuten Rückstand, als er zunächst mit seinem linken, in einer zweiten Szene mit seinem rechten Schoner zwei 1-gegen-0-Alleingänge von Ville Järveläinen parierte (32. + 33.). Im Gegenzug stoppte Jaeger einen Gegenzug von Mitchell der zunächst zwei Verteidiger ausspielte, dann aber am rechten Pfosten keinen Platz mehr hatte, um den Puck vorbei an Jaegers Schoner ins Tor zu drücken (34.).

Den Löwen gelang es nun zunehmend, die Tigers mit Tempo zu überspielen ehe diese ihre Verteidigungsformation eingenommen hatten, doch ehe ein weiteres Tor fallen konnte, unterbrach die zweite Pause das Spiel.

Während der Unterbrechung konnte der Tigers-Coach sein Team offensichtlich gut auf den aufkommenden Druck der Löwen einstellen, denn die Gäste begannen den Schlussabschnitt forsch und gingen durch eine Einzelaktion nach einem Abspielfehler der Löwen und durch einen Abstauber am Ende eines zuvor erneut wenig ereignisreichen Powerplays mit 3:1 in Führung. Trotz Bartoschs Treffer in Überzahl empfand Tiilikainen nach dem Spiel: „Ich denke wir haben heute gutes Unterzahl gespielt. Dass der Treffer in der letzten Sekunde noch fiel ist sehr ärgerlich. Aber wir verbessern uns. Stück für Stück.“ Aufgrund der neu formierten Defensive sind die aktuellen Schwierigkeiten nachvollziehbar.

Glücklicherweise finden die Löwen aktuell, vor allem zuhause mit der Unterstützung der Fans im Rücken, immer einen Weg, die Spiele trotz Rückstand noch zu drehen. Nach Rantas Ausgleich hatten die Löwen gar noch Gelegenheit zum Sieg, doch Jaeger hielt den Tigers einen Punkt fest.

In der folgenden Verlängerung schienen Löwen und Tigers vor allem darauf fokussiert zu sein, dem Gegner keinen Fehler zu schenken, den dieser womöglich zum entscheidenden Treffer nutzen konnte. So gipfelte die Partie im Penaltyschießen, dass die Löwen durch Treffer von Faber und Lewandowski und zwei Saves von Klein für sich entschieden.

Ausblick

Am Sonntag (13.10.) reisen die Löwen nach Freiburg in den Breisgau. Das Gastspiel bei den Wölfen in der altehrwürdigen Max-Siegel-Halle beginnt um 18:30 Uhr. Natürlich überträgt SpradeTV die Partie live. Zum nächsten Heimspiel empfangen die Löwen am kommenden Freitag (18.10., 19:30 Uhr) die Bietigheim Steelers in der Eissporthalle. Tickets für die Partie gibt es im Löwen-Ticket-Shop.

Löwen Frankfurt – Bayreuth Tigers 4:3 n.P. (0:1, 1:0, 2:2/1:0)

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