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Fritzmeier: „Wir müssen uns da gemeinsam durchkämpfen“

Löwen-Sportdirektor Franz-David Fritzmeier spricht über die personelle Situation, das Winter-Derby und die Entwicklung bei den Löwen.

Es ist (beinahe) Halbzeit in der DEL2-Saison 2019/2020. Die Löwen Frankfurt zeigen sich vor allem zuhause bärenstark. Und dass, obwohl aktuell sieben Spieler verletzungsbedingt fehlen. Über die personellen Engpässe, Head Coach Matti Tiilikainen und den bisherigen Saisonverlauf spricht Löwen-Sportdirektor Franz-David Fritzmeier im Interview.

Franz, lass uns direkt über eines der großen aktuellen Themen bei den Löwen reden: die Personalsituation. Was kannst du uns zu den Verletzten sowie zu den jungen Spielern sagen, die in Kürze zur U20-Weltmeisterschaft abgestellt werden?

Franz-David Fritzmeier: „Wir wollten uns in dieser Saison unabhängiger von Kooperationspartnern machen und auf einem breiteren Fundament aufstellen. Aus diesem Grund haben wir den wohl größten Kader der Löwen-Geschichte. 26 Spieler gehören zum Team – 15 Stürmer, acht Verteidiger und drei Torhüter. 21 davon dürfen auf dem Spielberichtsbogen stehen. So ein großer Kader bedeutet zugleich auch hohe Ausgaben. Wir haben viel Geld in den Kader investiert und das geplante Budget somit beinahe ausgereizt.
Dabei mussten wir selbst im Sommer schon die ersten unerwarteten Baustellen umkurven. Das überraschende, freiwillige Karriere-Ende von Dalton Yorke und die Verletzung von Dan Spang, die ihn in die Eishockey-Rente zwang, haben uns in der Abwehr vor Herausforderungen gestellt, die noch immer nachwirken. Eine andere Position, auf der wir in den letzten Spielzeiten immer eine Problemstellung zu lösen hatten , war die Position des Torhüters. Hier können wir uns wirklich glücklich schätzen, zwei hervorragende Schlussmänner in Patrick Klein und Jimmy Hertel verpflichtet zu haben. Beide Spieler sind ein großer Rückhalt fürs Team.“

Doch selbst der größte Kader ist nicht vor Verletzungen gefeit. Wie gehst du mit der Verletzungsmisere um – vor allem jetzt, wo weitere Spieler zur U20 Weltmeisterschaft gehen werden?

Fritzmeier: „Derzeit fehlen uns sieben Spieler – die meisten leider langfristig. Mit solch einer Verletzungsseuche kann niemand rechnen oder planen. Dennoch werden wir nicht den Kopf in den Sand stecken. Anders sieht es bei den U20-Nationalspielern aus. Hier ist uns seit langem bewusst, dass die große Chance besteht, dass sie vom DEB zur Weltmeisterschaft eingeladen werden würden. Nun stehen sie uns ab kommender Woche und bis 5. Januar 2020 nicht zur Verfügung. Wir sind stolz, dass uns Leon Hüttl, Daniel Wirt und Luis Schinko auf dieser prestigeträchtigen, internationalen Bühne vertreten werden. Zudem steht Magnus Eisenmenger noch auf Abruf.“

Werden die Löwen nochmal auf dem Spielermarkt aktiv?

Fritzmeier: „Natürlich bedeutet die Abstellung der U20-Nationalspieler gepaart mit dem Verletzungspech eine große Herausforderung für uns. Daher sind wir gezielt auf der Suche nach Spielern, um kurzfristig den einen oder anderen Ausfall kompensieren zu können. Doch man muss hier realistisch sein: Sämtliche verletzte Spieler haben einen deutschen Pass. Der Markt für deutsche Spieler ist nicht groß. Wir machen aktuell auch verfügbaren und zu uns passenden Spielern ein Angebot. Gern hätten wir zum Beispiel Dominik Bohac zu uns geholt, jedoch hat er sich aus persönlichen Gründen der Heimatnähe für Landshut entschieden. Was aber beim Thema Spielerverpflichtungen nicht vergessen werden darf: Wenn die Nationalspieler und Verletzen zurückkehren, sitzen auch schnell zwei, drei Spieler nur auf der Tribüne.
Unabhängig davon, ob wir auf dem Markt noch Spieler für uns finden oder nicht, müssen alle Löwen-Spieler sich jetzt - wie auch in den letzten Heimspielen gezeigt - noch mehr ins Zeug legen fürs Team. Sie müssen auch bereit sein, in Rollen und Positionen auszuhelfen, die sie normalerweise vielleicht nicht spielen würden oder für die sie eigentlich nicht verpflichtet worden sind. Jetzt gilt es, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Denn nur gemeinsam schaffen wir es, diese Herausforderung zu meistern."

Head Coach Matti Tiilikainen wird die Löwen zum Saisonende verlassen und nach Finnland zurückkehren. Wie gehst du damit um?

Fritzmeier: „Wir sehen Mattis Entscheidung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Dass er zum amtierenden finnischen Meister gehen wird, zeigt, welch gute Arbeit er hier in Frankfurt geleistet hat. Aber Matti trainiert das Team nicht allein. Er ist einer von vier Coaches bei den Löwen. Wir haben ein top Trainerteam, welches sehr gut mit der Mannschaft zusammenarbeitet. Mattis Entscheidung, die einmalige Chance in Finnland anzunehmen, hat aktuell keinen Einfluss auf die tägliche Arbeit. Im Team passt es. Es spricht nichts dagegen, mit Matti die Saison wie geplant zu beenden. Wir sprechen mit viel Sorgfalt mit möglichen Nachfolge-Kandidaten. Die Person muss gut in das bestehende Trainerteam passen. Wir werden eine gute Lösung für die nächste Saison finden.“

Nach dem kommenden Wochenende wartet ein ganz besonderes Spiel: das Winter-Derby. Wie groß ist deine Vorfreude auf das Duell gegen Bad Nauheim in Offenbach?

Fritzmeier: „Wir alle freuen uns sehr auf das Winter-Derby, auch wenn die Umstände derzeit etwas widrig sind. Aber die Fans können sich sicher sein, dass wir alles in die Waagschale werfen werden. Denn auch für uns ist so ein Spiel unter freiem Himmel etwas ganz Besonderes.“

Hätte man nicht zumindest für dieses Spiel die U20-Nationalspieler vom DEB freistellen lassen können?

Fritzmeier: „Wir haben tatsächlich beim DEB angefragt, ob wir unsere Youngster für diesen einen Tag zurückholen können. Doch dem Wunsch ist leider nicht entsprochen worden, zumal die U20-Nationalmannschaft an diesem Tag selbst ein Vorbereitungsspiel bestreitet. Ich bin aber guter Hoffnung, dass zumindest fürs Winter-Derby ein bis zwei Spieler unseres Kooperationspartners Krefeld zur Verfügung stehen werden.
Ich möchte zugleich nochmal betonen, dass es eine große Ehre für unsere jungen Spieler und damit auch für uns ist, dass sie bei der U20-WM dabei sein werden, um dort gegen zukünftige NHL-Stars anzutreten.“

Da stellt sich der eine oder andere sicher die Frage, warum die Löwen überhaupt so sehr auf junge Spieler setzen?

Fritzmeier: „Wir setzen auf eine sehr gesunde Mischung aus jungen Talenten und erfahrenen Profis – und dies bereits seit der vergangenen Saison. Damit werden wir auch bestens für die kommenden Regeländerungen im deutschen Profi-Eishockey gerüstet sein. Denn ab der kommenden Saison sind bei jedem DEL2-Team auf dem Spielberichtsbogen nur maximal 19 Feldspieler und zwei Torhüter erlaubt. Davon müssen zwei Spieler der Jahrgänge 2000 und jünger im Team stehen, die mit einem Fördervertrag ausgestattet sind. Weiterhin müssen vier Spieler der Jahrgänge 1997 und jünger auf dem Spielberichtsbogen stehen. Es müssen also insgesamt mindestens sechs Spieler auf dem Eis stehen, die aus den Altersklassen U24 und jünger sind, wenn man die volle erlaubte Kadergröße von 21 Spielern an einem Spieltag aufbieten möchte.
Dass wir schon jetzt auf so junge Spieler in so wichtigen Rollen setzen, wird uns dann sehr entgegenkommen. Eine Phase wie die, die wir gerade erleben, hilft unseren jungen Spielern bei ihrer Entwicklung. Im Sport wie im Leben muss man sich Erfolg jeden Tag aufs Neue hart erarbeiten.“

Abschließend noch eine Frage: Wie fällt dien bisheriges Saisonfazit aus und wo wird der Weg der Löwen in dieser Saison noch hinführen?

Fritzmeier: „Aufgrund der aktuellen Personallage stehen uns schwere Wochen bevor. Das müssen wir alle wissen – Spieler, Trainer, Verantwortliche und Fans. Jeder Punkt, den wir in der aktuellen Situation bis Mitte Januar holen, ist für uns ein Gewinn. Darüber hinaus müssen wir hoffen, dass wir von weiteren Verletzungen verschont bleiben. Wir müssen jetzt einfach noch enger zusammenrücken und uns da gemeinsam durchkämpfen. Dabei ist es ganz wichtig, dass die Fans wie in den bisherigen Heimspielen auch geschlossen hinter uns stehen. Die Stimmung bei den Heimspielen ist grandios und die Mannschaft wird ein ums andere Mal von dieser Begeisterung getragen. Wenn die U20-WM vorüber ist und sich das Lazarett nach und nach leert, gehen wir hoffentlich gestärkt aus dieser Situation hervor. Und dann ist auch weiterhin alles möglich…