Spielbericht

Gut gebrüllt, Löwen: Per Defensiv-Lockdown zum Derbysieg

Mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung gelingt den angeschlagenen Löwen Frankfurt ein verdienter 2:1-Derbysieg gegen den Tabellenführer aus Kassel.

Frankfurt (DJ) – Frankfurt gegen Kassel – war da nicht was? Klar: Hessen-Derby, ewige Rivalität, usw... Aber abgesehen von den obligatorischen Vorzeichen dieses ewig jungen Duells schwebte vor der Partie am 26. Spieltag der laufenden DEL2-Saison auch noch die Frankfurter Niederlage in Kassel vom 18. Dezember des vergangenen Jahres im Raum, welche bei den Löwen einige Umstellungen herbeiführte - die schlussendlich dazu führen sollten, dass die Löwen sich an diesem Sonntagabend revanchieren und ihren vierten Derby-Heimsieg in Folge gegen Kassel feiern konnten.

Vom Ergebnis wird der 2:1 (0:0, 1:1, 1:0)-Sieg der Löwen sicherlich nicht jedem im Gedächtnis bleiben - wohl aber auf welche Art dieser zustande kam. Denn die Löwen agierten mit nur vier gelernten Verteidigern plus Adam Mitchell in der Defensive und zeigten dennoch die wohl beste Defensivleistung der Saison. Stephen MacAulay und Martin Buchwieser sicherten mit ihren Toren den Erfolg der Löwen. Bastian Kucis zeichnete sich zwischen Pfosten aus.

Mitchell, Buchwieser, Jackpot!

Nach zwei Niederlagen im bisherigen Verlauf dieser Woche kam für die Löwen das Derby gegen Kassel dramaturgisch zur richtigen Zeit. Aus personeller Sicht allerdings ganz und gar nicht: Mit David Suvanto und Kyle Wood fehlten den Löwen zwei Top-Verteidiger just gegen den Tabellenführer und besten Sturm der Liga (98 Tore in 24 Spielen).

An Woods Stelle rückte Mitchell zu Marius Erk in die Verteidigung, Buchwieser ersetzte den Captain dafür in der ersten Sturmreihe und avancierte zum Matchwinner. Ein Assist zum 1:0 und der Game-Winner zum 2:1 in der 55. Minute gingen auf das Konto Buchwiesers, der nun acht Saisontore auf seinem Konto hat.

Defense First!

Herausragend waren bei den Löwen aber vor allem die dezimierte Defensive und Kucis im Tor. Zwar gelangen den Huskies 26 Schüsse - immerhin sieben Schüsse weniger als ihr Saisonschnitt, aber statistisch gesehen treffen die Huskies mit mindestens jedem neunten Schuss. Doch dieses Mal war es vor allem die Schussqualität, mit denen die Löwen ihrem Gegner den Zahn zogen.

Nur selten kam Kassel im Slot zu gefährlichen Abschlüssen, herausgearbeitet aus Passstaffetten oder resultierend aus anhaltendem Offensivdruck. Auch Überzahlkonter ergaben sich für die Huskies kaum, da sich die Löwen kaum Puckverluste erlaubten. Und selbst in Unterzahl hielten Mitchell, Erk, Kyle Sonnenburg, Leon Hüttl, Daniel Wirt und Kucis die Huskies torlos.

In Unterzahl nicht unterlegen

Zugegeben: Der Treffer von Philippe Cornet in der 32. Minute zum zwischenzeitlichen 1:1 war nur statistisch kein Powerplay-Treffer, denn er fiel exakt eine Sekunde nach Ablauf einer Strafe gegen Mitchell, der zuvor Ex-Löwe Lukas Laub in die Bande „touchierte“ und dafür zwei Minuten zusehen musste. Dennoch war auch dieses Unterzahl stark gespielt, so dass die Löwen es sich verdient hatten keinen Short-Handed-Gegentreffer hinnehmen zu müssen.

Viermal agierten die Löwen mit einem Mann weniger auf dem Eis und auch wenn das Powerplay ironischerweise nicht zu den Stärken des besten Sturms der Liga zählt (nur 17 % Erfolgsquote), so war das perfekte Penalty-Killing der Löwen vor allem in Anbetracht ihrer Personalsituation in der Defensive doch mehr als beachtlich. Konstant hielten sie Kassel aus dem Zentrum fern, erlaubten oft nur wenig gefährliche Distanzschüsse und hatten mit Kucis den besseren zweier starker Goalies im Tor. Überragende Rebound-Kontrolle - Kucis ließ nur knapp eine handvoll Nachschüsse zu - und ein kompromissloses Aufräumen der Vordermänner im Slot ließ den Schlittenexpress sich ein ums andere Mal festfahren.

Opportun mit Fortune

Dass auf der anderen Seite der Angriff der Löwen kein Feuerwerk abbrennen würde, war in Folge des „Defense First“-Spielplans wenig verwunderlich. 29 Schüsse auf das Tor von Leon Hungerecker waren dennoch ein guter Wert, insbesondere, da die Löwen ihrem Gegner in praktisch jeder Spielsituation gefährliche Angriffe vortrugen und Kassel so nie vollkommen auf „Offensive“ schalten konnte.  

Und dann trafen die Löwen auch noch genau zur richtigen Zeit. Knapp zwei Minuten nach Beginn des 2. Drittels nahm Troy Rutkowski die erste Strafe für Kassel und MacAulay benötigte gerade mal 13 Sekunden in Überzahl zur Führung (22.) - und damit bedeutend kürzer als die Schiedsrichter, die den Treffer nämlich erst nach über einer Minute als solchen auch erkannten. Aber der Reihe nach: MacAulay gewann das Bully in der Offensivzone und über Sebastian Collberg und Alexej Dmitriev kam der Puck zu Buchwieser, der aus der linken Ecke den vor das Tor ziehenden MacAulay perfekt bediente. Dessen Snapshot sprang vom oberen, inneren Torgestänge so schnell wieder ins Spielfeld zurück, dass das Spiel zunächst munter weiterlief. Erst als eine weitere (vermeintliche) Strafe gegen Kassel das Spiel unterbrach, erkannten die Unparteiischen im Videostudium den Treffer.

Bend, don’t break

Kassels Ausgleich rund zehn Minuten später hatte bis in die Schlussphase Bestand. Eine Strafe gegen Carter Proft (52.) überstanden die Löwen mit einem weiteren couragierten Penalty-Killing, um dann gut fünf Minuten vor Ende der Partie final zuzuschlagen: Auf Vorlage von Erk und den erneut eminent starken MacAulay versenke Buchwieser den Puck aus halblinker Position zum spielentscheidenden 2:1.

Natürlich rannte Kassel in den Schlussminuten mit sechs Feldspielern gegen die Frankfurter Verteidigung an und die Löwen wankten, aber sie fielen nicht. So gelang den Löwen zumindest in Bezug auf das Resultat die Revanche gegen Kassel - ein Sieg, der möglicherweise wichtigen Auftrieb für die kommende, erneut anstrengende Woche geben kann.

Ausblick

Weiter geht es für die Löwen nämlich schon am Dienstag, den 2. Februar, in Ravensburg. Spielbeginn beim Tabellenzweiten ist um 19:30 Uhr, SpradeTV überträgt natürlich live. Genau wie auch das Spiel der Löwen am Freitag (5. Februar 2021, ab 19:30 Uhr) in Dresden und das nächste Heimspiel aus der Eissporthalle am Sonntag, den 7. Februar, gegen Heilbronn (Spielbeginn 16:00 Uhr).

Löwen Frankfurt – Kassel Huskies 2:1 (0:0, 1:1, 1:0)

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