Spielbericht

Löwen-Sieg gegen Bietigheim: Erfolg des Willens

Nach Erzielen des Ausgleichs kurz vor Ende des Spiels gewinnen die Löwen in Verlängerung mit 5:4 gegen die Steelers.

Frankfurt (DJ) – Frankfurt 90 Punkte, Platz 1; Bietigheim 89 Punkte, Platz 3 - Der Tabellenstand vor dem Spiel versprach - wie so häufig bei diesem Duell – ein völlig offenes Spitzenspiel. Aber die Vorzeichen hätten kaum gegenläufiger sein können: Mit fünf Siegen in Serie waren die Steelers aktuell das heißeste Team der Liga, während die Löwen zwei Partien in Folge nicht gewinnen konnten. Doch gerade gegen die Topteams sind die Löwen in dieser DEL2-Saison stets zur Stelle.

Mit einer Playoff-würdigen Energieleistung trotzten die Löwen an diesem 50. Spieltag dem zweimaligen Ausgleich sowie der Führung der Steelers im 3. Drittel, erzielten 100 Sekunden vor Ende der Partie zuerst den selbst 4:4-Ausgleich und gewannen schließlich die Partie durch einen Treffer von Adam Mitchell in der Verlängerung mit 5:4 (2:1, 1:2, 1:1, 1:0). Vor 5.457 Zuschauern in der Frankfurter Eissporthalle trafen außerdem Carter Proft, Max Faber, David Skokan und Matt Pistilli.

Wie erwartet...

Früh bekamen die Zuschauer, was sie erwartet hatten. Schon in den ersten Minuten entwickelte sich eine temporeiche und ausgeglichene Partie, in der spielerische Übergewichte zunächst nur durch Strafzeiten begünstigt wurden. Allerdings glichen sich Löwen und Steelers auch in dieser Kategorie aus: Keinem der beiden Team gelang in den ersten Powerplays im 1. Drittel ein Treffer. Negativer Aspekt in dieser Hinsicht war allerdings, dass die Löwen mehr Zeit in Überzahl hatten als ihr Gegner.

Zwar kreierten sich die Löwen, wie gewohnt, zahlreiche Abschlusssituationen, doch waren dies vor allem Distanzschüsse mit der Spekulation auf Tips oder Rebounds, was die Steelers jedoch zu verhindern wussten. Dennoch gaben die Powerplays den Löwen die nötige Sicherheit, um das Spielgeschehen aktiv zu dirigieren, während Bietigheim in erster Linie auf Fehler der Löwen lauerte.

Führung, die Erste

Die erste Führung für die Löwen besorgte Carter Proft Ende der 17. Minute mit dem Abschluss eines 2-gegen-1-Konters auf Vorlage von Mitchell. Ausgangspunkt des Gegenzuges war ein Check von Dalton Yorke gegen Frederik Cabana hinter dem eigenen Tor, mit dem er Cabana nicht nur vom Puck trennte, sondern den Bietigheimer auch für den Konter aus dem Spiel nahm. So hatten Mitchell und Proft das nötige Übergewicht um Bietigheims Defensive erstmals zu schlagen.

Proft agierte auch an diesem Sonntag wieder als rechter Flügel der ersten Reihe mit Mitchell und Antti Kerälä, der nach seiner turnusmäßigen Pause vom Freitag wieder ins Team zurückkehrte. Für ihn pausierte Mathieu Tousignant. Außerdem fehlte den Löwen erneut Eddie Lewandowski, der weiter angeschlagen pausieren muss.

1:0 + Momentum = 2:0

Noch im Jubel über den Führungstreffer legten die Löwen nach. Besser als in manch vorangegangenem Powerplay setzte sich die zweite Reihe im Bietigheimer Drittel fest, Brett Breitkreutz fand den im Slot von den Steelers vernachlässigten Skokan, der mit einer Direktabnahme Sinisa Martinovic im Bietigerheimer Kasten zum 2:0 überwand (18.).

Im Tor der Löwen bekam heute Bastian Kucis den Vorzug vor Ilya Andryukhov. Und Kucis wurde früh voll gefordert. Schon in der ersten Minute vereitelte er einen Tip-In-Versuch von Matt McKnight aus kurzer Distanz. Mit Bietigheims Topscorer traf Kucis schon in dieser Szene seinen Hauptwidersacher an diesem Abend. Auch bei einem 2-gegen-1-Unterzahlkonter in der 9. Minute war es erneut McKnight, der von Sommerfeld bedient, aus kurzer Distanz zum Abschluss kam, aber erneut entschärfte Kucis die Situation dank sehr starken Positionsspiels.

Bietigheims Antwort

Leider sind aller guten Dinge bekanntlich drei, und genau mit dem dritten Versuch gelang es McKnight Löwen-Goalie Kucis doch noch im 1. Drittel zu überwinden. Im Powerplay hielten die Löwen die Steelers zunächst gut entlang des Perimeters, was McKnight in Ermangelung besserer Optionen aber nicht daran hinderte aus spitzem Winkel sein Glück zu versuchen. Auch wenn Kucis die kurze Ecke eigentlich geschlossen hatte, fand die Scheibe eine undichte Stelle, um im Gehäuse der Löwen einzuschlagen (19.).

Die Bedeutung von McKnights Treffer eröffnete sich vollumfänglich eigentlich erst zu Beginn des 2. Drittels, in dem Norman Hauner nach etwas mehr als drei Minuten das 2:2 erzielte (24.). Trotz einer Bullyquote von 17:4 und einer Schussstatistik von 13:4 für die Löwen in den ersten 20 Minuten, und nur kleinen Änderungen in diesen Verhältnissen bis zu Hauners Ausgleichstreffer, war das Spiel nach 23 Minuten ausgeglichen.

Ursache hierfür waren primär kleine Ungenauigkeiten im Passspiel der Löwen, welche den Steelers immer wieder Gelegenheit gab den Frankfurter Spielaufbau zu unterbinden. Aber im Gegensatz zum 1. Drittel, in dem sich beide Teams in dieser Hinsicht neutralisierten, gelang es den Steelers nun besser ihre Fehlerquote diesbezüglich zu reduzieren und die Turnovers der Löwen zu ihren Gunsten zu nutzen.

Bestes Beispiel hierfür war Bietigheims dritter Treffer durch Shawn Weller (35.), dem ein Puckverlust der Löwen beim Eintritt in Bietigheims Drittel vorausging und welcher den Steelers ein 3-gegen-1-Konter servierte. Den initialen Schuss von McNeely und Hauners Rebound parierte Kucis noch stark, beim „Homerun-Hit“ von Weller aus der Luft war dann aber auch der Goalie der Löwen machtlos.

Arbeitende Löwen

Der Treffer egalisierte die nur fünf Minuten zuvor erzielte Führung der Löwen, die in der 30. Minute mit praktisch ihrer ersten offensivgefährlichen Sequenz des Drittels erneut in Führung gingen. Nach einem kleinen Durcheinander um das Bietigheimer Tor hatte Mike Fischer die erneute Führung für die Löwen schon auf der Kelle, bekam den Puck aber nicht über Martinovics Schoner gehoben (30.).

Aus der Chance ergab sich ein Offensivzonenbully, bei dem sich die Löwen eiskalt zeigten. Nach einem weiteren, von Dominik Meisinger gewonnenen, Anspiel landete der Puck im Laderaum von Scharfschütze Faber und der punktbeste Verteidiger der DEL2 besorgte die erneute Führung für die Löwen.

Eine weitere Strafe brachte die Löwen kurz darauf zum vierten Mal in Überzahl, doch Bietigheim verstand ein weiteres Mal die Reboundkontrolle vor dem eigenen Kasten zu behalten und den Löwen keinen Treffer zu ermöglichen, so dass die Partie dank Wellers späterem 3:3 völlig ausgeglichen ins Schlussdrittel startete.

Halbfinale, Spiel 6

Die Ausrichtung des Spiels knüpfte dabei nahtlos an den bisherigen Verlauf an. Frankfurt agierte, Bietigheim wartete auf die Fehler und den womöglich einen notwendigen Konter um den sechsten Sieg in Serie einzufahren und die Tabellenspitze von den Löwen zu erobern. Stark erinnerte die Partie dabei an die letzte Begegnung aus der Halbfinalserie 2018, in der die Löwen ebenfalls alles versuchten, nur um am Ende in einer einzigen Szene ausgekontert zu werden.

Und auch heute kannte das Drehbuch kein anderes Narrativ. Skokan hatte zunächst noch die abermalige Führung für die Löwen auf der Kelle, sein Tip-In Versuch blieb aber an dem noch richtig stehenden Martinovic hängen (45.).

So kam es wie es kommen musste: Aus einem eigentlich gar nicht wirklich gefährlichen Angriff brachte Hauner die Steelers erstmals in Führung (52.). Hauners Schuss aus spitzem Winkel wurde noch von einem Löwen abgefälscht, überraschte Kucis und fand, wie schon McKnight beim 1:2 irgendwo eine kleine Lücke um „durch“ Kucis ins Tor zu rutschen.

No surrender

Doch trotz diesen fatalen Rückschlages waren die Löwen, vielleicht auch mit Erinnerung an das Spiel vom Freitag, nicht gewillt, diese Niederlage zu akzeptieren. Unbeirrbar kämpften sie sich immer wieder in den Slot vor Martinovic und klärten die Steelers, kamen die Löwen zurück.

Als Head Coach Matti Tillikainen schon zweieinhalb Minuten vor Ende der Partie den Goalie vom Eis nahm und damit das Zeichen zur ultimativen Schlussoffensive setzte, folgten seine Jungs auf dem Eis bedingungslos. Bietigheim fand kaum noch Möglichkeit defensiv durchzulüften und irgendwann landete der Puck vor den Füßen von Pistilli, der die Scheibe kompromisslos in den Giebel nagelte (59.).

Fast gelang den Löwen in der Schlussminute der regulären Spielzeit sogar noch der Siegtreffer, doch die grün-weiße Festung hielt dem Sturmlauf bis zur Schlusssirene stand.

In der Verlängerung allerdings dauerte es nur ganz 18 Sekunden, ehe die Löwen der Partie ein Ende setzten. Skokan gewann ein weiteres Anspiel und Mitchell bediente Tim Schüle per Querpass. Schüles folgenden Schlagschuss konnte Martinovic nicht festhalten und ihm rutschte die Scheibe durch die Beine. Sie trudelte Richtung Tor und im Duell Angreifer gegen Verteidiger war Mitchell das Stückchen schneller und drückte die Scheibe zum vielumjubelten Sudden-Death-Siegtreffer über die Linie.

Dank des Sieges gehen die Löwen nun weiterhin als Tabellenführer in die letzten beiden Spieltage.

Ausblick

Am letzten Wochenende der Hauptrunde empfangen die Löwen kommenden Freitag (1. März) zunächst den Deggendorfer SC. Spielbeginn in der Eissporthalle ist, wie gewohnt, um 19:30 Uhr. Tickets gibt es natürlich im Löwen-Ticket-Shop. Sonntags beschließen die Löwen die reguläre Saison mit dem Auswärtsspiel in Crimmitschau. Die Partie bei den Eispiraten beginnt um 18:30 Uhr. SpradeTV überträgt die Partie für alle, die nicht mit vor Ort sein können.

 

Löwen Frankfurt - Bietigheim Steelers 5:4 n.V. (2:1, 1:2, 1:1, 1:0)

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