Spielbericht

Torschusseruption statt Stahlbad: Löwen bezwingen Steelers

47 Torschüsse in 60 Minuten führen die Löwen zu einem 3:2-Erfolg über die Bietigheim Steelers und zum vierten Sieg in Serie

Frankfurt (DJ) – „Offensive ist die beste Verteidigung“ – selten war diese gern zitierte Sportweisheit so gültig wie heute. Dank eines vor allem offensiv imposanten Auftritts gelingt den Löwen am 43. Spieltag der laufenden DEL2-Saison der erste Saisonsieg über die Bietigheim Steelers. Wie schon gegen Dresden gelingt den Löwen ein konzentrierter Auftritt über sechzig Minuten, in dem sie die Steelers auf 22 Torschüsse limitierten. Durch Treffer von Sebastian Collberg, Stephen MacAulay und Alexej Dmitriev gewinnen die Löwen am Ende mit 3:2 und tauschen den vierten Tabellenplatz mit den Steelers.

Widereröffnung des Löwen-Lazaretts

Gestern erreichte die Löwen die Nachricht vom Saisonende für Adam Mitchell. Der Löwen-Kapitän muss sich einer Schulter-Operation unterziehen und steht seinem Team deshalb in den kommenden Monaten nicht mehr zur Verfügung. Somit fehlt den Löwen aktuell neben David Suvanto, Manuel Strodel und Martin Buchwieser auch ihr wohl vielseitigster Spieler, die Allzweckwaffe im Kader mit der zugleich besten Plus/Minus-Bilanz.

Nach dem offensiv durchaus guten Spiel gegen Dresden am vergangenen Dienstag und der Kurzfristigkeit von Mitchells Ausfall beließen die Löwen-Coaches ihre Offensivreihen aber in Takt; auf Mitchells Platz neben Steven MacAulay und Carter Proft rückte Mike Fischer.

Durch dessen Schnelligkeit blieb die Reihe vor allem offensiv dynamisch, was sie auch schon in den ersten Wechseln mit mehreren Abschlüssen deutlich unterstrich. Mitchells Fehlen zeigte sich hingegen eher in der Defensive, wo der Formation manchmal der Zugriff auf die gegnerische Reihe (meist die Top-Line Stretch/Breitkreuz/McKnight) nicht ganz so wie gewünscht gelang.

Nur ein kleiner Makel

Vor allem an der Bande behaupteten Breitkreuz und McKnight den Puck auffällig oft. Pässe ins Drittelzentrum wiederum wussten die Löwen meist gut zu unterbinden. So gelang der Paradereihe der Steelers zwei Drittel lang recht wenig Effektives- mit Ausnahme einer Szene in der 29. Minute: Einen Schuss von Norman Hauner parierte Bastian Kucis zur Seite, genau auf die Kelle von Stretch, der nur noch einschieben musste.

Der Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1 stellte den Spielverlauf bis dahin gewissermaßen auf den Kopf, denn die Löwen waren klar tonangebend. Eine frühe Strafe gegen Eddie Lewandowski (1.) fokussierte die Löwen gezwungenermaßen schnell auf das Spiel. Dabei überstanden die Hausherren die Strafe nicht nur souverän, sondern diktierten in der Folge auch das Spielgeschehen in allen Zonen auf dem Eis. Defensiv verhinderten Wood, Erk, Sonnenburg, Hüttl, Faber und Stephan immer wieder die Versuche der Steelers sich in der Zone festzusetzen, offensiv nahmen die Löwen Jimmy Hertel im Tor der Steelers kollektiv unter Beschuss.

Da die Steelers aber auch oft Schläger, Schlittschuh oder sonstige Teile zwischen Puck und Tor bekamen, dauerte es bis in die 15. Minute ehe die Löwen ihre erste wirklich dicke Chance zur Führung hatten, aber Luis Schinkos Rebound-Tip kullerte am Tor vorbei.

Powerplay, die erste

Als C.J. Stretch die Löwen aber erstmals ins Powerplay schickte (17.) dauerte es gerade einmal 13 Sekunden ehe es zum ersten Mal klingelte. Nach einem Bullygewinn von Stephen MacAulay flipperte der Puck etwas glücklich in den rechten Bullykreis, genau in Sebastian Collbergs Maschinenraum und der Schwede montierte die Scheibe per One-Timer zum 1:0 in die Maschen (17.).

Im zweiten Drittel weiteten die Löwen ihre Spielvorteile zur Dominanz aus und beherrschten die Steelers vor allem im Abschluss. 23 zu 9 Torschüsse zählten die Statistiker zwischen der 21. und 40. Minute, lediglich in zwei Phasen ging von den Gästen Gefahr aus: Im Rausch des Momentums nach dem glücklichen 1:1-Ausgleich aus dem „vielumwobenen Nichts“ sowie in Überzahl zu Ende des Drittels produzierten die Steelers sechs Abschlüsse. Im restlichen Drittel erlaubten ihnen die Löwen wenig. Vor allem die sonst gewohnt gefährlichen, schnellen Eintritte über die Flügel unterbanden die Löwen nachhaltig. Wesentlich häufiger als die gern beschworenen „Nadelstiche“ waren „fallengelassene Maschen“, da Bietigheims Angriffe nicht selten spätestens an der blauen Linie der Löwen wieder in die andere Richtung gelenkt wurden.

Überzahl, zwei von zwei

Einzig der Spielstand, der die Kräfteverhältnisse auf dem Eis nicht widerspiegelte, passte für die Löwen nicht. Dankenswerterweise brachte eine Strafe gegen René Schoofs die Löwen ein zweites Mal in Überzahl- und erneut nutzte die erste Powerplay-Formation diese Gelegenheit: Kale Kerbashian, Sebastian Collberg und im Abschluss Stephan MacAulay kombinierten sich durch die gesamte Bietigheimer Unterzahl-Aufstellung zum 2:1 für die Löwen (34.).  

In Anbetracht erwähnter Torschussbilanz und nach der Führung weiterer Chancen von Erk, MacAulay und Wood hätten die Löwen auch mit mehr als nur einem Tor in Front das Schlussdrittel beginnen können. Doch die Steelers blieben - trotz kurzer Bank - bis zum Schluss in Schlagdistanz.

Versicherung zum Game-Winner

Erst in der 51. Minute gab Alexej Dmitrievs 3:1 den Löwen den lange erarbeiteten Zwei-Tore-Vorsprung. Mit der Rückhand hebelte Dmitriev die Scheibe aus kurzer Distanz über Hertel ins Eck und gab den Löwen so erstmals etwas „Luft“ gegenüber ihrem Gegner.

Der Versicherungstreffer zahlte sich zweieinhalb Minuten vor Schluss aus, als Matt McKnight die Steelers in Unterzahl nocheinmal auf 2:3 heranbrachte, doch außer Ergebniskosmetik und erhöhtem Verkehrsaufkommen im Slot vor Bastian Kucis in den Schlussminuten hatte der Treffer wenig Effekt.

Anders wäre es möglicherweise gekommen, hätten die Steelers ein Powerplay kurz nach Dmitrievs 3:1 für sich nutzen können, doch das Unterzahlspiel der Löwen blieb an diesem Abend makellos. Alle drei „Short-Handed“-Situationen bügelten die Löwen glatt, eindrucksvoll agierten sie vor allem in dieser letzten Situation gegen sich, in der die dem Powerplay der Steelers nicht mal einen Torschuss erlaubten.

Mit drei eigenen Strafen in den letzten sechs Minuten brachten sich die Steelers letztlich selbst um eine möglicherweise bessere Chance, trotz aller Unterlegenheit, den sich abzeichnenden Sieg der Löwen mehr zu gefährden. So stand am Ende ein knapper, auf Basis des Spielverlaufes aber nicht gefährdeter Erfolg der Hausherren.

Ausblick

Weiter geht es für die Löwen am Samstag in Ravensburg. Spielbeginn bei den Towerstars in der Oberschwabenhalle ist um 18.00 Uhr. Leider sind weiterhin keine Zuschauer in den Hallen erlaubt, aber natürlich bringt SpradeTV die Partie euch live ins heimische Wohnzimmer.

Löwen Frankfurt – Bietigheim Steelers 3:2 (1:0, 1:1, 1:1)

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