Spielbericht

Vernebelter Saisonauftakt in Kassel

Am 1. Spieltag der DEL2-Saison 2019/2020 müssen sich die Löwen im Hessenderby knapp mit 2:3 in Kassel geschlagen geben.

Kassel (DJ) – Frankfurt, Kassel, Hessenderby! Die Spielplankonstrukteure der Liga hätten sich (zumindest für die beiden hessischen Teams) kaum ein spektakuläreres Eröffnungsspiel für den Beginn der neuen Saison einfallen lassen können. 5.078 Zuschauer empfingen die Löwen Frankfurt und Kassel Huskies zur DEL2-Spielzeit 2019/2020 in der Kasseler Eissporthalle und sahen ein hart umkämpftes Spiel - soweit sie überhaupt etwas sehen konnten. Dichter Nebel hing wie ein Schleier über der Eisfläche. 

Zu sehen gab es dennoch eine Menge. Max Faber und Leon Hüttl markierten die ersten beiden Löwen-Treffer der Saison. Doch am Ende entschied ein Tor von Justin Kirsch kurz vor dem Ende die Partie zugunsten der Huskies. Kassel siegte mit 3:2 (0:0, 2:2, 1:0).

Playoffs zum Saisonauftakt

Nach der obligatorischen, aber jedes Jahr dennoch nicht weniger quälend langen Sommerpause sehnten die Fans beider Teams den Beginn der neuen Eiszeit förmlich entgegen und füllten die Kasseler Eissporthalle vollständig. Dass das Derby zum frühestmöglichen Zeitpunkt der Saison für die Tabellensituation noch wenig bedeutsam ist, war in Anbetracht des Prestigeduells Nebensache. So fühlte es sich schon zum Eröffnungsbully und den ersten Minuten eher nach Playoffs an, denn nach spätsommerlichem Saisonbeginn.

Auch wenn am Ende der ersten 20 Minuten irgendwie immerhin 21 Torschüsse (14:7 für die Löwen) in der Statistik verzeichnet wurden, war das Geschehen auf dem Eis bei beiden Teams vor allem von enger Defensive, Zweikämpfen und Checks geprägt.

Weder Huskies noch Löwen erlaubten sich bei 5-gegen-5 Spielern auf dem Eis nachhaltige Fehler, so dass es bis zur 8. Minute dauerte, ehe Alex Karachun die erste nennenswerte Offensivaktion der Partie verzeichnete. Seinen Abschluss aus zentraler Position entschärfte Patrick Klein im Tor der Löwen allerdings mit einem starken Reflex. Dank Kleins Paraden überstanden die Löwen auch ein Unterzahlspiel ab der 10. Minute schadlos, wobei Kirsch und Derek Dinger gute Chancen für die Huskies auf der Kelle hatten.

Schon in der zweiten Minute bot eine Strafe gegen Carter Proft den Huskies im Powerplay die Chance auf eine frühe Führung. Frankfurts Unterzahl-Formationen jedoch hielten die Huskies bis in die letzten Sekunden der Strafe komplett aus dem Angriffsdrittel fern, so dass die Löwen diese Phase problemlos überstanden.

Vergebene Chancen

Eigene gefährliche Abschlüsse ergaben sich für die Löwen erst nach der zweiten überstandenen Strafe in der 12. Minute, als Roope Ranta einen verdeckten Handgelenksschuss auf das Husky-Tor brachte und Jerry Kuhn erstmals zu einer starken Parade zwang.

Rantas Chance schien die Offensive der Löwen erweckt zu haben, die in der Folge durch Max Eienmenger (15.) und Adam Mitchell (17.) zu weiteren guten Abschlüssen kamen. Hätte Mitchell von halblinks den Querpass Rantas direkt auf das offene kurze Eck verwerten können, wären die Löwen möglicherweise sogar mit einer Führung in die Kabine gegangen.

So war diese vergebene Großchance nur der Auftakt zu einer kleinen Reihe nahezu gleichartiger Gelegenheiten über den Verlauf des gesamten Spiels, in denen die Löwen einen Spieler in aussichtsreiche Abschlussposition kombinierten, dann aber verpassten den Puck im Tor zu versenken. Lukas Koziol (46.) und Luis Schinko (50.) scheiterten im 3. Drittel praktisch aus der gleichen Position wie Mitchell, zuvor traf bereits Stephen MacAulay (44.) den Puck aus dem zentralen Slot nicht voll und erleichterte dem zum Ende des Spiels immer besser werdenden Jerry Kuhn den Save.

Torreiches Mitteldrittel

Dennoch waren es die Löwen, die im 2. Drittel das Toreschießen eröffneten. Mit deutlich mehr Dampf als die Huskies begannen die Löwen das Drittel, wobei vor allem das Forechecking die Kasseler in der Defensive festnagelte. Der dritte gescheiterte Aufbauversuch in Serie landete bei Martin Buchwieser, der -ob geplant oder eher zufällig- Max Faber mit einem „Schuss“ am Tor vorbei über die Hintertorbande bediente. Am kurzen Pfosten hatte Faber wenig Mühe den Puck vorbei am nicht ganz orientierten Kuhn in den Giebel zu heben (22.).

Doch die Führung für die Löwen hatte genau 20 Sekunden Bestand. Schon im nächsten Wechsel fand der Puck im Löwen-Drittel Ben Duffy, der nicht konsequent genug angegangen wurde und entlang der Torlinie, von rechts kommend vor Klein zog und dem Goalie der Löwen die Scheibe durch die Beine zum 1:1-Ausgleich ins Netz legte (22.).

Trotz des Rückschlages blieben die Löwen in den ersten zehn Minuten des Mitteldrittels das diktierende Team. Eddie Lewandwoski hätte in der 28. Minute vor dem Tor auch selbst abziehen können, entschied sich aufgrund der engen Deckung jedoch für die kluge Ablage zu Hüttl in den High Slot, der mit einem satten und perfekt platzierten Handgelenkschuss die Führung für die Löwen widerherstellte (28.).

Drei Minuten später unterbrach eine Strafe gegen Hüttl allerdings die Dominanz der Löwen. Zwar überstanden sie auch diese Unterzahl, doch eine weitere Strafe, diesmal gegen Magnus Eisenmenger (34.), zwang die Löwen unmittelbar wieder ins Penalty-Killing und ermöglichte Kassel schließlich den 2:2-Ausgleich. Ein starker Stretch-Pass von Karachun durch die komplette neutrale Zone erreichte Austin Carroll an der blauen Linie, der frei vor das Tor der Löwen ziehen konnte und den Puck vorbei an Klein versenkte (34.). Nur Sekunden zuvor fing Lewandowski auf der anderen Seite in Unterzahl einen Fehlpass der Huskies durch das eigene Drittel ab, scheiterte mit seinem Abschluss aus dem zentralen Slot aber am gut positionierten Kuhn (34.).

Siegchance verpasst

Zu Beginn des 3. Drittels bemühten sich die Löwen die Essenzen der vorangegangenen Abschnitte zu addieren um die Huskies entscheidend zu übertrumpfen. Mit einer geordneten Defensive und druckvollem Forechecking agierten mehrheitlich die Löwen, während Kassel eher reagierte und vorwiegend bei schnellen Gegenzügen zum Abschluss kam. Hätten die Löwen (mind.) eine der sich ihnen bietenden Chancen durch MacAulay, Koziol oder Schinko nutzen könnten, wäre der Gameplan möglicherweise auch wie gehofft aufgegangen.

Die vergebenen Chancen hielten die Huskies aber im Spiel. Ebenso wie eine fünfte Strafe, welche die Löwen zwar erneut gut verteidigten und unbeschadet überstanden, kurz nach Ablauf dann aber doch den ersten Rückstand kassierten. Kirsch drückte den Puck in der 55. Minute zum 3:2 im Nachschuss über die Linie. Zuvor hatten die Löwen in der Verteidigung ganz kurz die Übersicht über den Puck und die Positionierungen verloren, wodurch Kirsch an den Puck kam und Klein im zweiten Versuch überwinden konnte.

Auch wenn die Löwen in den Schlussminuten natürlich noch einmal Tempo und Druck erhöhten und auch bereits zwei Minuten vor Schluss den Torhüter zu Gunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis nahmen, wollte der 3:3-Ausgleich nicht mehr gelingen.

Ausblick

Zum ersten Heimspiel der neuen Saison empfangen die Löwen am Sonntag, den 15. September die Heilbronner Falken. Spielbeginn am Family Day ist - familienfreundlich - bereits um 16:00 Uhr in der Eissporthalle. Tickets für die Partie, u.a. mit tollen Angeboten für Familien, gibt es im Löwen-Ticket-Shop. Im Anschluss an das Spiel gibt es eine Autogrammstunde mit dem gesamten Löwen-Team.

Natürlich überträgt auch SpradeTV die Partie wieder live. Auch der Hessische Rundfunk bietet im Rahmen der "Hessenkonferenz" teilweise Live-Bilder.

 

Kassel Huskies – Löwen Frankfurt 3:2 (0:0, 2:2, 1:0)

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