Spielbericht

4:5 – Erste Runde der „Highland-Games“ geht an Glasgow

Appelwoi und Whisky – im Glas sicher eine gewöhnungsbedürftige Kombination. Im Eishockey umso freudiger. Auch wenn die Löwen beim ersten Auswärtsspiel in Glasgow beim britischen Erstligisten Braehead Clan mit 4:5 unterliegen.

Dass Löwen-Coach Paul Gardner ein weit gereister Mann ist, dürfte hinlänglich bekannt sein; sind seine Stationen doch auf jeder Statistikseite im Internet nachzulesen. Die Wertschätzung und Anerkennung, die Gardner auf seinen Stationen hinterlässt, können die Stats allerdings nicht beschreiben. Doch beim Gastspiel der Löwen in Glasgow gegen das Team von Braehead Clan wurde (einmal mehr) eindrucksvoll deutlich, wie geschätzt der aktuelle Löwen-Trainer in der weiten Hockey-Welt ist.

In der Saison 2012/13 trainierte Gardner den schottischen Clan, führte das Team in die Play-Offs und hinterließ eine Fangemeinde, die heute noch in den höchsten Tönen von ihm und seiner souveränen, stets höflichen, immer professionellen und dabei nie kaltherzigen Art schwärmt. Umso mehr freuten sich die Schotten über Gardners Rückkehr, wenn auch auf der für sie „falschen“ Seite, als Trainer des Gegners. Ihr aktueller Coach dürfte allerdings auch einiges Potential haben, eine ähnliche Beliebtheit entwickeln zu können- immerhin wird John „Hans“ Tripp in Deutschland durchaus ein gewisser Kult-Status nachgesagt. Und in Sachen Bart-Styling steht er Gardner ohnehin in nichts nach.

Sommer-Hockey

Der sportliche Aspekt des Duells bestand auf beiden Seiten natürlich noch vor allem im Konfigurieren der Grundeinstellungen. Den sommerlichen Rost legten die Spieler bereits im Training ab, das heutige Spiel bot Coach Paul Gardner die zweite Gelegenheit für das Einspielen neuer Reihenformationen und dem Testen neuer taktischer Züge.

Zu Spielbeginn war von taktischen Spielereien auf beiden Seiten zunächst wenig zu sehen. Vielmehr boten beide Teams „Coast-to-Coast-Hockey“, resultierend aus -nur teilweise erzwungenen- Fehlern, was natürlich weniger im Sinne der Trainer Gardner und Tripp war.

So hatte Löwen-Goalie Brett Jaeger gleich in den ersten Minuten einige freie Schüsse des Clans zu entschärfen, was ihm aber problemlos gelang. Sein Gegenüber, Ex-Eispiraten Goalie Ryan Nie, der Tripp quasi als Mitgift auf die Insel folgte musste hingegen bereits in der 4. Minute hinter sich greifen, da Vladislav Filin ihm bei einem Break keine Chance ließ.

Die Entstehung des Tores, welchem ein Puckverlust der angreifenden Mannschaft und ein daraus resultierender Konter vorausging, konnte man getrost als stilprägend für den ersten Abschnitt beschreiben. Beiden Teams merkte man die noch fehlende Feinjustierung deutlich an.

Einen weiteren Fehler der Schotten nutzte Wade MacLeod, bei seinem Nachnamen offensichtlich auch mit schottischen Wurzeln im Stammbaum, nach einem Puckgewinn in Unterzahl zum 2:0 (7.). Ryan Nie sah beim Abschluss des „Highlanders“ dabei nicht gut aus.

Doch bevor die Löwen mit ihrem Vorsprung das Spiel unter Kontrolle bringen konnten, verkürzten die Gastgeber- natürlich ebenfalls per Konter- auf 1:2 (11.).

Erst zum Ende des ersten Drittels hin erlaubten (sich) beide Teams weniger Fehler, so dass zunehmend kontrollierte Angriffe in das Spielgeschehen Einzug erhielten. Den Löwen schien das zunächst durchaus zu Gute zu kommen, agierten sie doch meist einen Schritt schneller.

Braehead abgebrüht

Doch als sich doch wieder eine Unachtsamkeit ins Spiel einschlich, kapitalisierte der britische Erstligist eiskalt. Kaum hatten die Löwen die Scheibe hinter dem eigenen Tor vertendelt, lag sie auch schon zum Ausgleich im Netz (23.).

Die Löwen blieben trotz dieses Rückschlages leicht feldüberlegen, konnten allerdings kaum zwingende Gelegenheiten verbuchen. Zwar wurde auch Braehead nur bei Fehlern der Löwen gefährlich, so wie in der 30. Minute als Brett Jaeger nach einem Missverständnis seiner Vorderleute die ganz große Goalie-Kunst auspacken musste, doch vier Minuten vor der zweiten Pause gingen die Schotten dennoch erstmal in Führung (36.).

Das es dennoch mit einem ausgeglichenen Spielstand von 3:3 zur Tea-Time in die Pause ging verdankten die Löwen ihrem Powerplay. Nachdem Pavel Dronia von einer schottischen Kelle blutend vom Eis musste, durften die Löwen vier Minuten in Überzahl agieren. Doch Nils Liesegang beendete das Überzahlspiel dank seines Ausgleichs vorzeitig (39.).

Im Schlussabschnitt ersetzte Back-Up Florian Proske planmäß Brett Jaeger im Tor der Löwen. Am Spielverlauf änderte diese Personalie allerdings nichts. Die Löwen agierend, Braehead reagierend- und abgebrüht mit der erneuten Führung in der 54. Minute.

Doch die war kaum auf der Anzeige angekommen, da glich C.J. Stretch postwendend aus (54.).

Zum Leidwesen der Löwen-Fans hatten die Hausherren zwei Minuten später allerdings noch ein letztes Ass unterm Kilt (56.) und so unterlag Paul Gardners Team letztlich doch noch mit 4:5 beim ersten Auftritt in Glasgow. Auf den Rängen ließen sich die Löwen-Fans die Laune bei diesem außergewöhnlichen Auswärtsspiel dennoch nicht verhageln und feierten gemeinsam mit den schottischen Gastgebern ein launiges Sommer-Eishockey-Fest.

Testspiel-Marathon

Gelegenheit zur sportlichen Revanche bietet sich den Löwen bereits morgen, beim zweiten Aufeinandertreffen beider Teams. Nächstes Wochenende folgen dann weitere Testspiele in Thurgau (Schweiz) und Dornbirn (Österreich).

 

Das nächste Heimspiel bestreiten die Löwen zum Saisonauftakt der DEL2-Saison 2017/18. Am 15. September kommt es ab 19:30 Uhr zur Neuauflage des letztjährigen Finales mit den Bietigheim Steelers. Tickets für diese und alle anderen Vorrunden-Spiele können wie gewohnt im Löwen-Ticket-Shop erworben werden.