Spielbericht

Aller guten Punkte sind drei

Ein hochumkämpftes Spiel gegen die Ravensburg Towerstars gewinnen die Löwen mit 3:2 und gehen mit einem, nicht nur für Paul Gardner, „huge win“ in die Länderspielpause.

Über 58 Minuten und eine gehörige Portion Willenskraft benötigte es dabei, ehe die Löwen alle Gegner am heutigen Abend besiegt hatten und der verdiente 3:2-Sieg zu Buche stand. Ganze 110 Sekunden vor dem Spielende erzwangen Clarke Breitkreuz und die zweite Powerplay-Formation die Entscheidung zu Gunsten der Löwen, nachdem der bis dahin glänzend aufgelegte Jimmy Hertel im Tor der Towerstars einen Schlagschuss von Matt Pistilli nur nach vorne abprallen lassen konnte und Breitkreuz, der unermüdlichen Arbeiter, zum umjubelten Siegtreffer abstaube.

„Under pressure“

Zum ersten Mal in dieser Saison dürften die Löwen vor Spielbeginn so etwas wie Zugzwang gespürt haben. Nach zuletzt zwei Niederlagen wollte man unbedingt mit einem Sieg in die Länderspielpause gehen. Glücklicherweise war die personelle Ausgangslage für Löwen-Trainer Paul Gardner etwas weniger bescheiden, als vor den Partien in Dresden und Bietigheim. So fehlten heute „lediglich“ die beiden in Köln weilenden Dominik Tiffels und Lucas Dumont.

Somit konnte Paul Gardner bei der Reihenzusammenstellung wieder etwas variieren und beließ im Vergleich zum leistungstechnisch guten, aber beim Ergebnis unbefriedigenden Spiel in Bietigheim lediglich die Topline Gron/Stretch/MacLeod intakt. Dahinter vereinte er mit Pistilli und Brett Breitkreuz ein Power-Duo aus dem Vorjahr und stellte ihnen mit Nils Liesegang einen spielstarken Center an die Seite. Reihe drei bildeten Filin, Jarrett und Clarke Breitkreuz, wobei auch Stephan Seeger und Eric Valentin hier immer wieder Eiszeit bekamen.

Bestrafung?

Von den neuen Angriffsformationen war aber bis zur Spielmitte noch nicht viel zu sehen, denn bedingt durch fünf Strafen in den ersten 23 Spielminuten hatten die Löwen vor allem einiges in ihrer eigenen Hälfte zu tun. Zwar begannen die Löwen die Partie in den ersten Wechseln gewohnt druckvoll, eine Strafe nach 2:49 Minuten verlagerte das Spiel aber erstmals vor das heute von Hannibal Weitzmann gehütete Tor.

Dass die Towerstars trotz vier Powerplays im ersten Drittel nur 11 Torschüsse auf Weitzmann verbuchen konnten, die dieser auch allesamt souverän entschärfe, lag vor allem an einer hellwachen Defense der Löwen, die Ravensburg kaum offene Schüsse erlaubten und besonders in Unterzahl eine sehr starke Reboundkontrolle an den Tag legte, so dass die Towerstars praktisch keinen gefährlichen Nachschuss auf Weitzmann bringen konnten.

In der 9. Minute wäre wahrscheinlich nochmal Weitzmanns gesamtes Talent gefragt gewesen, wenn nicht Tim Schüle mit einem überragenden Poke-Check die Chance des im Slot völlig freien Daniel Pfaffengut zunichte gemacht hätte. So überstanden die Löwen nicht nur die vier Strafen im Auftaktdrittel, sondern auch eine weitere im Mittelabschnitt.

Und obwohl ständig in Unterzahl zeigten sich die Löwen dennoch für die bis dato gefährlichste Offensivsequenz verantwortlich. Bei einem Konter setzte Patrick Jarrett den mitgelaufenen Vlad Filin in Szene, der mit seinem Handgelenksschuss aber an Jimmy Hertel scheiterte. Trotz eines Mannes weniger auf dem Eis erarbeiten sich die Löwen den Rebound und beförderten die Scheibe über einen Schlagschuss von Mike Card zurück gen Hertel. Durch einen „Tip“ des immer noch vor dem Tor positionierten Filins wurde der Schuss noch gefährlicher, allerdings fiel die Scheibe auf das Tor, anstelle in die Maschen (16.).

Beherrschung

Der heutige Gegner Ravensburg kam mit der Empfehlung von zwei Siegen in dieser Woche (Dienstag gegen Heilbronn und Freitag gegen Riessersee) in die Eissporthalle. Nach einem durchwachsenen Start in die Saison wollten die Towerstars natürlich den jüngsten Aufwärtstrend beibehalten. Aktuell auf Rang 8 der Tabelle, sind die Schwaben mit 51 Toren zwar kein „Powerhouse“ der Liga, steht im Angriff aber gut da. Größtes Manko der Towerstars ist ihre Defensive, die 51 Gegentore werden aktuell nur von den Teams außerhalb der (Pre)Play-Off-Rängen „überboten“.
Von daher war Trainer Jiri Ehrenberger mit dem Verlauf des ersten Drittels, trotz keinem eigenen Tor dennoch nicht unzufrieden. Zumal das Spiel auch im zweiten Abschnitt nahtlos an den Verlauf der ersten zwanzig Minuten anschloss. Und mit dem sechsten Powerplay der Partie gelang den Ravensburgern in der 26. Minute dann schließlich doch das 1:0.

Nachdem zuvor Matt Pistilli eine Gummihuhn-würdige Strafe wegen einer Aktion, welche die Schiedsrichter als Behinderung interpretierten kassierte, führte die Towerstars eine erste wirklich gute Überzahlkombination zum Erfolg. Aus Weitzmanns „totem Winkel“ hinter der Torlinie bediente Artus Kruminsch den heraneilenden Adam Lapsansky, welcher den Puck aus wenigen Metern per Direktabnahme ins Tor versenkte.

Als die Schiedsrichter ab Spielmitte die Pfeifen etwas defensiver benutzten entwickelte sich eine zunehmend temporeiche Partie, in der sich die Löwen immer mehr die Kontrolle über das Spielgeschehen erarbeiteten.

Befreiung

Mit jedem Angriff der Löwen glich die Defense der TowerStars mehr einem Ravensburger Jenga-Turm dem die Löwen Stein um Stein herausschossen. Der erste Zusammenbruch des Verteidigungs-Konstrukts erfolgte dann unmittelbar nach einem gewonnenen Offensivbully von Patrick Jarrett. Vlad Filin übernahm den Puck, servierte ihn seinem Captain mit der Rückhand direkt auf die Kelle und Jarrett überwand Jimmy Hertel zum überfälligen Ausgleich (37.).

Und so abgedroschen der Zusatz mit dem „psychologisch wichtigen Zeitpunkt“ des Treffers kurz vor der Pause sein mag, so offensichtlich zutreffend war er in diesem Fall, denn im dritten Drittel wirkten die Löwen wie befreit.

Auch weil die Regelauslegung auf dem Eis die Löwen nicht mehr unberechenbar handicappte, agierten die Mannen von Paul Gardner weiterhin offensiv drückend und drängten immer vehementer auf die Führung. Bis diese allerdings in der 51. Minute fiel, entwickelte sich ein echter „Nail-biter“ vor 4.100 Zuschauern, von denen exakt 4.093 die Löwen phantastisch nach vorne peitschten. Als dann Wade MacLeod unmittelbar vor Jimmy Hertel stehend einen Querpass von Brett Breitkreuz zum 2:1 ins Tor bugsierte, witterten sich die Löwen-Fans schon fast erlöst.

Ravensburgs Offensivaktionen beschränkten sich in dieser Phase zwar fast ausschließlich auf Entlastungskonter, die vor allem mit der Sturmformation um den höchstagilen Jakub Svoboda und Adam Lapsansky für Gefahr sorgten, aber dennoch kamen die Towerstars noch einmal zum Ausgleich. Eben jener Svoboda, skatete den Puck vom eigenen Tor bis auf Hannibal Weitzmann und als die Löwen-Defense den Rebound einmal nicht abräumen konnte, bedankte sich Lapsansky promt mit seinem zweiten Treffer am heutigen Abend.

Doch der Charakter, mit dem die Löwen schon etliche Rückstände umgebogen hatten, erzwang kurz vor dem Ende den Siegtreffer für die Löwen durch Clarke Breitkreuz.