Spielbericht

Bis zum bitteren Ende

Die Löwen Frankfurt ringen mit den Bietigheim Steelers über 60 Minuten, unterliegen aber durch einen Treffer von Justin Kelly in der 58. Minute mit 2:3. Damit ziehen die Steelers ins Finale ein.

Frankfurt (DJ) - 2:3 Serienrückstand, Spiel 6 - die Ausgangslage für die Löwen war klar: do or die. Auf Seiten der Löwen gab es vor dem Spiel entsprechend keine offenen Fragen. Außer vielleicht: wie gelingt heute ein Sieg gegen Bietigheim?

Wobei eigentlich auch diesbezüglich die Karten schon auf dem Tisch liegen: Die Steelers sind keine Freunde der härteren Gangart und wann immer es physisch wurde, waren die Löwen bisher im Vorteil. Kassierten die Löwen hierbei allerdings Strafzeiten, nutzten dies die Steelers bisher gnadenlos. Mit der drohenden Sommerpause vor Augen blieb den Löwen im heutigen Spiel allerdings gar nichts anderes übrig, als alles auf das Eis zu bringen, was sie noch im Tank hatten.

Das Glück des Glücklichen

Und nach einem Drittel Schachspiel von beiden Mannschaften taten dies die Löwen auch. Allein 13:4 Torschüsse im Schlussdrittel unterstreichen das Spiel auf ein Tor binnen der letzten 20 Minuten. Doch den Sieg fährt in den Play-Offs nicht immer die bessere, sondern manchmal auch die glücklichere Mannschaft ein. Selbst Steelers-Coach Kevin Gaudet attestierte seiner Mannschaft dieses Glück im Schlussabschnitt gehabt zu haben, was letztlich den Sieg durch einen Treffer von Justin Kelly in der 58. Minute ermöglichte.

Wie nah Leid und Freud beieinander liegen können, zeigte sich schon in den Auftaktminuten der Partie. Die engagiert beginnenden Löwen erzwangen schon im zweiten Wechsel eine Strafe gegen Réné Schoofs und hatten im Powerplay früh die Chance zur Führung. Bietigheims Unterzahlformation und Sinisa Martinovic im Tor gelang es allerdings den Schüssen von Tim Schüle und den Rebounds standzuhalten.

Eine zweifelhafte Strafe gegen Dani Bindels beendete die Überzahl der Löwen allerdings vorzeitig und schickte kurz darauf Bietigheim für gut eine Minute ins Powerplay. Und einmal mehr demonstrierten die Steelers, wie einfaches, erfolgreiches Powerplay funktioniert. Mit zügigen Querpässen zogen sie die Unterzahl-Box der Löwen auseinander, ein harter Pass von Justin Kelly vor den Torraum fand Tyler McNeely, der den Puck über die Linie drückte (5.).

Ein Drittel Eishockey-Schach

Doch trotz dieses erneuten Gegentors in Unterzahl war die Niederlage der Löwen heute nicht an zu vielen Strafzeiten festzumachen. Nur zweimal agierten die Löwen in Unterzahl und Schoofs Treffer blieb der einzige Powerplaytreffer für die Steelers.

Die frühe 1:0 Führung gab den Steelers natürlich jede Menge Ruhe in ihr eigenes Spiel, die Löwen hingegen mussten zulegen- was ihnen zunächst schwer viel. Das Engagement stimmte ohne Zweifel, ein Monsterhit von Dominik Tiffels bei einem 1-gegen-1-Konter gegen Max Lukes (10.) brachte zudem etwas mehr Dampf in den Kessel.

Allerdings fehlte den Löwen in der Offensive weiterhin ein wenig der „letzte Punch“ und nachdem sich u.a. bei Abschlüssen von Eric Stephan (13.) und Wade MacLeod (16.) auch kein Glück einstellen wollte, schienen die Löwen mit ihrem Schicksal zu hadern und bei allem Einsatz ein wenig zu verkrampfen.

Löwen-Coach Franz-David Fritzmeier vertraute beim Kader auf die gleiche Zusammenstellung wie in Bietigheim. Nachdem er im ersten Drittel auch seine etablierten Reihen aufs Eis schickte, wechselten die Löwen ab dem 2. Drittel in einigen Positionen. Der wiedergenesene Vladislav Filin rückte dabei für einige Shifts in die 2. Reihe an die Seite von Patrick Jarrett und Matt Pistilli. Auch Clarke Breitkreuz agierte auf dieser Position einige Male. In der 4. Reihe kamen neben Filin auch Stephan Seeger, Max Gläßl zum Einsatz.

Bei den Steelers ließ Steelers-Coach Kevin Gaudet in Anbetracht der Verletzung von Norman Hauner seine Sturmreihen ebenfalls unverändert. In der Verteidigung kehrte Dominic Auger bei den Steelers zurück ins Team, der seit Spiel 2 des Viertelfinales verletzt war und Bietigheim so ermöglichte zumindest 6 Verteidiger aufzubieten.

Ausgleich

Mit den kleinen Umstellungen und neuer Motivation gelang es den Löwen ab dem zweiten Drittel das Spielgeschehen zu ihren Gunsten zu drehen. Der Ausgleich in der 23. Minute durch Tim Schüle fiel dennoch aus heiterem Himmel. Schüle feuerte den Puck während seine Kollegen wechselten einfach hart und platziert auf das Tor und unter gütiger Mithilfe von Sinisa Martinovic schlug der Puck zum Ausgleich ein.

Sofort stand eine völlig andere Löwen-Mannschaft auf dem Eis, die das Drittel der Steelers bestürmten und Sinisa Martinovic unter Beschuss nahmen. Mitten in ihrer Drangphase mussten die Löwen in der 28. Minute allerdings einen weiteren Rückschlag hinnehmen als Réné Schoofs mit einem Schuss nach Ablage in den Rückraum zum 2:1 für Bietigheim traf. Doch nachdem der erste Ausgleich geglückt war, brach der erneute Rückstand das Spiel der Löwen nun nicht mehr.  

Schon im ersten Wechsel nach dem Tor drängten die Löwen wieder in die Offensive, nur eine Minute nach dem Gegentor gelang ihnen der erneute Ausgleich. Bei einem Gegenangriff zogen Patrick Jarrett und Clarke Breitkreuz bis vor das Tor, und sorgten für ordentlich Unordnung im Slot der Steelers, was der nachrückende Pawel Dronia ausnutzte, als er die in den freien Raum rutschende Scheibe mit Nachdruck durch den Spielerknäuel in die Maschen drosch (29.).

Sturmlauf, Teil 1

Die Löwen waren nun klar am Drücker und drängten die Steelers in deren Zone. Tim Schüle (31.) und C.J. Stretch (33.) scheiterten allerdings an Sinisa Martonivic, Matt Pistillis Schuss (32.) wurde von einer Kelle ins Fangnetz gelenkt. In der 35. Minute benötigten die Schiedsrichter den Videobeweis um sicher zu stellen, dass der Puck im Getümmel vor dem Bietigheimer Tor tatsächlich nicht die Linie überschritten hatte- aber irgendetwas hinderte den Puck nach einem Schuss von Patrick Jarrett wohl tatsächlich daran in Netz zu rutschen. Auch Clarke Breitkreuz konnte die Führung zwei Minuten später nicht erzielen, da Max Prommersberger mit seiner Kelle Breitkreuz noch gerade so am Tip-In stören konnte.

Als Brett Breitkreuz im aufgeheizten Spiel 100 Sekunden vor der zweiten Pause einen harten Check an der Bande gegen Benjamin Zientek  fuhr sahen sich die Löwen dem bis dato wahrscheinlich wichtigsten Penalty-Killing gegenüber. Aber als hätten sie nie Probleme mit dem Bietigheimer Powerplay gehabt, überstanden sie diese Unterzahl, ohne dass die Steelers das Tor von Hannibal Weitzmann ernsthaft in Gefahr brachten.

Sturmlauf, Teil 2

Im dritten Drittel intensivierten die Löwen ihren Sturmlauf auf das Tor von Sinisa Martinovic noch einmal. Dani Bindels (42., 47.) und Tim Schüle (45.) hatten erste Chancen und verpassten die Führung nur knapp. C.J. Stretch traf mit einem Alleingang nur den Pfosten (51.). Als die Löwen ab der 54. Minute selbst noch einmal im Powerplay agieren durften, produzierten sie mächtig viel Druck, konnten aber erneut die Scheibe nicht ins Netz befördern.

Zwei Minuten später gelang Justin Kelly, der zuvor noch die Strafe absaß, der lucky punch für die Steelers. Bei einem Entlastungsangriff umkurvte Marcus Sommerfeld das Tor der Löwen, legte den Puck in den Rückraum zurück, wohin Kelly einrückte und die einzig echte Chance der Steelers im Schlussdrittel zum Siegtreffer nutzte.

Natürlich drückten die Löwen noch bis zur Schlusssirene, aber der erneute Ausgleich glückte ihnen nicht mehr. So standen die Löwen am bitteren Ende nach 60 Minuten mit leeren Händen und hängenden Köpfen auf dem Eis während die Steelers in ihr sechstes Finale in Serie einzogen. Der minutenlang anhaltende Support der heute wieder meisterwürdigen Löwen-Fans dürfte ihrer Seele ein wenig geschmeichelt haben, wenngleich das Saisonende dennoch zu früh kam.

 

Löwen Frankfurt - Bietigheim Steelers 2:3 (0:1, 2:1, 0:1)

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