Spielbericht

Blood, sweat & tears

Die Löwen Frankfurt unterliegen in Spiel 5 den Bietigheim Steelers mit 2:5 und müssen nun am Sonntag zwingend gewinnen um ein siebtes Spiel zu erzwingen.

Bietigheim (DJ) - Eigentlich hatte die heutige Partie alles, was man sich von Play-Off-Eishockey erhofft: Tempo, Torchancen, Saves und Checks. Einzig die Schiedsrichter schienen nicht ganz im selben „Play-Off-Modus“ gewesen zu sein, verloren sie in manchen Szenen doch ein wenig die Übersicht über das Spielgeschehen. Die technisch versierten Steelers verstanden es dabei besser, die sich ihnen bietenden Chancen zu nutzen und besiegten kämpferische Löwen am Ende sogar mit 5:2.

Fehlstart

Schon die erste Spielminute bot den 3.681 Zuschauern in der EgeTransArena einen Vorgeschmack auf die Entscheidung der heutigen Partie. Die Löwen kamen hochmotiviert aus der Kabine und wollten Bietigheim gar nicht erst gestatten, dass Momentum des letzten Sieges auch auf diese Partie zu übertragen. Den ersten Angriff der Steelers entschärfte Hannibal Weitzmann durch einen starken Save mit dem Handschuh gegen Shawn Weller (1.). Allerdings hatten die Unparteiischen ganz genau hingeschaut und einen ahndungswürdigen Stockschlag Mike Cards erspäht. Im Powerplay benötigten die Steelers dann gerade einmal 13 Sekunden, ehe Justin Kelly von links Shawn Weller im Slot bediente und der die Scheibe zum frühen 1:0 über die Linie drückte.

Die Löwen starteten erneut mit Hannibal Weitzmann im Tor, sowie den gleichen Reihenkombinationen wie in den Spielen zuvor. Clarke Breitkreuz, der am Mittwoch ab dem zweiten Drittel in der 2. Reihe agierte, rückte wieder an die Seite von Eric Valentin und Lucas Dumont. Dani Bindels komplettierte die etablierte 2. Reihe mit Matt Pistilli und Patrick Jarrett.

Überraschenderweise gab allerdings Vladislav Filin nach langer Verletzungspause sein Comeback, so dass den Löwen im Angriff etwas mehr Variabilität zur Verfügung stand. Filin pendelte in seinem ersten Spiel zwischen Einsätzen in der 3. Reihe und Shifts zusammen mit Stephan Seeger und abwechselnden Flügelspielern als 4. Sturmreihe.

Löwen "auf Mission"

Als Antwort auf den frühen Rückstand übernahmen zunächst allerdings vor allem die Topreihen der Löwen das Kommando, C.J. Stretch (3.) und Matt Pistilli (5.) scheiterten mit ihren Abschlüssen aber an Sinisa Martinovic, der erneut im Tor der Steelers begann.

Den Offensivdrang der Löwen bändigt zunächst eine weitere Strafe, nachdem Max Prommersberger bei einem Zweikampf mit C.J. Stretch im Löwen-Slot zu Boden geht (6.). Doch auch in Unterzahl generieren die Löwen eine gute Chance, bei der Brett Breitkreuz recht allein vor dem SCB-Tor an den Puck kommt, die Scheibe jedoch nicht an Martinovic vorbeiziehen kann.

Bei einem Gegenangriff der Steelers kassierten die Löwen nur drei Minuten später die nächste Strafe, da Pawel Dronia seinen Gegenspieler subjektiv einwandfrei zu wenig liebevoll an der Bande schubste. Trotz guter Puckbewegung Bietigheims gelang es den Löwen aber auch in diesem Unterzahlspiel lange standzuhalten, ehe die Steelers dann doch noch zuschlugen. Auf Vorlage von Shawn Weller war diesmal Justin Kelly der Empfänger im Slot, welcher den Puck über die Linie drückte (13.). Dass dem Angriff, der zum Tor führte bei Eintritt in die Zone eine Abseitsstellung vorausging, wurde nicht geahndet.  

Die fast wie „besessen“ auftretenden Löwen ignorierten allerdings auch diesen Nackenschlag und antworteten abermals mit offensiv ausgerichtetem Power-Hockey. C.J. Stretch belohnte die Courage der Löwen mit seinem Anschlusstreffer (14.), vor dem er einem Bietigheimer den zur Klärung bereitgelegten Puck von der Kelle klaute, einen weiteren Verteidiger umkurvte und auch Silo Martinovic mit der Rückhand zum 1:2 überwand.

Auf den Ausgleich brennend, berannten die Löwen weiterhin Bietigheims Tor, wobei Stephan Seeger einen Check gegen Leon Müller durchzog und den jungen Bietigheimer dabei hart traf. Müller musste daraufhin in die Kabine (Gute Besserung an dieser Stelle!), Stephan Seeger kam straffrei davon.

Obwohl es vom Spielstand des 1. Drittels kaum abzulesen war, vermissten die Steelers ihren Defensiv-Anker Rob Brown, sowie Stürmer Norman Hauner. Entsprechend war auch die Offensive der Bietigheimer heute etwas mehr auf zwei Reihen beschnitten, so dass SCB-Coach Kevin Gaudet im Vorfeld kleinere Justierungen vornahm. Neben der Paradereihe McKnight/Kelly/Sommerfeld liefen heute Tyler McNeely, Benjamin Zientek und Shawn Weller als zweite Reihe auf.

Abgesehen von den Situationen in Unterzahl verteidigten die Löwen im ersten Drittel gegen beide Formationen zufriedenstellend und waren vor allem offensiv voll im Spiel. Insofern wollten die Löwen im zweiten Drittel auch grundsätzlich an ihr Spiel anknüpfen- leider gelang ihnen praktisch eine Kopie des ersten Abschnitts, positiv wie negativ, so dass nach 40 Minuten, trotz starkem Spiels ein mehr als ärgerlicher 2:4 Rückstand auf der Anzeige stand.

Die Steelers erwischten die Löwen im 2.Drittel eiskalt und gingen schon nach 28 Sekunden durch eine Gemeinschaftsproduktion der neuen 2. Reihe bei einem Konter mit 3:1 in Führung. Erneut war Shawn Weller der Torschütze, welcher den Puck nach Querpass von Benjamin Zientek am langen Pfosten ins Tor tippte (21.). In der 39. Minute erzielte Frédérik Cabana an der Seite von McNeely und Weller aus einer sehr ähnlichen Situation heraus das 4:2.

Zwischen Genie und Wahnsinn

Dazwischen langen 18 Minuten in denen die Löwen einen Ritt auf der Rasierklinge hinlegten, der letztlich nicht zu ihrem Vorteil ausging. Zunächst antworteten sie auf den erneuten Zwei-Tore-Rückstand mit intensivem Körperspiel, was den Bietigheimern schon im letzten Finale gar nicht schmeckte. Die Steelers nutzten heute die Spielweise der Löwen und die äußert akkurate Regelauslegung der Schiedsrichter allerdings geschickt zu ihren Gunsten und verkauften so manchen Einsatz der Löwen als ahndungswürtige Situation.

So muss zunächst erneut C.J. Stretch in die Kühlbox, nachdem er seinen Gegner gehalten haben soll. nachdem Matt McKnight einen regelkonformen Check von Pawel Dronia einstecken musste, fordete McKnight derart rebiat eine Strafe gegen den Frankfurter, dass er selbst von den Unparteiischen eine zehnminütige Disziplinarstrafe aufgebrummt bekam.

Den Löwen gelang in dieser Phase die Steelers von ihrem Spiel abzubringen und prompt gelang auch der erneute Anschluss durch Tim Schüle (28.). C.J. Stretch und Brett Breitkreuz zogen den Puck tief bis um das Tor, von wo aus die Rückablage Tim Schüle im linken Bullykreis erreicht und der die Löwen auf 3:2 heranbringt.

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

Erneut nahmen sich die Löwen danach das Momentum selbst aus den Segeln, als Vladislav Filin eine Strafe wegen Stockschlages erhielt. 30 Sekunden vor Ablauf dieser Strafe tat es ihm Eric Stephan gleich: Der Löwen Verteidiger hatte Shawn Weller mit seinem Stock an der Hand bzw. der Körpermitte getroffen, woraufhin Weller wie vom Blitz getroffen zu Boden ging und sich das Gesicht hielt. Da im Rahmen dieser Aktion auch noch ein grobes Foulspiel von Stephan vorgelegen haben muss, musste er das Spiel mit einer 5 min + Spieldauerdisziplinarstrafe verlassen.

Obwohl in Unterzahl, eröffnete sich für Wade MacLeod die große Chance den Spielstand zu egalisieren, doch da er die Scheibe nach einem Pass von Tim Schüle nicht wie gewünscht unter Kontrolle brachte, konnte Sinisa Martinovic den Ausgleich gerade noch verhindern (32.). Stattdessen erhöhte Cabana wenig später für die Steelers (39.).

Drehzahlbegrenzer

In Anbetracht der unbedingten Notwenigkeit weitere Strafen und damit Bietigheimer Powerplays zu vermeiden, agierten die Löwen erst im Schlussdrittel nicht mehr ganz so extrem physisch, was sich einerseits natürlich positiv auf ihre Strafzeitenquote auswirkte, andererseits aber auch etwas den Dampf aus allen Spielbereichen nahm.

So konnten die Steelers den Vorsprung nur selten gefährdet bis in die 52. Minute verteidigen, als Benjamin Zientek noch einmal eine kleine Strafe erhielt. Mittelweile aber scheint es, als hätten sich die Löwen mit der Powerplay-Seuche der Steelers aus ihrer Serie gegen Heilbronn infiziert. So verstrich auch diese Chance ungenutzt.

Mit Frédérik Cabanas zweitem Treffer zum 5:2, der Hannibal Weitzmann zwischen Beinen und Pfosten durchrutschte, war die Partie in der 56. Spielminute dann entschieden.  

Ausblick

Die Löwen müssen nun am Sonntag gewinnen, um ein entscheidendes 7. Spiel in Bietigheim (Di, 10.4.) zu erzwingen. Spiel 6 der Serie beginnt am Sonntag, 8.4. um 17 Uhr. Tickets gibt es noch im Löwen-Ticket-Shop. Für den Rest überträgt SpradeTV die Partie live.

Bietigheim Steelers - Löwen Frankfurt 5:2 (2:1, 2:1, 1:0)

Statistik.