Spielbericht

Falken krallen sich den Sieg gegen Löwen

Trotz eigener Führung müssen sich die Löwen in Heilbronn mit 3:4 nach Verlängerung geschlagen geben.

Heilbronn (DJ) – Zwei Spiele zum Preis von einem und das alles in 60 Minuten – das klingt vielleicht für die Zuschauer (v.a. auf Seiten Heilbronns) nach einem netten Angebot, Löwen-Head Coach Matti Tiliikainen gefiel es offensichtlich gar nicht. Dabei boten seine Löwen im „ersten Spiel“ bis zur 30. Minute eine nahezu perfekte Auswärtspartie, führten nach Toren von Matt Tousignant und Mike Fischer mit 2:0 und hatten wirklich alles im Griff.

Ein unerwarteter Wendepunkt führte dann aber zu einer völlig anderen Partie, in der die Löwen in Rückstand gerieten, durch Magnus Eisenmenger ausglichen, aber letztlich doch noch mit 3:4 (1:0, 1:2, 1:1, 0:1) nach Verlängerung in Heilbronn unterlagen.

Geduldsspiel

Für die Zuschauer mitunter wenig ansehnlich, begann die Partie auf beiden Seiten „unspektakulär“. Bis das Spiel langsam aber sicher Fahrt aufnahm, vergingen gut fünf Minuten, in denen beide Mannschaften die eigene blaue Linie jeweils ziemlich dicht hielten und dem Gegner kaum einen kontrollierten Eintritt ins Drittel ermöglichten.

Abschlüsse - von echten Chancen kann man dabei kaum sprechen - waren in der Anfangsphase auf beiden Seiten kaum mehr als das vielumwobene „Stückwerk“. Marko Pantkowski im Tor der Falken hatte dabei allerdings noch etwas mehr zu tun, als Bastian Kucis im Kasten der Löwen.

Nachdem Kucis den Löwen in den letzten beiden Spielen mit starken Auftritten zu zwei Siegen verhalf und mittlerweile mit einer Fangquote von über 92 Prozent einen der besten Werte der Liga aufweist, stand er auch in Heilbronn zwischen den Pfosten. Dass Kucis heute das „erste Spiel“ bis zur 30. Minute ebenfalls ohne Gegentor bestritt, lag neben einer starken Löwen-Verteidigung auch an der torhüterfreundlichen Performance des Heilbronner Angriffs. Abgesehen von einem offenen Schuss aus halbrechter Position von Valentino Klos (6.) und einem Abschluss von Topscorer Roope Raanta, der Kucis aber auch zu nicht mehr als einer Routineparade zwang (9.), blieb der Goalie der Löwen im 1. Drittel beinahe beschäftigungslos.

Mit extrem starken Stellungsspiel im Forechecking und der neutralen Zone, welches den Falken keinen zügigen Spielaufbau durch die Zonen ermöglichte und die Angriffe der Hausherren meist spätestens an der blauen Linie abfingen, verhinderten die Löwen jeglichen Aufbau von Angriffsdruck der Falken.

Durchbruch

Allerdings agierte auch Heilbronn defensiv dicht gestaffelt, so dass sich die spielfreudigeren Löwen trotz 18 Schüssen auf das Tor im 1. Drittel mit nur einem Treffer begnügen mussten. Zum Spielgeschehen passend, fiel dieser in einem Angriff, bei dem es den Löwen einmal gut gelang, die Heilbronner Defensive zu überlaufen. Adam Mitchell bediente Tousignant im Slot, dessen Querpassversuch vom Verteidiger zurück auf seine eigene Kelle sprang, so dass Tousignant eben selbst das 1:0 per Backhander besorgte (11.).

Durch erhöhtes Tempo gelang es den Löwen zunehmend besser ins Angriffsdrittel zu kommen und als  Fischer zu Beginn des 2. Drittels das 2:0 markierte (23.), schien das Spiel eigentlich den von den Löwen gewünschten Verlauf zu nehmen. Das „Versicherungs-Tor“ markierte Fischer mit einem versenkten Rebound, bei dem er sich stark gegen seinen Verteidiger durchsetzte, nachdem Pantkowski einen Schuss von Magnus Eisenmenger aus spitzem Winkel nach vorne prallen ließ.

In der Folge pinnte Frankfurt die Falken fast vier Minuten lang in deren Drittel und bei Chancen von Carter Proft (25.) und Mitchell (26.) schien das 3:0 nur eine Frage der Zeit zu sein. Mit dem ersten Entlastungsangriff der Falken begann allerdings das „andere Spiel“.

Wendepunkt

Dalton Yorke und Falken-Top-Scorer Roope Raanta gerieten in besagtem Angriff zweifach ein wenig aneinander, wobei kein Schiedsrichter eine Strafe sah. Mit Unterbrechung des Spiels nach einem Save von Kucis wollte Raanta seinem Gegenüber dann doch noch ein paar Nettigkeiten mitgeben, woraus sich ein kleines Rudel bildete, was aber allenfalls beim Fußball für Aufregung gesorgt hätte. Das mutige Auftreten des kleinen finnischen Goalgetters gegen den großen Verteidiger Yorke schien die Bank der Falken allerdings zu erwecken, wie auch Coach Alexander Mellitzer nach dem Spiel beschrieb.

Als Resultat aus der Szene schickten die Unparteiischen Yorke und Raanta zum Abkühlen und erspähten außerdem noch eine Strafe für Tim Schüle, so dass Heilbronn erstmals im Powerplay agieren durfte. 1:58 Minuten spielten die Löwen ein routiniertes Unterzahl und erlaubten den Falken nur einen gefährlichen Schuss durch Marcus Götz. Dessen Rebound allerdings versenkte Kyle Helms mit Ablauf der Strafe zum 1:2 (31.).

Angriffspakt

Der Anschlusstreffer motivierte die Falken sichtlich, fortan nun mehr in die Offensive zu investieren. Ein zweites Powerplay (34.-36. Min) überstanden die Löwen dank kollektiv guter Defensivarbeit unbeschadet, doch hatten sie das alleinige Diktat des Spiel durch die Unterzahlsituationen mittlerweile eingebüßt.

Und als Justin Kirsch eine Minute vor der zweiten Pause allein auf das Löwen-Tor zog, konnte Yorke ihn nur auf Kosten einer weiteren Strafzeit aufhalten. Abermals zum Powerplay eingeladen, nutzten die Falken die Chance zum Ausgleich noch im 2. Drittel durch einen sehenswerten Schlagschuss von Raanta, der 0,5 Sekunden vor der Sirene im Tor der Löwen einschlug. Eine Partie, welche die Löwen über 30 von 40 Minuten dominierten, ging somit unentschieden in den Schlussabschnitt.

Ein Solo Matt Pistillis durch zweieinhalb Drittel mit einem gefährlichen Abschluss nach einer kleinen links-rechts-Täuschung, das Pantkowski gerade noch mit der Schulter entschärfen konnte (43.), hätte die Spielrichtung im Schlussabschnitt vorgeben können, doch der Treffer fiel auf der Gegenseite: Richard Gelke fälschte einen Schuss von Markus Eberhardt im Slot stehend unhaltbar für Kucis ab, so dass die Falken plötzlich mit 3:2 in Führung gingen (45.).

Antwort

Die Löwen reagierten mit wütenden Angriffen, wobei - wie schon in den vergangenen Wochen - vor allem auch die 4. Reihe der Löwen im Nest der Falken für mächtig Wirbel sorgte und letztlich völlig verdient den Ausgleich markierte. Einen Schuss von Fischer, der zuvor selbst noch den Ausgleich knapp verpasste, konnte Pantkowski nur in den Slot abwehren, wo Magnus Eisenmenger am schnellsten schaltete und den Rebound versenkte (50.).

Beiden Teams boten sich in den letzten zehn Minuten der Partie noch mehrere Chancen zum Siegtreffer, welcher jedoch keiner Seite gelang. Den Löwen fehlte nach einem Patzer von Pantkowski hinter dem Tor nur ein Sekundenbruchteil, welcher der Schuss hätte eher kommen müssen um nicht doch noch von Heilbronns Goalie erreicht werden zu können (51.). Die Falken wiederum bejubelten bereits einen vierten Treffer (54.), wobei sie eine vorangegangene, gegen sie angezeigte Strafe übersahen, weshalb der Treffer nicht zählte.

Da die Löwen die einzige eigene Powerplay-Situation der Partie allerdings auch nicht nutzen konnten, fiel die Entscheidung erst in der Overtime.Max Eisenmenger hatte den Sieg für die Löwen dabei fast auf der Kelle, scheiterte jedoch an Pantkowski. Kucis parierte einen Alleingang von Brad Ross ebenfalls stark, doch den frei im Torraum liegenden Puck versenkte Janik Möser zum Sieg für die Hausherren. Dass Kucis' Versuch einer Parade durch einen im Torraum stehenden Falken verhindert wurde, hinterließ einen faden Beigeschmack zum Ende der Begegnung.

Ausblick

Am Sonntag empfangen die Löwen den EHC Freiburg in der Frankfurter Eissporthalle. Spielbeginn ist um 18:30 Uhr. Tickets für die Partie gibt es natürlich im Löwen-Ticket-Shop.

 

Heilbronner Falken - Löwen Frankfurt 4:3 n.V. (0:1, 2:1, 1:1, 1:0)

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