Spielbericht

Krimi gegen Crimmitschau: Löwen gelingt Comeback-Sieg

Gegen die Eispiraten aus Crimmitschau drehen die Löwen einen 0:3-Rückstand und gewinnen am Ende mit 4:3.

Frankfurt (DJ) – Wenn ein kühler Finne nach einem Spiel sichtlich begeistert von den „besten eineinhalb Dritteln der Saison“ spricht, muss sein Team zuvor durchaus Beeindruckendes geleistet haben. Und nichts weniger als das taten die Löwen Frankfurt am 13. Spieltag der DEL2-Saison 2018/2019. Aus einem 0:3-Rückstand nach dem 1. Drittel machten die Frankfurter mit vier unbeantworteten Toren noch einen 4:3-Heimsieg gegen die mit drei Siegen in Serie angereisten Eispiraten Crimmitschau.

Noch mit drei Treffern im Rückstand erweckte Brett Breitkreuz in der 28. Minute die Eissporthalle, als sich der Power-Forward der Löwen durch das komplette Drittel der Eispiraten tankte und ETCC-Goalie Brett Kilar den Puck durch die Schoner stopfte. Mit dem Treffer zum 1:3 startete Breitkreuz die "Wiedergeburt der Comeback-Kids" und sicherte sich zurecht die Ehre zum „JP1880 Spieler des Tages“.Die anderen Löwen-Treffer erzielten Lukas Koziol, Mick Köhler und Eddie Lewandowski.

Same Old Story

Im 1. Drittel wiederholte sich zunächst das zuletzt schon mehrfach gesehene Spiel „hoher Aufwand, wenig Ertrag“: Die Löwen bestimmten Partie und Offensive in den ersten Wechseln in der Hoffnung das Spiel nach einer eigenen Führung „von vorne“ kontrollieren zu können. Doch Tore fielen nur auf Seiten der Gäste.

Nach einem Bullygewinn gelang den Eispiraten in der 4. Minute erstmals mehrere Pässe hintereinander in der Offensivzone, wobei Patch Alber das Zuspiel auf ihn auch fast von der Kelle rutschte. Im Nachfassen bekam er den Puck im Slot dennoch unter Kontrolle und schob ihn unorthodox, mit der Rückhand und dem Rücken zum Tor stehend, vorbei an Felix Bick.

Als nur eine Minute später Carl Hudson den zweiten Crimmitschauer Schuss auf das Löwen-Tor abgab, und Hüne Christian Hilbrich den Puck noch abfälschte (5.), stand es 0:2 - ohne dass jemand in der Eissporthalle so recht wusste warum.

Eine mehrminütige Unterbrechung aufgrund von Reparaturen am Plexiglas hinter Bick erlaubte den Löwen zwar sich zu sammeln, doch im Endresultat änderte sich nichts. Erste Chancen durch Dani Bindels (9.) und in einem Powerplay ab der 13. Minute genügten nicht, um Kilar zu überwinden.

Stattdessen fingen sich die Löwen vor Drittelende noch einen 3-gegen-1-Konter, nachdem Koziol beim Versuch ins Crimmitschauer Drittel einzudringen abgefangen wurde. Zwar schien der entscheidende Querpass auf Dominic Walsh von einer Löwen-Kelle schon vereitelt, doch der Puck kullerte noch zu Alber, der aus kurzer Distanz ins offene Tor einschieben konnte (17.).

Refokussierung

Das 0:3 nach 20 Minuten war natürlich das genaue Gegenteil vom dem, was der Gameplan der Löwen eigentlich vorgesehen hatte - zumal die Eispiraten eines der besseren Defensiv-Teams der Liga sind. Nach einem verkorksten Saisonstart arbeitete sich Crimmitschau in den vergangenen Wochen bis auf Tabellenplatz 5 vor. Punkte erobert der ETCC dabei - ganz piraten-untypisch - weniger durch den Angriff als aus einer soliden Verteidigung heraus. Nur 36 Gegentore bedeuten den (geteilten) zweitbesten Wert der Liga.

Entsprechend dick war das Brett, bzw. die Planke, die die Löwen mit Beginn des 2. Drittels zu bohren hatten. Zwei frühe Strafen in den ersten vier Minuten des Mitteldrittels saugten zudem fast vollständig die Energie aus der mit 4.083 Zuschauern gefüllten Eissporthalle. Doch die Löwen vertrauten den Vorgaben ihrer Trainer, überstanden dank kontrolliertem, positionstreuem Penalty-Killing beide Strafen schadlos und starteten dann ihr Comeback mit dem Treffer von Breitkreuz (28.).

Beim Treffer, Marke „Slalomlauf“, explodierte die Eissporthalle von einer Sekunde auf die andere, als wäre der Ausgleich bereits gefallen. Als die Löwen im Anschluss durch zwei Crimmitschauer Strafen im Powerplay agieren durften, rückte die Hoffnung zumindest den unmittelbaren Anschluss in greifbare Nähe, doch Fortuna war immer noch nicht auf Seiten der Hausherren. Sowohl Matt Pistillis One-Timer von halblinks (30.), wie auch Lewandowskis Versuch, die Scheibe aus kurzer Distanz über die Linie zu schieben (32.), misslangen dank starker Saves von Kilar.

Trotz der vergebenen Chancen - mit den Zuschauern längst wieder lautstark im Rücken spielten die Löwen spätestens jetzt auf dem Level, auf dem sie von jedem Gegner in der Liga schwer zu halten sind. Selbst in einer nachfolgenden Unterzahl gehörten die besten Torchancen den Löwen (Lewandowski, 33.; Koziol, 34.), die Crimmitschau nun endgültig dominierten, allerdings auch in einem weiteren eigenen Powerplay das 2:3 verpassten.

Comeback Completed

Nach der letzten Pause tickte der kleine Zeiger der Uhr allerdings nur ganze zwölf Mal, ehe der nun längst überfällige Anschlusstreffer fiel. Der unermüdlich arbeitende Koziol behauptete den Puck tief im Drittel der Eispiraten und überwand Kilar zum umjubelten zweiten Tor der Löwen (41.).

Getragen von einer phantastischen Kulisse drückten die Löwen ihren Gegner nun rücksichtslos in dessen Drittel und ließen den Eispiraten keine Gelegenheit mehr zu offensiver Entlastung. Ganze fünf Torschüsse verzeichneten die Statistiker im 3. Drittel für die Freibeuter aus Sachsen, wobei die meisten hiervon in der Schlussphase fielen, als Crimmitschau noch verzweifelt versuchte die Niederlage abzuwenden.

Zuvor spielten nur die Löwen, die schließlich in der 47. Minute zum Ausgleich kamen. In bester Breitkreuz’scher Manier tankte sich Marius Erk durch die Verteidigung der Eispiraten, die ihn nur mit Mühe im Slot stoppen konnte. Doch Köhler fand den freien Puck und lupfte ihn perfekt platziert unter die Latte. „Mit ihrer Energie ist die 4. Reihe für unser Spiel enorm wichtig. Und sie wird immer besser“ lobte Coach Marko Raita die Formation um Köhler, Erk und Magnus Eisenmenger nach dem Spiel, die in den letzten sechs Partien viermal zuschlug.

Wie wichtig auch Routinier Lewandowski für die jungen Löwen ist, verdeutlichte der ehemalige Nationalspieler in der 54. Minute. Zuvor in manchen Szenen fast etwas unterkühlt wirkend, stand er beim Pass von Adam Mitchell in den Slot perfekt, um die Scheibe eiskalt in die Maschen zu nageln, als hätte er nie etwas anderes gemacht.

Lewandowskis Führung komplettierte ein beeindruckendes Comeback der Löwen, welches sie sich trotz Schlussoffensive der Eispiraten bis zur Schlusssirene nicht mehr nehmen ließen.

Ausblick

Am Sonntag gastieren die Löwen ab 17:00 Uhr beim Tabellennachbarn in Kaufbeuren. Sprade-TV überträgt die Partie natürlich live. Zum nächsten Heimspiel empfangen die Löwen am Sonntag nächster Woche (4. November) die Dresdner Eislöwen. Spielbeginn in der Eissporthalle ist wie immer um 18:30 Uhr. Tickets für die Partie gibt es natürlich in Löwen-Ticket-Shop.

Löwen Frankfurt - Eispiraten Crimmitschau 4:3 (0:3,1:0 3:0)

Statistik