Spielbericht

„McSpitzenspiel“ ohne Punkte

Ein Doppelpack von Wade MacLeod brachte die Löwen in Front, doch angeführt von Matt McKnight und Tyler McNeely gewannen die Bietigheim Steelers das Spitzenspiel gegen die Löwen Frankfurt mit 3:2.

„Stark gekämpft aber nichts gewonnen“ – so die Quintessenz von Paul Gardners Fazit des Spiels; und definitiv lässt sich mit dieser einfachen Formel die heutige 2:3-Niederlage der Löwen beim Tabellenführer aus Bietigheim beschreiben.

Beide Teams waren von Verletzungssorgen merklich geplagt und so war die jüngste Auflage des DEL2-Spitzenspiels eher keine Ausgabe, die aufgrund epischer Action besonders im Gedächtnis bleiben wird.

Doppelschlag zum Sieg

Die Schlüsselszene(n) konzentrierte(n) sich letztlich auf 103 Sekunden zu Beginn des Schlussdrittels. Beim Spielstand von 2:1 für die Löwen gelang Kodi Schwarz in der 43. Spielminute zunächst der Ausgleich für die Steelers. Schwarz, eigentlich gelernter Verteidiger, stürmte heute an der Seite von Matt McKnight & Co, nachdem Justin Kelly im ersten Drittel halb mit Dalton Yorke kollidierte, halb im Eis hängen blieb und letztlich das Spiel schon nach gut zwei Minuten beenden musste. Unmittelbar vor dem Ausgleich erwartete Florian Proske im Tor der Löwen eigentlich einen Icing-Pfiff, nachdem ein langer Pass hinter die Grundlinie trudelte, doch Matt McKnight nullifizierte diesen, legte den Puck zurück auf den nachrückenden Schwarz und der traf mit seinem Schuss zum Ausgleich.

Der Treffer aus dem vielumwobenen „Nichts“ erweckte die bis dato nicht gerade brandgefährlichen Steelers zu offensiverem Spiel und mündete keine zwei Minuten später in die 3:2-Führung durch Norman Hauner, der völlig frei vor dem Tor von Tyler McNeely und Shawn Weller bedient wurde, Florian Proske mit einer Finte außer Position brachte und dann mühelos zum späteren Siegtreffer einschoss (44.).

Kleine Bänke, großer Einsatz

Das Agieren mit einer „kurzen Bank“ müsste Kevin Gaudet auf Seiten der Steelers in Anbetracht der nahezu jährlich wiederkehrenden Verletzungssorgen in seinem Team eigentlich schon fast irgendwie „gewohnt“ sein. Dennoch wird es dadurch sicherlich nicht leichter Ausfälle wie Freddy Cabana, Andrew McPherson oder Marcus Sommerfeld zu kompensieren. Dass die Steelers dennoch auch dieses Jahr wieder an der Tabellenspitze stehen, zeugt von der Stärke des restlichen Kaders und einer mannschaftlichen Geschlossenheit, mit der diese Rückschläge (zumindest in der regulären Saison) immer wieder ausgeglichen werden können.

Für die Löwen war ihr tiefer Kader mit vier starken Reihen, die allesamt dem Gegner Kopfschmerzen bereiten konnten, der Grundstein für die phantastische Serie von 13 Spielen mit Punktgewinn zum Auftakt der Saison. Die Verletzung von Spielmacher Nils Liesegang brachte die Löwen noch wenig ins Stocken, die zusätzlichen Ausfälle von Lucas Dumont und Dominik Tiffels (beide auch heute bei den Kölner Haien im Einsatz) waren allerdings sicher ein Faktor bei der Niederlage in Dresden am vergangenen Sonntag. Heute zudem ohne Matt Pistilli, den eine Viruserkrankung außer Gefecht setzte, war der Kader der Löwen in Bietigheim noch weiter dezimiert. Zwar war Nils Liesegang nominell wieder mit von der Partie, doch seine Eiszeiten konzentrierten sich auf ausgewählte Shifts und Powerplay-Situationen.

Defense first

Obwohl Pistilli, Tiffels, Dumont und praktisch auch Liesegang dem Team von Coach Gardner deutlich fehlten, sah man den Löwen an, dass sie aus den Fehlern des Spiels gegen Dresden deutlich gelernt hatten.

Gegen spielstarke Steelers fokussierten sich die Löwen darauf, die neutrale Zone eng zu machen und dort mögliche Anspielstationen zuzustellen, um dem Gegner möglichst keine schnellen Passkombinationen zu ermöglichen. Entsprechend mussten die Steelers den Puckvortrag vor allem läuferisch bewältigen, was den Verteidigungslinien der Löwen die Arbeit vor allem im Hinblick auf ihr jeweiliges Positionsspiel und dem Klären der Zone erleichterte. Auch im Unterzahlspiel konnten die läuferisch starken Verteidiger der Löwen so immer wieder für Befreiung sorgen.

Das starke Defensivspiel der Löwen ermöglichte den Steelers erst in einem Powerplay in der 7. Minute die erste Torchance durch Shawn Weller, der im Slot nach einem Querpass den Puck direkt abnahm, aber an Florian Proske scheiterte.

Da Bietigheim aber gleichfalls effizient verteidigte, kamen auch die Löwen erst in Überzahl zu eigenen, guten Gelegenheit durch C.J. Stretch, der mit dem Puck am Schläger im Slalom in die Zone fuhr, um dann offen aus halbrechter Position einen Schuss auf Ilya Sharipov abzuziehen, welcher vom Bietigheimer Goalie allerdings pariert wurde. Noch im selben Powerplay machte Wade MacLeod erstmals auf sich aufmerksam, als er mit seinem Handgelenksschuss am Gestänge scheiterte.

Sekunden nachdem eine von insgesamt vier 2-Minuten-Strafen für die Löwen das eigene Powerplay beendete, wurde Vlad Filin mit einem starken Pass allein auf die Reise gen Ilya Sharipov geschickt, doch Filin scheiterte mit seinem Move am Schlussmann des SCB (11.).

Erst im vierten Unterzahlspiel mussten sich die Löwen dem Bietigheimer Powerplay geschlagen geben. Mit einem starken Aufbaupass überspielten die Steelers die verteidigenden Stürmer, so dass die eigenen Vorderleute mit einer 3-zu-2-Situation ins Drittel der Löwen ziehen konnten. Zwei kurze Querpässe eröffneten eine Schussbahn für Matt McKnight, so dass dieser zur Führung für seine Steelers traf (18.).  

Doppelschlag der Löwen

Das zweite Drittel begannen die Löwen noch in einfacher Überzahl, als nach 51 Sekunden Rob Brown ebenfalls vom Eis musste, eröffnete sich die perfekte Gelegenheit zum Ausgleich – und die Löwen nutzten sie promt: C.J. Stretch, Tim Schüle und Wade MacLeod zogen die Unterzahlformation der Steelers auseinander, ehe MacLeod mit einer Direktabnahme nach Querpass von Tim Schüle Bietigheims Ilya Sharipov im Tor zum Ausgleich überwindet (22.). Sekunden vor Ablauf der Strafe für Brown kopieren die Löwen den Spielzug bei 5-gegen-4 ein zweites Mal und abermals schlägt MacLeods "Onetimer" im Tor der Steelers ein (23.).

Nach der Führung für die Löwen drückten im zweiten Drittel vor allem die Schiedsrichter der Partie ihren Stempel durch eine recht kleinliche Regelauslegung auf, so dass auch in einem eigentlich völlig fairen Drittel insgesamt 30 Strafminuten zu Buche schlugen. Die zahlreichen Unterbrechungen wirkten sich dabei deutlich auf den Rhythmus im Spiel beider Mannschaften aus, so dass die Partie erst wieder in den letzten fünf Minuten des zweiten Abschnitts zu dem temporeichen Spiel des ersten Drittels werden konnte.

Durch weiterhin starkes Defensiv- und Unterzahlspiel, in dem u.a. Max Gläßl mit einem ganz wichtigen Block eine hochkarätige Ausgleichschance der Steelers vereitelte (26.), gingen die Löwen mit der 2:1 Führung in den Schlussabschnitt.

Dort allerdings kostet sie der Doppelschlag der Steelers den Sieg.

Zunächst schien selbst der doppelte Rückschlag die charakterstarken Löwen nur wenig zu kratzen, denn Bietigheim durfte nur wenige Minuten vom Momentum zehren, ehe die Löwen das Spiel an sich rissen, um wieder einmal einen Rückstand zu egalisieren.

MacLeod, Stretch und Liesegang erarbeiteten ihrem Team dabei erste, gute Gelegenheiten, konnten Ilya Sharipov allerdings nicht überwinden. Zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, mitten in ihrer Drangphase, rund sechseinhalb Minuten vor Ende, bremste eine erneute Strafzeit den Vorwärtsbetrieb der Löwen.

Zwar überstanden die Löwen dieses Powerplay der Hausherren relativ problemlos, doch Bietigheim fand hierdurch denkbar leicht Entlastung aus den Klauen der Löwen und betonierte hierdurch den beim Doppelschlag zuvor gelegten Grundstein für den Erfolg am heutigen Abend. Den Löwen gelang auch mit einem sechsten Feldspieler und zum Schluss noch einmal 15 Sekunden Powerplay kein Ausgleichtreffer mehr.

Ausblick

Zum ersten Sonntagsheimspiel dieser Saison gastieren am 5.11. die Ravensburg Towerstars in der Eissporthalle. Spielbeginn ist, wie sonntags üblich, um 18,30 Uhr. Tickets gibt es wie immer im Löwen-Ticket-Shop. Alle Verhinderten können die Partie natürlich live über SpradeTV verfolgen.