Spielbericht

Outeverythinged!

Ein starkes Auswärtspiel inklusive eines Hattricks von Clark Breitkreuz bescheren den Löwen den zweiten 6:2 Erfolg gegen Freiburg und eine 2:0 Serienführung.

Trotz des auf dem Papier deutlichen Sieges im Auftaktspiel der Playoff-Viertelfinalserie wusste Löwen-Coach Paul Gardner, dass die Löwen in Freiburg vollkommen andere Wölfe erwarten würden. Und das lag nicht nur daran, dass der EHC mit Radek Duda wieder seinen etatmäßigen Top-Center zurück im Kader hatte.

Da im Eishockey bekanntlich dem Heimteam der letzte Wechsel gebührt, bot sich Wölfe-Trainer Leos Sulak die Möglichkeit ein noch effektiveres „Line-Matching“ zu betreiben, als ihm das bereits im Frankfurt gelang, wo seine Wölfe die Löwen zumindest knapp zwei Drittel lang durchaus beschäftigten.

Im Gegensatz zu den Wölfen, bei denen Dudas Rückkehr der Offensive, die nach der Hauptrunde den drittbesten Angriff der Liga stellte, qualitativ signifikant verbesserte, mussten die Löwen nach dem Wegfall von Dennis Reimer vor dem heutigen Spiel auch noch Christoph Gawlik ersetzten, der die Reise nach Südbaden nicht mitmachen konnte. Über die genaueren Hintergründe von Gawliks Ausfall wollte sich Sportdirektor Rich Chernomaz nicht näher äußern- eine in den Play-Offs typische „Tradition“ um den Gegner keine Hinweise auf mögliche Schwachstellen zu geben.

„Outcoached“
Im Spiel allerdings schien es fast, als würde Löwen-Coach Paul Gardner, obwohl ihm nun schon seine zweite, sehr gut funktionierende Sturmreihe gesprengt wurde, genau aus dieser Not eine Tugend machen.

Für den verletzten Gawlik rückte Eddy Rinke-Leitans zurück in die Aufstellung. Auf dem Papier sollte er Brett Breitkreuz‘ Position in der Reihe neben C.J. Stretch und Matt Pistilli einnehmen, welcher wiederum zu Richie Mueller und Patrick Jarrett in eine neue 1. Reihe gestellt wurde. Gegen diese Formation beorderte Leo Sulak die Topreihe der Wölfe um Radek Duda, Petr Haluza und Mark Wittfoth.

Brett Breitkreuz allerdings bestritt lediglich den Eröffnungsshift an der Seite von Jarrett und Mueller. Schon bei seinem nächsten Wechsel war er an seine zuletzt angestammten Position in der Topscoring-Line der Löwen und tat das, was er am besten kann: Aufräumen. In der 3. Minute war dies ein herumliegender Puck vor dem Tor, nachdem Joel Keussens Schuss aus spitzem Winkel von Marco Wölfl, dem Heim-Goalie der Wölfe, abgewehrt wurde. Noch bevor ein Freiburger Verteidiger den Puck lokalisierte, war Brett Breitkreuz zur Stelle und verwertete den Rebound über Wölfls rechte Schulter unter die Latte.

Mit dem direkt anschließenden Wechsel zahlte sich Paul Gardners „Reihen-Mixen“ ein weiteres Mal aus, denn Anstelle des auf dem Papier zu erwartenden „Big-Body“ an der Seite von Mueller und Jarrett (Breitkreuz oder Rinke-Leitans) wirbelte plötzlich der quirlige Roman Pfennings. Freiburgs Abwehr verlor sichtlich den Überblick, Aron Wagner verteidigte noch im Slot obwohl Pfennings sich in seinem Rücken längst davonstahl und dann frei für Mueller Querpass durch das komplette Drittel war. Obwohl sich Lukas Wölfl sofort nach rechts bewegte und die kurze Ecke eigentlich geschlossen hatte traf Pfennings mit einem perfekten Schuss exakt in den Winkel wo Freiburgs Goalie doch noch ein kleines Eck offen ließ (4.).

Somit stand es noch bevor sich Freiburg sich Mitte des ersten Drittels auf die tatsächlich agierenden Sturmreihen der Löwen eingestellt hatte, bereits 2:0.

„Outskated“
Ehe Brett Jaeger erstmals einen Schuss parieren musste, vergingen fünfeinhalb Minuten. Bis zur zweiten Drittelpause hatte er insgesamt nur deren 11 Schüsse zu halten, was vor allem daran lag, dass die Löwen die Freiburgen Offensivbewegungen höchst effektiv unterbanden.

Vor allem läuferisch waren die Löwen von Beginn an und letztlich über die kompletten 60 Minuten das bessere Team. Etliche Angriffe der Freiburger wurden von den Löwen durch strakes Positions und Laufspiel noch vor der eigenen Zone beendet. 

Doch der wahrscheinlich wichtigste Schlüssel zum Sieg lag am heutigen Abend im Zweikampfverhalten, auch und insbesondere an der Bande.

„Outworked“
Vor allem im Drittel der Freiburger gewannen die Löwen wesentlich mehr Zweikämpfe als ihr Gegner. Dadurch hielten sie die Wölfe nicht nur effektiv vom Löwen-Tor entfernt, sondern generierten auch mehrfach zweite, dritte und vierte Chancen.

Dass der EHC Freiburg bis zur 26. Minute immernoch im Spiel war, lag vor allem an EHC-Goalie Marco Wölfl, der nach den beiden frühen Gegentoren zu seinem Spiel fand. Schon im ersten Drittel parierte er mehrfach stark u.a. gegen den freien C.J. Stretch aus kurzer Distanz (6.), Richie Mueller im Powerplay (11.) sowie Clarke Breitkreuz im Nachschuss unmittelbar vor der Pause (20.) und verhinderte so, dass die Wölfe nicht mit 0:5 in die Kabine mussten.

„Outshot“
Bei zwei unglücklichen Szenen seiner Verteidiger war allerdings auch Wölfl machtlos: Als zunächst Aron Wagner bei einem Zweikampf im hohen Slot den Puck an Clarke Breitkreuz verlor und später Marton Vas beim Versuch zu klären über die Scheibe schlägt und den Puck C.J. Stretch perfekt auf die Kelle servierte. Beide Szenen ergaben freie Schüsse für die Löwen und beide Schüsse saßen (Breitkreuz, 27.; Stretch, 33.). Das 4:0 schien das Spiel entschieden zu haben.

Ein Puckverlust der Löwen beim Eintritt ins Offensivdrittel ermöglichte den Freiburgern allerdings noch im 2. Drittel den Anschlusstreffer durch Enrico Saccomani. Auch der durchaus flinke Lukas Laub konnte Saccomani bei seinem Break nicht halten und Saccomanis perfekter Abschluss brachte die Wölfe „aus dem Nichts“ auf die Anzeigentafel (37.).

Bei einem Schussverhältnis von 29-11 für die Löwen war dieses Gegentor zunächst allerdings eher als „Schönheitsfehler“ einzuordnen.

Doch die nun erweckten Geister der Wölfe befeuerte Leos Sulak in der letzten Pause offensichtlich noch einmal effektiv, so dass im dritten Drittel vollkommen verwandelte Wölfe auf dem Eis standen, die ihre scheinbar nicht mehr vorhandene Chance nutzen wollten.

Tatsächlich glückte Alexander Brückmann im Powerplay mit einem ordentlichen Pfund aus der Distanz gar der 2:4 Anschluss für Freiburg (46.).

Der Treffer nährte die Hoffnung weiter, vor allem auch bei den Freiburger Fans unter den 3.076 Zuschauern (inkl. rund 100 Fans der Löwen) in der Franz-Siegel-Halle und den Wölfen gelang es in den folgenden Minuten das zuvor sehr souveräne Spiel der Löwen etwas durcheinander zu wirbeln.

Während Enrico Saccomani auf der Strafbank weilte und eigentlich die Löwen im Powerplay agierten, waren es die Hausherren, für die sich zunächst zwei Chancen ergaben.

„Outhustled“
Doch wie erwachsen die Löwen mittlerweile sind, zeigten sie nur Sekunden später noch im selben Powerplay. Praktisch in Freiburgs bester Phase nutzte Clarke Breitkreuz seine Einschusschance, nachdem der Puck als Resultat eines halb geblockten/halb abgefälschten Schusses vor seiner Kelle landete und er dem inzwischen im Tor spielenden Lukas Mensator keine Abwehrchance ließ.

Die Entscheidung war damit gefallen. Auch wenn Matt Pistilli, Nils Liesegang und C.J. Stretch es rund drei Minuten vor dem Ende versäumten, mit einem Treffer ins leere Tor letzte Fragen zu beseitigen. Letztlich servierten sie damit nur Clarke Breitkreuz die Gelegenheit seinen Hattrick mit dem 6:2 zu komplettieren (60.).

So stand am Ende der zweite 6:2-Erfolg für die Löwen, die nun mit 2:0 in der Serie führen. Dass 50 % der notwendigen Siege aber noch nicht die halbe Miete bei der Qualifikation für die nächste Runde bedeuten, wusste bereits Rudi Völler.

„Outlook“
Am Sonntag, den 19.3. empfangen die Löwen die Wölfe zu Spiel 3 wieder in der Eissporthalle. Los geht es ausnahmsweise schon um 16.00 Uhr. Von daher: einfach das Kaffeekränzchen in die Eissporthalle verlegen und mit 7.000 Leuten zelebrieren!
Spiel 4 folgt dann am Dienstag (21.3.), erneut in Freiburg um 19.30 Uhr.

Tickets für die Heimspiele erhaltet Ihr wie immer im Löwen-Ticket-Shop. Außerdem überträgt SpradeTV die Partien natürlich live.

 

EHC Freiburg – Löwen Frankfurt 2:6 (0:2,1:2, 1:2)

Statistik

 

Löwen Frankfurt:

Torhüter: Brett Jaeger, Florian Proske

Verteidiger: Mike Card, Eric Stephan, Max Gläßl, Pawel Dronia, David Cespiva, Joel Keussen, Matt Tomassoni

Angreifer: Patrick Jarrett, C.J. Stretch, Ricco Ratajczyk, Roman Pfennings, Brett Breitkreuz, Matthew Pistilli, Richard Mueller, Clarke Breitkreuz, Eddy Rinke-Leitans, Lukas Laub, Nils Liesegang

Trainer: Paul Gardner