Spielbericht

Overtime ohne Happy End: Löwen müssen sich in Bietigheim geschlagen geben

Löwen verpassen trotz dreifacher Führung Erfolg beim Meister im ersten von drei aufeinanderfolgenden Auswärtsspielen.

Bietigheim (DJ) –Intensiv, temporeich und kampfbetont - eben ein typisches Duell Löwen gegen Steelers, welches die 3.004 Zuschauer in der EgeTrans Arena in Bietigheim am 39. Spieltag der DEL2-Saison 2018/2019 erlebt haben. Am Ende hatten die Hausherren das bessere Ende für sich. Die Löwen mussten sich trotz einer dreimaligen Ein-Tore-Führung mit 3:4 (1:1, 2:2, 0:0, 0:1) nach Verlängerung geschlagen geben.

Im ersten von drei Auswärtsspielen innerhalb von sechs Tagen sorgten Tore von Mike Fischer, Brett Breitkreuz und Carter Proft für den Punktgewinn der Löwen.

Spitzenspiel von Anfang bis Ende

Kaum war der Puck im Spiel, entwickelte sich eine von beiden Seiten hochklassig geführte Partie mit ordentlichem Tempo. Und schon mit dem zweiten Wechsel kamen die Löwen zu ihrer ersten Gelegenheit: Nach einer Rücklage von Lukas Koziol zog Breitkreuz aus dem Slot ab, scheiterte jedoch an Bietigheims Goalie Ilya Sharipov (1.).

Im Tor kam es zum Duell der beiden Ilyas, denn auf Seiten der Löwen stand erneut Ilya Andryukhov zwischen den Pfosten. Dessen erste starke Parade entstammte einer ganz ähnlichen Situation, wie die beschriebene Gelegenheit von Breitkreuz, denn Matt McKnight kam in der 4. Minute ebenfalls offen im Slot zum Abschluss, aber Andryukhov war perfekt positioniert um den Schuss zu blocken.

Die beiden ähnlichen Szenen zur Eröffnung waren aber nur ein Vorgeschmack auf eine Reihe von Parallelen, die das Spiel bis in die Overtime zu einem völlig offenen und ausgeglichenen Spitzenspiel machten.

Schlag auf Schlag

Der nächste Schlagabtausch folgte nach 13 Spielminuten: Da markierte zunächst Fischer das 1:0 mit einem Abstauber aus dem Slot. Die Löwen machten den Steelers das Klären der Zone schwierig und hatten dann etwas Glück, als der Puck über Kufen und Kellen in den Slot flipperte, wo Fischer lauerte und zur Führung traf (13.).

Doch Bietigheims Antwort folgte im wahrsten Sinne des Wortes unmittelbar. Nach dem gewonnenen Wiederanspiel fand Willie Corrin den durchstartenden McKnight mit einem langen Pass durch die neutrale Zone. Dabei profitierte McKnight davon, dass Frankfurts Abwehrspieler etwas zu weit auseinanderstanden und ihn so in der Schnittstelle nicht abfangen konnten. Bietigheims Topscorer nutzte die Lücke und traf nur sieben Sekunden nach dem Rückstand zum direkten Ausgleich (14.).

„Unser gesamtes 1. Drittel war nicht gut, wir hatten zu wenig Zugriff, Bietigheim war besser“, empfand Löwen-Head Coach Matti Tiilikainen nach dem Spiel. Tiilikainen dürfte hierbei aber vor allem die Offensive im Kopf gehabt haben, denn in der Verteidigung verhinderten körperlich präsente Löwen Bietigheimer Großchancen.  

Zufriedener war Tiilikainen mit dem 2. und 3. Drittel, mit Ausnahme des Powerplays. Zweimal durften die Löwen in Überzahl agieren, beide Male klappte es nicht mit einem Tor. Die erste 5-gegen-4-Sequenz hatten die Löwen ab Minute 29, als Shawn Weller auf der Strafbank saß.  Nachdem Weller an der Bande Proft zu Boden checkte, schnappte sich Max Faber Bietigheims „Barbarossa“. Den kurzen Fight bezahlte Weller mit einem ordentlichen Cut über dem linken Auge und zwei zusätzlichen Strafminuten.

Zwar verpassten die Löwen im Powerplay ihren zweiten Treffer, doch verlagerten sie das Spiel nun und auch nach Ablauf der Strafe verstärkt in das Drittel der Steelers. Zuvor dominierten vor allem beide Verteidigungsreihen das Spiel im 2. Drittel, die dem jeweils angreifenden Team außer Distanzschüssen keine hochwertigen Gelegenheiten erlaubten. Ausnahme war - wieder einmal - eine Doppelchance auf beiden Seiten, doch weder Mick Köhler im Nachschuss noch Alex Preibisch aus dem Slot (beide 25.) fanden das Tornetz.

Firestarter

Die kleine Fight-Szene von Faber und Weller wirkte dann wie der Schuss Spiritus in das bis dahin kontrolliert brennende Feuer. Bei beiden Team übernahmen nun die Offensivreihen die Initiative und wieder schlugen die Löwen zuerst zu. Matt Pistilli tankte sich trotz Bewachung hinter dem Tor vorbei, seine Ablage in den Slot fand präzise die Kelle von Breitkreuz, der mit einem schnellen Schuss das 2:1 für die Löwen markierte (32.).

Nur eine Minute nach der erneuten Führung durften allerdings die Steelers in Überzahl agieren und den ersten Beweis antreten, warum ihr Coach Hugo Boisvert nach der Partie die Special Teams als spielentscheidend beschrieb. Über eine Minute erlaubten die Löwen ihrem Gegner keinen gefährlichen Abschluss, dann fand erneut Corrin mit einem starken Querpass durchs gesamte Drittel Dennis Swinnen rechts des Tores. An Swinnens Direktabnahme kam Andryukhov nur noch mit der Spitze des Fanghandschuhs, von wo aus die Scheibe ins Tor ging (35.).

Doch auch nach dem 2:2 war noch genug Zeit im Spielabschnitt für einen weiteren Schlagabtausch - und abermals legten die Löwen vor. Adam Mitchell klaute Nicolai Goc im Spielaufbau die Scheibe, passte zu Proft, der sich Sharipov ausguckte und dann eiskalt in den kurzen Winkel verwandelte (36.).

Sieben Sekunden waren es beim 1:1, 23 Sekunden dauerte es diesmal, ehe auch Benjamin Zientek den Puck im Spielaufbau abfing und mit einem schnellen Schuss direkt aufs Tor brachte. Marius Erk scheitere mit seinem Versuch die Scheibe zu blocken und verdeckte unglücklicherweise auch noch Andryukhov die Sicht ein wenig, so dass der den Puck erst sah, als er an ihm vorbeizischte.

Ein Spiel zum Nägelkauen

Nach dem spektakulären 2. Drittel ließen es beide Mannschaften im Schlussabschnitt etwas ruhiger angehen. Eine Strafe gegen Preibisch ermöglichte den Löwen früh ein zweites Powerplay, welches diese aber erneut nicht zu einem Treffer nutzen konnten.  

Aber auch Bietigheim ließ die Möglichkeit aus erstmals in Führung zu gehen. Einen schnellen Gegenzug in der 48. Minute spielten die Steelers gegen die zurückgeeilte Löwen-Verteidigung geschickt aus und letztlich kommt Marcus Sommerfeld im linken Bullykreis zum Abschluss. Doch mit dem offenen Tor vor Augen semmelte Sommerfeld mehr über die Scheibe, als dass er sie traf, so dass die praktisch sichere Führung nicht viel.

Auch in einem nachfolgenden Bietigheimer Powerplay fiel das 4:3 nicht, was aber weniger auf Glück als auf das starke und aggressive Penalty-Killing der Löwen zurückzuführen war. Diese hatten dann ihrerseits zwei Unterzahl-Konter, wobei bei einer Aktion Mitchell allein aufs gegnerische Tor zulief und dann deutlich gefoult wurde. Auf einen Pfiff warteten die mitgereisten Löwen-Anhänger aber vergebens.

Durch das Powerplay spielten sich die Steelers in den verbleibenden Minuten aber verstärkt in den Angriffsmodus und hatten in den letzten Minuten mehr offensive Spielanteile. Doch die Verteidigung der Löwen verhinderte zwingende Gelegenheiten und einen möglichen Rückstand. In der letzten Minute nahmen die Löwen das Tor der Steelers noch einmal selbst massiv unter Beschuss, aber auch Ihnen wollte kein Lucky-Punch zum Drei-Punkte-Sieg gelingen.

Im ersten Wechsel der Overtime hatten die Löwen den Knock-Out dafür gleich dreifach auf der Kelle; doch Pistilli, Tim Schüle und Koziol scheiterten nacheinander an Sharipov. Als auf der Gegenseite dann Breitkreuz eine Strafe kassierte und den Steelers ein 4-gegen-3-Powerplay ermöglichte, war es McKnight, der mit seinem zweiten Treffer des Tages das Spiel für die Hausherren entschied.

Ausblick

Schon am Dienstag geht es für die Löwen in Kassel weiter (Spielbeginn 19:30 Uhr), ehe sie am Freitag nach Kaufbeuren reisen (Spielbeginn ebenfalls 19:30 Uhr). Beide Spiele überträgt SpradeTV live.
Zum nächsten Heimspiel empfangen die Löwen am Sonntag, den 27. Januar, die Eispiraten Crimmitschau. Spielbeginn ist am Family Day bereits um 16:00 Uhr. Die Tickets für die Partie gibt es natürlich im Löwen-Ticket-Shop.

 

Bietigheim Steelers – Löwen Frankfurt 4:3 n.V. (1:1, 2:2, 0:0, 1:0)

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