Spielbericht

Tiger kratzen Löwen im Raubkatzenduell

60 Minuten lang arbeiten die Löwen gegen Bayreuth für einen Sieg, unterliegen am Ende aber mit 3:4.

Frankfurt (DJ) – In den vergangenen Tagen war die Welt in Frankfurt in bester Ordnung. Doch am 38. Spieltag der DEL2-Saison 2018/2019 gelang es den Hessen nicht, den Erfolg des Ravensburg-Spiels vom vergangenen Sonntag zu bestätigen. Trotz einer starken kämpferischen Leistung mussten sich die Löwen gegen clevere und effektivere Bayreuth Tigers vor 4.528 Zuschauern in der Frankfurter Eissporthalle mit 3:4 (0:1, 1:1, 2:2) geschlagen geben. Dalton Yorke, Antti Kerälä und Carter Proft trafen für die Frankfurter.

Trifft der Spitzenreiter auf den Tabellenzwölften, sollten die Rollen eigentlich klar verteilt sein. So, oder ähnlich begann schon so mancher Spielbericht über Partien ähnlich dem Raubkatzenduell zwischen Löwen und Tigers, nur um in der Folge dann gerne eine beinahe wundersam starke Leistung des vermeintlichen „Underdogs“ zu beschreiben. Gerne würde an dieser Stelle eine andere Richtung eingeschlagen, aber das Beschriebene trifft (aus Löwen-Sicht) leider auch auf das Spiel vom Freitagabend in der Frankfurter Eissporthalle zu.

Tigers effektiv

Und schon im 1. Drittel begannen die Bayreuth Tigers diese Geschichte zu schreiben, denn nach 20 Minuten führten sie mit 1:0. Benjamin Kronawitter hatte die Gäste in der 6. Minute in Führung gebracht, nachdem er den Puck in der neutralen Zone abgefangen und seinen Konter erfolgreich zum 1:0 abgeschlossen hatte. Knapp drei Minuten später hatte Bayreuths Topscorer Ville Järveläinen gar das 2:0 auf dem Schläger, sein Handgelenksschuss traf allerdings die Latte.

Mit einem Treffer des nur 1,65 m großen Finnen hätte man schon an dieser Stelle die immer wieder gern verwurstete Metapher von David und Goliath aufbieten können, um dem Spielverlauf bildlich passend zu untermalen. Denn die Partie verlief - sozusagen erwartungsgemäß - vorwiegend im Drittel der Bayreuther. Wobei die Verteidigung der Tigers einen äußerst guten Job machte und die Löwen im 1. Drittel bei nur 12 Schüssen auf das von Brett Jaeger gehütete Tor hielt.

Löwen noch ohne Durchschlagskraft

Betrieb vor dem Kasten des Ex-Löwen und ehemaligen Meister-Goalie entstand vor allem bei Wechseln der zweiten Reihe von Lukas Koziol, zusammen mit Brett Breitkreuz und Matt Pistilli, der nach überstandener Verletzung zurück in seine Stammformation kehrte.

Eine erste Duftmarke setzte das Trio bereits in der 2. Minute, als Breitkreuz seinen Namensvetter Jaeger im Tigers-Tor mit viel Körperkontakt begrüßte. In der 12. Minute folgte eine Doppelchance für Breitkreuz und Pistilli, letzterer hatte auch wenige Minuten vor der ersten Pause noch eine Gelegenheit zum Ausgleich.

Doch im Gegensatz zum ersten Aufeinandertreffen zwischen beiden Teams in dieser Saison, bei dem die Löwen ebenfalls zuerst mit 0:1 in Rückstand gerieten, nur um dann noch ein 10:4 Kantersieg zu feiern, konservierte Bayreuth heute die Führung.

In Anbetracht der letzten Resultate hätten die Löwen dabei durchaus gewarnt sein können, denn vor allem gegen die Topteams der Liga trumpfte Bayreuth zuletzt groß auf. So gewannen die Tigers um den Jahreswechsel zunächst gegen Kaufbeuren, dann gegen Ravensburg und schließlich auch Weißwasser.

Offensive Tigers?!

Ermutigt, vielleicht garein wenig „berauscht“ von der eigenen Führung, begannen mutige Tigers mit Beginn des 2. Drittels gar ihre Defensiv- und Kontertaktik, zumindest phasenweise, ein wenig abzulegen und eigene Offensivzonenwechsel zu generieren.

In Anbetracht der statistisch besten Abwehr der Liga und der eigenen Kombinationstärke war dies für die Löwen grundsätzlich gar nicht nur negativ, bestand doch gleichzeitig Aussicht auf etwas mehr Spielraum für die eigene Offensive. Doch diese Hoffnung wurde rasch gedämpft, da Bayreuth in Person von Nicklas Mannes auf 2:0 (28.) erhöhte. Auf Vorlage von Järveläinen traf der Verteidiger mit seinem Handgelenksschuss, bei dem Dan Spang und Max Faber Löwen-Goalie Ilya Andryukhov auch noch die Sicht erschwerten.

Löwen erwachen

Mit dem 2:0 wachte dann aber auch Goliath auf. Noch in derselben Spielminute lieferte ein Foul von Kronawitter und ein daraus resultierende Penalty den Löwen die perfekte Chance zum unmittelbaren Anschluss. Doch Breitkreuz scheiterte mit seinem Versuch an Jaeger (28.).

Dennoch blieben die Hausherren am Drücker und schnürten Bayreuth fortan in deren Zone ein. Bei Marius Erks Ablage in den Slot konnten die Tigers noch einen Abschluss verhindern (30.), beim nächsten Wechsel der Koziol-Reihe brannte es aber schon ziemlich im Tigers-Slot (32.).

Der längst überfällige Treffer für die Löwen blieb dann allerdings einem Akteur vorbehalten, der in dieser Hinsicht noch nie in Szene trat und dem es genau deswegen die gesamte Halle umso mehr gönnte: Yorke traf mit einem eigentlich harmlos aussehenden Handgelenksschuss aus der Distanz (33.). Da wie zuvor in der anderen Zone die eigenen Verteidiger dem Goalie die Sicht verdeckten, segelte Yorkes Schuss vorbei an Freund und Feind zum 1:2 in die Maschen.

Yorkes Anschluss injizierte der Halle und dem Team unmittelbare Energie. Nur knapp scheitere Mathieu Tousignant aus kurzer Distanz an Jaeger (35.), der auch gegen Eddie Lewandowski und Proft parierte (36.). Eine Strafe gegen Faber (39.) unterbrach den Offensivdruck der Löwen dann aber bis zur zweiten Pause und ebnete den Weg zum Showdown im Schlussdrittel.

In diesem agierten die Löwen nach überstandener Strafe natürlich sofort wieder offensiv drückend, doch ließen sie vor allem in dieser Phase „den Goalie des Gegner zu oft zu gut aussehen“, wie es Matti Tiilikainen nach dem Spiel bemägelte. Was der Head-Coach der Löwen meinte: Die Abschlüsse der Löwen von Faber (42. und 44.), Pistilli (45.), Spang (46.) und Tim Schüle (47.) kamen oft aus der Distanz und mit zu wenig Verkehr vor dem Tor hatte Jaeger kaum Probleme die Schüsse zu entschärfen.

Aller guten Dinge sind Vier

Als die Löwen mit ihrer vierten Strafe erneut den eigenen Offensivschwung unterbrachen, bedankten sich die Tigers eiskalt. Von Simon Karlsson in den Lauf bedient, schnitt Jusso Rajala perfekt durch den Raum zwischen Leon Hüttl und Faber und traf mit dem dritten Schuss der Tigers im Schlussdrittel zum 3:1 (51.).

Auf den Rängen war der Gegentreffer ein Stimmungskiller, auf dem Eis antworteten die Löwen mit weiteren Angriffen und erzwangen ein zweites Powerplay. 100 Sekunden lang schien aber auch die Überzahl den Löwen wenig zu helfen, dann fand Koziol seinen Gegenüber Kerälä mit einem feinen Querpass und der Finne zimmerte die Scheibe per One-Timer zum 2:3 ins Netz (53.).

Den Ausgleich abermals vor Augen peitschten die über 4.500 Zuschauer ihre Löwen in Richtung des 3:3. Bayreuth besann sich indes wieder auf das Erfolgsrezept aus dem 1. Drittel, verteidigte dicht, konterte gefährlich – und kam bei einem Drei-auf-Zwei-Gegenzug durch Mark Heatley zum 4:2 (57.).

Allerspätestens jetzt hatten die Löwen nichts mehr zu verlieren und so intensivierten sie noch ein weiteres Mal ihren Offensivdruck. Jaeger entnervten sie damit schnell und Bayreuths Goalie schenkte den Löwen „dank“ eines Stockschlages gegen Breitkreuz ein weiteres Powerplay.

Die Coaches der Löwen beorderten daraufhin Andryukhov vom Eis und setzten beim 6-gegen-4-Powerplay alles auf eine Karte. Unaufhaltsam tickte die in Richtung nach unten, dann fand Kerälä den im Slot lauernden Proft zum abermaligen Anschluss (58.). Zu mehr jedoch sollte es für die Löwen nicht mehr reichen, so dass in der Geschichte von David gegen Goliath auch dieses Mal kein neues Narrativ geschrieben wird.

Ausblick

Weiter geht es für die Löwen mit drei Auswärtspielen in Folge, in denen sie in Bietigheim (Sonntag, 20.1. Spielbeginn 17:00 Uhr), Kassel (Di, 22.1.) und Kaufbeuren (Fr., 25.1.) antreten müssen. Ihr nächstes Heimspiel bestreiten sie am Sonntag, den 27. Januar gegen die Eispiraten Crimmitschau. Spielbeginn ist dann bereits um 16:00 Uhr. Tickets für diese Partie gibt es bereits im Löwen-Ticket-Shop. SpradeTV überträgt zudem alle Spiele live.

 

Löwen Frankfurt – Bayreuth Tigers 3:4 (0:1, 1:1, 2:2)

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