Spielbericht

Unterlegen in Unterzahl

Die Löwen Frankfurt unterliegen mit 3:6 beim SC Riessersee und rutschen damit auf den dritten Tabellenplatz ab.

Garmisch Patenkirchen (DJ) - So bitter die Niederlage am Freitag war, zumindest in einer Hinsicht schien es einen kleinen Lichtblick zu geben: Den Strafminuten. Nur drei kleine Strafen, kein Gegentor in Unterzahl- das gibt es aktuell (zu) selten bei den Löwen, die sich so bisweilen um mögliche Früchte ihrer Arbeit auf dem Eis bringen.

Bester Beleg hierfür: das zweite Drittel am heutigen Abend beim Spiel gegen den SC Riessersee. Zwischen der 28. und der 40. Minute nahmen die Löwen vier kleine Strafen und brachten sich beim Zwischenstand von 2:1 und zuvor noch recht ausgeglichenen Spielanteilen -u.a. auch da die Löwen im ersten Drittel keine Strafe nahmen- damit entscheidend ins Hintertreffen.

Mit engagiertem Penalty-Killing und einem wieder einmal starken Brett Jaeger überstanden die Löwen die erste Strafzeit noch unbeschadet. Ohne Topscorer Richie Mueller und Lubor Dibelka angetreten, war es beim SC Riessersee heute dann die Formation um Julian Eichinger und die beiden Andis Driendl und Eder, die in Überzahl zuschlug: Zunächst erhöhte Eichinger mit einem satten Schuss durch den Verkehr vor dem Tor auf 3:1 (35.), 15 Sekunden vor Ende des Mitteldrittels traf dann Andreas Eder noch zum 4:1.

Ratsweg Bullies

Ganze 210 Mal mussten die Löwen in den bisherigen 33 Saisonspielen schon in Unterzahl agieren, während der Rest der Liga im Durchschnitt nur 137 Mal (zwischen 110 und 156 Situationen) mit (mind.) einem Mann weniger auf dem Eis agierte. Entsprechend führen die Löwen die Strafminutentabelle mit insgesamt 629 Minuten auf deutlich vor ihrem ärgsten Verfolger Heilbronn (491 min) an.

Ihre Spitzenposition gründen die Löwen dabei nicht auf besonders viele große Strafen sondern vor allem auf 2-Minuten-Hinausstellungen. 227-mal kassierten die Löwen in den bisherigen Partien eine kleine Strafe, was rund 7 Strafen pro Spiel entspricht. Die übrigen Teams begnügen sich mit 124-163 kleinen Strafen (Durchschnitt 147), so dass sie in jeder Partie nur rund fünfmal in Unterzahl agieren müssen.

Nun ist das physische Element natürlich ein wichtiger Teil und auch eine Stärke im Spiel der Löwen mit der sie (bis zu einem gewissen Grad) so manchen Gegner beeindruckten und auch mürbe spielten, die eigenen Strafzeiten fordern aber auch immer wieder ihren Tribut. Wie im zweiten Drittel heute Abend gesehen, kosten sie mindestens das Momentum und nicht selten eben auch die beschriebenen Gegentore.

Mit der heutigen Partie kassierten die Löwen 43 Treffer in Unterzahl, was praktisch der Anzahl ihrer geschossenen Powerplaytore (42) entspricht. Mit anderen Worten: die Löwen benötigen das beste Powerplay der Liga (Quote: 28 %) um ihre Unterzahlstatistik zu kompensieren. Greift das Powerplay nicht oder versteht es der Gegner den Löwen so wenig Gelegenheiten in Überzahl zu geben wie der SC Riessersee heute (nur je eine Strafe im ersten und dritten Drittel), tun sich die Löwen entsprechend schwer ein Spiel für sich zu entscheiden.

Noch schwieriger wird es dann natürlich, wenn den Löwen wichtige Spieler im Kader fehlen. Wie schon in den Partien zuvor musste Löwen-Coach Paul Gardner auch heute auf Nils Liesegang und Eric Valentin verzichten. Dazu kamen außerdem Verteidiger Pawel Dronia (Unterkörperverletzung) und Vladislav Filin (Knie).

Erneut guter Beginn

Dennoch erwischten die Löwen einen guten Start in die Partie, auch weil das Spitzenspiel hielt was es versprach und mit viel Tempo, Zweikämpfen und Körperkontakt ganz nach dem Geschmack der Löwen begann. Erste spielerische Vorteile im Sinne längerer Wechsel in des Gegners Offensivzone ergaben sich für Paul Gardners Team begünstigt durch eine Strafzeit gegen Jared Gomes (4.).

Und so gingen die Löwen auch in Führung: Auch wenn Gomes bereits wieder auf dem Eis war, hielten die Löwen den Puck im Angriff und Riessersee war mit fünf Feldspielern noch nicht wieder vollständig sortiert. Für Dominik Tiffels ergab sich dadurch nach einem Puckgewinn an der Half-boards von Matt Pistilli viel Platz, den er perfekt nutzte um in den Slot zu ziehen und SCR-Goalie Kevin Reich die Scheibe durch die Beine ins Netz zu legen. Sechs Minuten lang waren die Löwen Nutznießer des intensiven Spielstils.

Riessersees Comeback

Doch mit dem Selbstvertrauen von 9 Siegen aus 10 Spielen innerhalb des letzten Monats benötigte der SC Riessersee nur gut eine Spielminute um die Partie auszugleichen. Felix Thomas verzögerte seinen Schlagschuss von der blauen Linie kurzzeitig, um etwas Verkehr in der Schussbahn zu haben und mit den erschwerten Sichtbedingungen passierte der Puck auch die Fanghand von Brett Jaeger (7.).

Jaeger hatte im Wechsel zuvor schon in höchster Not gegen Andreas Driendl gerettet, der alleine vor dem Löwen-Goalie auftauchte, doch Jaegers Stellungsspiel und ein starker Reflex retteten da noch die Führung der Löwen. Auch Andreas Eder scheiterte in der 17. Minute aus kürzester Distanz am brilliant reagierenden Jaeger.

Eine Minute später allerdings war auch Jaeger machtlos als Maximilian Daubner den Puck hinter dem Tor der Löwen gewann, zu Jared Gomes in den linken Bullykreis passte und der wiederum mit einem Querpass Valentin Gschmeißner bediente, welcher die Scheibe nur noch ins offene Tor zur 2:1-Führung bugsieren musste (18.).

Verpasster Ausgleich

In einer ähnlichen Sequenz vor dem Riesserseer Tor scheiterte der eingerückte Dalton Yorke nach Pass von Matt Pistilli Sekunden vor der ersten Pause an Kevin Reich. In der 25. Minute brachte den Löwen ein Fehler von Felix Thomas im eigenen Drittel eine weitere dicke Chance zum Ausgleich, doch als Clarke Breitkreuz den springenden Puck trotz freier Position zentral vor dem Tor nicht so platzieren konnte wie gewollt, schien es fast, als wäre den Löwen immernoch die Seuche vom Freitag am Schläger.

Als die Löwen dann in ihre Unterzahlprobleme gerieten und Riessersee auf bis zur zweiten Pause auf 4:1 erhöhten konnte, war die Grube, aus der sich die Löwen im Schlussdrittel ziehen mussten, wie schon am Freitag sehr tief. Erstrecht, nachdem Stephan Wilhelm gar noch auch 5:1 erhöhte (47.).

Verkürztes Comeback

Doch wie schon gegen Crimmitschau zeigten die Löwen Charakter und gaben sich nicht kampflos geschlagen. Ein Puckgewinn von C.J. Stretch im Angriff und ein perfekt im linken oberen Eck platzierter Handgelenksschuss brachte den Löwen ihren zweiten Treffer (54.). Als Matt Pistilli nur 13 Sekunden später zum 3:5 verkürzte, waren die Löwen plötzlich noch einmal im Spiel. Tim Schüle fand Pistilli mit einem perfekten Pass durch die neutrale Zone an der blauen Linie wartend und Pistilli lies Reich mit einem eiskalten flachen Abschluss keine Abwehrchance (54.).

Doch auch wenn die Löwen bis zum Ende Druck machten und alles versuchten um die Partie noch auszugleichen, gelang ihnen kein weiterer Treffer mehr. Mit der Schlusssirene traf Matthias Beck nur noch ins leere Löwen-Tor zum 6:3-Endstand (60.).

Ausblick

Am kommenden Wochenende warten unangenehme Spiele auf die Löwen: Am Freitag (12.1.) empfangen sie zunächst den ESV Kaufbeuren in der Eissporthalle. Spielbeginn ist um 19.30 Uhr, Tickets gibt es im Löwen-Ticket-Shop. Am Sonntag, den 14.1. reisen die Löwen dann ins Breisgau zu den Freiburger Wölfen. Die Partie in der kuscheligen Franz-Siegel-Halle beginnt um 18:30 Uhr und kann, wie auch das Heimspiel, auf SpradeTV verfolgt werden.

 

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