„Druck ist ein Privileg“: Citywalk mit Adam Scheel

Der 27-Jährige kommt nach dem Training mit einem Lächeln auf uns zu. Er freut sich auf die kleine Stadtbegehung, die wir mit ihm vereinbart haben. Los geht es mit einem Gang durch die Frankfurter Kleinmarkthalle. Vorbei an der langen Schlange vor dem Wurststand von Frau Schreiber. „Davon habe ich schon im Internet gelesen“, berichtet Scheel, der neugierig die vielen Stände betrachtet. Am Obststand fallen ihm die roten Johannisbeeren ins Auge. „Die kenne ich vom Schnitzel“, das er am liebsten mit Jägersoße isst. Die Frankfurter Grüne Soße konnte er auch schon probieren.
Scheel ist erst seit gut zwei Wochen in Frankfurt. Viel gesehen hat er von der Stadt noch nicht. Überhaupt ist es ist für ihn das erste Mal in Deutschland. „Die Stadt und die Mannschaft machen es mir leicht“, sagt er. Frankfurt sei eine sehr internationale Stadt. „Bei mir im Viertel höre ich so viel Englisch wie Deutsch.“ Der Kulturschock, den er bei seiner letzten Station in Kasachstan erlebte, blieb in Frankfurt aus. Während wir durch die Häuserschluchten der Frankfurter Skyline laufen, fühlt es sich sehr nordamerikanisch an.
Nach der Kleinmarkthalle laufen wir an der Paulskirche vorbei. Er zeigt sich interessiert an der Geschichte, die hier und etwas weiter auch auf dem Römerberg zu spüren ist. Dass der Balkon des Frankfurter Rathauses gerne für Meisterfeierlichkeiten genutzt wird, gefällt ihm: „Das ist cool.“ Seine Reaktion zeigt, wie er sich kurz selbst sieht, dort oben. „Eine Championship habe ich noch nicht erlebt. Einmal war ich kurz davor, leider haben wir das Finale verloren. Eine Meisterschaft will ich unbedingt einmal erleben.“
Scheel ist in einer kleinen Stadt – Lakewood, Ohio – vor den Toren von Cleveland geboren. In jungen Jahren zog seine Familie mit ihm nach Chicago. Dort begann er mit Eishockey, wurde kurzzeitig zu einem Blackhawks-Fan und landete recht früh im Tor. In unserem Gespräch kommt die Frage auf, ob er als Goalie schon mal ein Tor geschossen habe. Wieder lacht er und verneint: „Das ist immer ein bisschen im Hinterkopf, wenn der Gegner seinen Torwart gezogen hat. Bisher hatte ich einmal die Gelegenheit, habe mich dann aber gegen das Risiko entschieden.“
Später ziehen seine Eltern wieder zurück nach Cleveland, das er heute nach wie vor als Heimat bezeichnet. Das zeigt auch seine Liebe zu dem Football-Team der Cleveland Browns, auch wenn seine Basis im Sommer mittlerweile in Minneapolis ist. Hierher kehrt er im Sommer immer zurück: „Ich liebe die Natur und die vielen Seen nördlich der Stadt. Hier verbringe ich viel Zeit mit meinen Freunden.“
Mit 17 Jahren wechselte Scheel von den Cleveland Barons (U16) ins US National Team Development Program, für das er zwei Jahre spielte. In dieser Zeit gewann er auch U18-WM-Gold. An der University of North Dakota empfahl er sich für einen Vertrag bei den Dallas Stars. Ein NHL-Einsatz glückte ihm nicht, dafür setzte er sich in der AHL durch – zunächst für die Texas Stars, später in Chicago und Colorado.
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Unsere Tour hat uns in die Frankfurter Altstadt geführt. „Ist hier der Weihnachtsmarkt“, will Scheel wissen. Seine Freundin wird später im Jahr aus den USA anreisen und ihn besuchen. Schnell ist geklärt: das wird mit dem Weihnachtsmarkt zeitlich nicht ganz passen. Er fragt nach sehenswerten Altstädten, die er mit ihr stattdessen besuchen könnte.
Scheel spielte in der vergangenen Saison für Barys Astana. Es war seine erste Station außerhalb Nordamerikas. In der KHL kam er 32-mal zum Einsatz. „Die Strecken dort sind extrem. Man muss mindestens zwei Stunden im Flugzeug sitzen, um zu einem Auswärtsspiel zu kommen.“ Dass die Spielorte in der PENNY DEL näher zusammen liegen, weiß er aus Gesprächen mit DEL-Spielern, die er bereits kennt. So steht er nun im BUNCA Coffee Shop mitten im Frankfurter Bankenviertel und trinkt einen Flat White.
Von Frankfurt hat er hat sich vorher viele Videos auf YouTube angeschaut. „Es gibt Videos, in denen Menschen mit Kameras ihren Spaziergang durch die Stadt aufzeichnen. Ich kenne sie alle“, scherzt Scheel. „Natürlich habe ich mir auch die Highlights der Löwen angeschaut. Die Fans machen eine tolle Stimmung. Ich freue mich schon sehr, vor ihnen zu spielen.“ Und wie sieht es mit einem Tänzchen nach einem Heimsieg aus? „Ich bin kein großer Tänzer, aber mit einem Sieg und der Unterstützung der Fans fällt es mir bestimmt leichter.“
Kurz vor unserem Abschied sprechen wir noch über Druck von außen: „Meine Position als Goalie ist auf Druck aufgebaut. Viele schauen auf den Torwart. Druck ist ein Privileg“, findet Scheel. Diese Antwort unterstreicht unseren Eindruck von einem klaren Charakter, der in der kommenden Saison den Löwen-Kasten sauber halten will.



