Punktgewinn in Mannheim: Löwen ärgern die Adler

Mannheim – In einen Derby geht es nie „um nichts“. Auch wenn am 48. Spieltag der laufenden PENNY DEL-Saison für ein Team, wie heute den Löwen Frankfurt, Tabellenpunkte nur kosmetische Effekte haben mögen. Dass es für die Adler Mannheim auf der Gegenseite aktuell um jeden Zähler geht, merkten die 12.121 Zuschauer in der SAP-Arena allerdings auch nur gut 45 Minuten. In der verbleibenden Zeit belohnten sich die Löwen für einen charakterstarken Auftritt beim (vor der Partie) Tabellenzweiten, der sie trotz aller Feldvorteile nicht vorzeitig besiegen konnte. Cam Brace hielt die Löwen mit zwei Treffern im Spiel, ehe Dennis Lobachs Ausgleich Frankfurt einen Punkt sicherte. Mirko Pantkowski verbuchte 28 Saves.
David gegen Goliath, nächste Runde
Von Beginn an stand das Derby unter ungleichen Vorzeichen. Und das nicht nur, weil tabellarische Welten zwischen beiden Teams lagen, sondern auch, weil bei den Löwen eine komplette Sturmreihe ausfiel: Ty Glover (gesperrt), Eric Uba und Matt Wedman (beide verletzt) konnten nur zusehen, wie die Löwen vor allem offensiv den Adlern lange wenig entgegenzusetzen hatten: drei Torschüsse bis zur Spielmitte ließen wenig Raum für Fragen, weshalb die Adler zu diesem Zeitpunkt mit 2:0 führten.
Aber die Löwen waren nicht in die SAP Arena gekommen, um Mannheim zur Play-Off-Teilnahme zu gratulieren. Und mit dem fünften Torschuss der Löwen stand es urplötzlich dann nur noch 2:1. Nachdem Adler-Goalie Johan Mattsson den vierten Schuss, einen gefährlich verdeckten Schlenzer von Chris Wilkie, auf seinen Kasten aus der Distanz nicht festmachen konnte, bedankte sich der am linken Pfosten stehende Cam Brace für den Rebound, den er zum Anschlusstreffer über die Linie drückte (29.).
Eine Strafe gegen Matthias Plachta brachte den Löwen in Überzahl (35.) die Chance auf den Ausgleich- doch das in der letzten Zeit verbesserte Powerplay leidet aktuell unter Ladehemmungen. So blieb auch dieses nunmehr neunte PP in Serie ungenutzt.
Mannheims Block im Löwendrittel
Im Anschluss verlagerte sich das Spielgeschehen wieder dorthin, wo es ohnehin schon die meiste Zeit stattfand: Ins Drittel vor Mirko Pantkowski. Nach seinem Sieg vom Sonntag gegen Wolfsburg durfte „Pante“ auch heute in Mannheim starten. Schon nach zwei Dritteln egalisierte er dabei seine Save-Stas (21) aus der gesamten Partie gegen die Grizzlies.
Rund um den letzten Seitenwechsel rückte er dabei noch einmal besonders in den Fokus. Zeitgleiche Strafen gegen Ryan McKiernan (2 + 2 min) und Maksim Matushkin (2 min) schickten Mannheim in doppelte Überzahl. 66 Sekunden Unterzahl im 2. Drittel überstanden Daniel Pfaffengut, Tommi Pasanen, Daniel Wirt und natürlich Pantkowski dank hellwachem, engagierten Penalty Killing unbeschadet. Nach Widerbeginn dauerte es allerdings nur 19 Sekunden, ehe Adler-Topscorer Anthony Greco die Überzahl doch ausnutzte. Greco traf aus dem Drittelzentrum mit einen platzierten Handgelenksschuss genau in den Winkel, da er die kleine Lücke sah, die Mirko Pantkowski über seiner Fanghand anbot. Dem Löwen-Goalie war dagegen die Sicht auf den Schuss verstellt.
Schüsse aus der Mitteldistanz, wie der von Greco, nutzten die Adler heute mehrfach, um die Löwen-Defensive in Bedrängnis zu bringen. Schon das 2:0 durch Nicolas Mattinen fiel aus ähnlicher Position nach einem Querpass von Dan Renouf (26.). Gern drängte die Adler-Offensive die Löwen mit zügigen Angriffszügen tief in deren Defensivzone. Ablagen auf die nachrückenden Verteidiger wie Mattinen, Gawanke und Co. erbrachten immer wieder gefährliche Abschlüsse, vor allem wenn die Verteidigung der Löwen schon tief an den Torraum kollabiert war. Gleichzeitig mussten sie dies auch regelmäßig tun, denn die Adler „crashten“ auch immer wieder effektiv das Löwen-Tor, wie beim 1:0 durch Zach Solow (14.). Esposito (8.), O’Donnell (16.), Reichel (32.) und andere scheiterten dagegen an Pantkowksi.
Punktgewinn statt Niederlage
Den spieldirigierenden Adlern setzten die Löwen Charakter und viel Engagement entgegen. Und ein Quäntchen Glück. Marc Michaelis hatte in der 46. Minute noch nicht richtig auf der Strafbank Platz genommen, ehe Cam Brace seinen zweiten Treffer des abends erzielte. Nach Bullygewinn von Daniel Pfaffengut angelte sich Brace die Scheibe und tackerte sie aus dem hohen Slot zum 3:2 in den Winkel.
Zwar brachte der Anschlusstreffer die Partie nicht direkt ins Wanken, doch mit jeder Minute schienen die Adler schwerere Beine ob der sich nicht ergebenden Löwen zu bekommen. Und Frankfurt witterte seine Chance, da Tom Pokels Teams natürlich nichts zu verlieren hatte. Ab der 52. Minute kreierten die Löwen praktisch in jedem Wechsel gute Torschüsse und drückten die Adler nunmehr auch nachhaltig in deren Drittel. Dreieinhalb Minuten vor dem Ende belohne Dennis Lobach sich und sein Team für die Moral tatsächlich mit dem 3:3-Ausgleich (57.). Wieder bekamen die Adler die Zone nach einen Schuss von Daniel Pfaffengut nicht geklärt, Lobach fiel der Puck halblinks vor die Füße und Johan Mattsson hatte außer Position keine Chance zur Abwehr des Nachschusses.
Eine Strafe gegen Matthias Plachta brachte den Löwen zwei Minuten vor dem Ende gar nochmal ins Powerplay, doch der Siegtreffer gelang ihnen dabei nicht.
So ging das Derby in die Overtime, wo Kristian Reichel nach einem Puckgewinn gegen Maksim Matushkin im Alleingang den Extrapunkt für Mannheim sicherte. Dennoch verlieren die Adler Tabellenrang 2 an Straubing, die gegen Bremerhaven die volle Punktzahl einfuhren.
Ausblick
Am Freitag gastieren die Iserlohn Roosters in der NIX Eissporthalle (ab 19.30 Uhr). Karten gibt es natürlich schon jetzt im Löwen-Ticket-Shop. Am Sonntag reisen die Löwen dann nach München um sich im SAP Garden mit dem EHC Red Bull München zu messen (Spielbeginn 14.00 Uhr). Wie gewohnt überträgt MAGENTA SPORT alle Spiele live und in Farbe.
Adler Mannheim – Löwen Frankfurt 4:3 n.V. (1:0, 1:1, 1:2)